Floating Utopias

27. April–24. Juni 2018

Ausstellung
Intervention
Symposium
Veranstaltungsreihe

Ort(e): nGbK, Oranienstraße 25, 10999 Berlin

www.floatingutopias.org

Künstler_innen

Tools for Action, Artúr van Balen, Marco Barotti, Plastique Fantastique, Ant Farm, Eventstructure Research Group, Anna Hoetjes, Franco Mazzucchelli, The Yes Men, Ahmet Ögüt, Tomás Saraceno, Anika Schwarzlose, Graham Stevens, UFO, Huw Wahl

Arbeitsgruppe

Artúr van Balen, Fabiola Bierhoff, Alexander Dunst, Anna Hoetjes, Jantien Roozenburg, Hannah Zindel

Seit 1783 der erste Heißluftballon aufstieg, inspirieren aufblasbare Objekte die Imagination alternativer Welten. Im neunzehnten Jahrhundert kolonialisierten Luftstädte den Himmel und schwebende Labore vermaßen die Welt. Fliegende Kameras popularisierten den Blick von oben. Seit den 1930er Jahren setzten gigantische Luftpuppen sozialistische und kapitalistische Massenparaden in Szene. Mit den Idealen der 68er-Generation hielten aufblasbare Räume und Performances Einzug in die Architektur und erprobten neue Formen des Zusammenlebens.

»Floating Utopias« führt in einer Ausstellung und begleitenden Interventionen im Stadtraum die Vielfalt pneumatischer Medien vor Augen. Das Projekt stellt historische und aktuelle Arbeiten gegenüber und fragt nach ihrem Potential für die künstlerische und aktivistische Praxis. Aufblasbare Objekte dienen bis heute als Werkzeuge für ästhetische und politische Interventionen: Künstler_innen und Aktivist_innen verorten ihre Arbeiten zwischen Surrealität und Funktionalität, Fiktion und Fakt. ‚Inflatables‘ verführen zu Spiel und Ungehorsam, stiften Gemeinschaft und Teilhabe, erzeugen Aufmerksamkeit und Handlungsmacht.

Ausstellungsdesign:
Agustina Pascotto und and Jazmin Lourdes Schenone in Kollaboration mit Jantien Roozenburg

Termine:

Donnerstag, 26. April 2018
11-22 Uhr
Intervention »Castle of Vooruit« von Ahmet Ögüt
Am Eröffnungstag wird der Künstler Ahmet Ögüt für Floating Utopias eine partizipative Performance realisieren. Die stationäre Installation „The Castle of Vooruit“, die 2012 erstmals in Gent zu sehen war, schwebt für einen Tag über dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg.
17 Uhr
Speakers Corner
Ögüts Performance „Speakers Corner“ lädt ab 17 Uhr eingeladene Gäste und zufällige Passant_innen dazu ein, sich im Schatten dieses aufblasbaren Objekts zum Thema Utopien zu äußern.
19 Uhr
Eröffnung der Ausstellung
21 Uhr
Performance “Pneu Show” von Theo Botschuijver, Eventstructure Research Group
Zur Eröffnung wird der niederländische Künstler Theo Botschuijver, ehemals Mitglied der Eventstructure Research Group (ERG), eine neue Version der „Pneu Show“ realisieren, die erstmals 1968 in Bern stattfand. Die aufblasbaren Filminstallationen und partizipativen, mitunter bewusst störenden Happenings der ERG im urbanen Raum theoretisierten das ‚Ereignis‘ als eine offene, experimentelle Situation. Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen Kunst, Architektur und Technik erlaubten sie Teilnehmer_innen, den Verlauf der Ereignisse zu bestimmen. In der Ausstellung wird zudem Archivmaterial der ERG in Form von Fotografien und Konstruktionsskizzen zu sehen sein. Sie dokumentieren die Begeisterung für das pneumatische Medium in den 1970er Jahren.

Freitag, 27. April 2018, 16 Uhr - Start: nGbK
Intervention »A. to A. (Elica)« von Franco Mazzucchelli
Das aufblasbare Objekt wird im Rahmen eines öffentlichen Spaziergangs zur Spree begleitet (Treffpunkt: nGbK). An der Oberbaumbrücke wird das Objekt zu Wasser gelassen und bewegt sich dann in Richtung Elsenbrücke.
Franco Mazzucchelli baut seit 1964 aufblasbare Objekte, die er als Interventionen in Alltagssituationen versteht und ihren zufälligen Nutzer_innen überlässt. Für Floating Utopias wird der italienische Künstler ein aufblasbares Objekt mit dem Titel „Elica“ aus seiner Serie „A. to A.“ am Berliner Osthafen realisieren. Dieses Objekt wird als neues künstlerisches Experiment auf der Spree durch Berlin treiben. Im Rahmen der Ausstellung wird außerdem Mazzucchellis Film „Alfa Romeo“ (1971) zu sehen sein, der zeigt, wie Fabrikarbeiter_innen spielerisch auf eine aufblasbare Skulptur reagieren und diese gleichzeitig gegen den Mailänder Autoverkehr positionieren.

Donnerstag, 3. Mai 2018
19 Uhr
Vortrag (EN) »Google Balloons and Histories of Unmanned Ballooning« von Hannah Zindel
Since 2013 the company google has sent hundreds of balloons into the stratosphere. They shall provide Internet to regions that are not connected to the world wide web. To get balloons in the desired direction, google uses predictive models of the winds and decision-making algorithms. To critically grasp this economization of the stratosphere and its infrastructures, the lecture takes a media-historical look at ballooning practices and techniques of measuring, calculating and imagining the atmosphere since 19th century.
Dr. des. Hannah Zindel holds a Post-Doc position at the Institute for Advanced Studies on Media Cultures of Computer Simulation (MECS), Leuphana University Luneburg. Her research interests include History of Media Technology, Cultural Techniques, Balloons and Wind Tunnels.
20 Uhr
Künstlergespräch (EN) mit Tomás Saraceno und Graham Stevens über Solarskulpturen und Aerocene
Moderiert von Dr. Sasha Engelmann
Als die ersten solaren Luftskulpturen von Graham Stevens Anfang der 70er Jahre in die Höhe stiegen, wurden damit neue Anwendungsmöglichkeiten von pneumatischen Strukturen zum Übergang von fossilen Brennstoffen zu nachhaltigen Energieformen vorgestellt. Angesichts des Klimawandels und der Neubewertung der Energiesysteme werden die ökologischen Ideen, die Stevens damals erforscht hat, neu aufgegriffen. Tomás Saracenos interdisziplinäres Kunstprojekt Aerocene sucht nach neuen Formen der Sensibilität, nach einer ethischen Kooperation mit der Sonne, der Atmosphäre und unserer Umwelt. Saraceno schlägt eine neue, interplanetare und ökologische Praxis vor. Beide Künstler stellen die Frage, wie wir uns wieder mit elementaren Energiequellen verbinden und ein neues Wertesystem bilden können, das die Rohstoffwirtschaft fossiler Brennstoffe überwindet. Im Rahmen des Künstlergesprächs wird die gesellschaftspolitische Rolle von Solarskulpturen im Hinblick auf eine postfossile Energieära untersucht.

Saturday, 19 Mai 2018
Symposium (EN) »Floating Ideologies – Material Disobedience«
Much to the frustration of centuries of inventors, hot-air balloons can only be steered vertically, not horizontally. The uncontrollable, disobedient element of balloons points to both a burden and a promise of liberation. Inflatables are used as tools of observation and disguise in the military, as tools of attraction in mass spectacles or as tools for direct action in protest situations. This symposium investigates how inflatables have the potential for tactics and strategies ranging from centralized technologies of control to insurrectionary, bottom-up approaches for empowerment. Where can inflatables take us? And what are the ethical dilemmas, considering that tools and tactics can be used by actors with different political agendas?
15 Uhr
Vorträge
- Tom Ullrich »Fying Barricades«
- Artúr van Balen “Tools for Action”
- Anika Schwarzlose »Disguise and Deception - inflatables and their use for military operations«
- Moritz Frischkorn »Choreography of Things, from 1968 until now«
- Shailoh Phillips: »Floating Ideologies: Ethical Dilemmas for the Politics of Direct Action«
20h
Filmvorführung mit Diskussion
»Action Space« (1968-1978) von Huw Wahl

Action Space used large inflatable sculptures to create interventions into public spaces. By bringing together artists, performers, dancers, painters and musicians, the movement sought to produce cultural democratic spaces for art, education and creative play outside of the restrictive space of the gallery system. This film looks at those years between 1968 and 1978, archiving footage alongside discussions with key members of the movement, present-day writers and theorists.

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