Inventing the Wheel

Das Rad erfinden – Partizipatorische Praxis in der Kunst seit 1970

18.–19. November 2005

Einzelveranstaltung
Symposion

Teilnehmer_innen

Bettina Allamoda, bankleer, Manfred Blieffert, Hella Böhm, Susanne Bosch, Gernot Bubenik, Hans Christian Dany, Detlef David, Jula Dech, Constanze Eckert, Michael Fehr, finger, Renate Flagmeier, Stella Geppert, Henrike Grohs, Helmut Hartwig, Nanna Heidenreich, Farida Heuck, Volker Hoffmann, Wolfram Isele, Katharina Kaiser, Barbara Kleinitz, Doris Koch, Dorothea Kolland, Jutta Kunde, Marina Landia, Kristina Leko, Katharina Lenz, Seraphina Lenz, Elisabeth Mayerhofer, Elke aus dem Moore, Siegfried Neuenhausen, Ute Pinkert, Barbara Putz Plecko, Stella Rollig, Ines Schaber, Johanna Schaffer, Antje Schiffers, Harald Schmutzhard, Judith Siegmund, Martina Siegwolf, Rebekka Uhlig, Gisela Weimann, Antje Weitzel, Peter Winkels, Francis Zeischegg, Florian Zeyfang

Arbeitsgruppe Art for Change - Loraine Leeson

Mitarbeit

Wibke Behrens, Penile Boettcher, Britta Bremer, Eckhart Haisch, Magrit Hohlwein, Katharina (Katja) Jedermann, Gabi Kellmann, Michael Kubiz, Christian Mayrock, Carmen Mörsch, Julian Stahlboehm

Das Symposion wurde von Katja Jederman und Carmen Mörsch konzipiert.
Es wurde mit Unterstützung der Arbeitsgruppe Art for Change: Loraine Leeson 1975 - 2005 durchgeführt.

Bei ‘Inventing the Wheel – das Rad erfinden’ diskutierten Akteur_innen aus dem deutschsprachigen kulturellen Feld und einige internationale Gäste Gemeinsamkeiten und Unterschiede von sogenannten ‘künstlerischen Partizipationsprojekten’ seit den 1970er Jahren und in der Gegenwart – von künstlerischer Arbeit, die sich im Feld des Politischen und / oder der Bildung verortet und die unter Beteiligung bzw. im Interesse verschiedener Öffentlichkeiten stattfindet.

Nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten dieser ‘Praxisgenerationen 1970+ und 1990+’ (so unser Arbeitsbegriff für die Künstler_innen und Kulturarbeiter_innen, die seit den 1970er bzw. seit den 1990er Jahren arbeiten) zu fragen, wurde uns im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Werk und der Biografie Loraine Leesons ein Anliegen. Leeson arbeitet seit 1976 (bis zum Jahr 2000 gemeinsam mit Peter Dunn) unter verschiedenen Lables wie ‘The Art of Change’, ‘Docklands Community Poster Project’ oder aktuell ‘C-Space’. Damit gehört sie neben Steve Willats oder der Artists Placement Group zu den frühen Beispielen einer gesellschaftsbezogenen und partizipatorischen künstlerischen Praxis, die sich nach dem 2. Weltkrieg in England entwickelte. Die Künstler_innen, die in den 1970er Jahren begannen, sind heute zum großen Teil weiterhin tätig. Sie sind inzwischen Teil eines sich seit den 1990er Jahren stetig weiter etablierenden Arbeitsfeldes, auf dem sich unter Begriffen wie ‘Socially Engaged Art’, ‘Littoral Art’ oder ‘New Genre Public Art’ zunehmend junge Akteur_innen profilieren.
Bei unseren Recherchen von Projekten aus den 1970er Jahren und der Gegenwart stießen wir mitunter auf programmatische und terminologische Ähnlichkeiten. Gleichzeitig konnten wir feststellen, dass es so gut wie keinen Austausch und wenig explizite Bezugnahmen, stattdessen aber Vorbehalte zwischen den beiden Künstler_innen-Generationen gibt.
Solche Beobachtungen brachten uns zu der Frage, in welchem Verhältnis sich die beiden Praxisgenerationen im deutschsprachigen Raum befinden. Diese haben sich unter anderen historischen, kulturpolitischen und diskursiven Vorzeichen als in England entwickelt – aber auch hier gibt es bislang wenig Austausch und viele Vorbehalte. Es erschien uns daher lohnenswert, ein Arbeitstreffen einzuberufen, um eine mögliche ‘strukturelle Amnesie’ auf allen Seiten aufzubrechen. Wir verstanden das Symposion ‘Inventing the Wheel – das Rad erfinden’ als einen ersten Impuls, um eine überfällige Debatte in Gang zu bringen die über die Veranstaltung selbst hinausreicht.

Um zu einer vielperspektivischen Formulierung der Fragestellungen für „Inventing the Wheel – das Rad erfinden“ zu gelangen, führten wir im Vorfeld drei Gepräche mit Vertreter_innen beider Praxisgenerationen.

Geprächspartner_innen waren Gisela Weimann und Judith Siegmund, Kristina Leko und Hella Böhm, Bankleer (Christoph Leitner und Karin Kasböck) und Gernot Bubenik.

Die Auswertung der drei Gespräche führte uns zu drei Fragerichtungen, an denen vor allem die unterschiedlichen Zugänge der beiden Generationen deutlich wurden.

Als Beitrag zur Debatte baten wir die Teilnehmenden des Symposions vorab um einen Text zu einer oder mehrerer der drei Fragerichtungen bzw. zu einem anderen Thema der Auseinandersetzung zwischen den beiden Praxisgenerationen. Diese Stellungnahmen wurden im Vorfeld den Moderator_innen und allen Teilnehmenden zugesandt. Nach dem Symposion bestand die Möglichkeit, das Statement zu überarbeiten, zurückzuziehen oder ein neues zu schreiben.

Das Symposion bestand aus einer geschlossenen und einer öffentlichen Phase.

Die geschlossene Phase ereignete sich in Form von runden Tischen zu den drei interdependenten Fragerichtungen: Politikverständnis / Künstler_innenrolle / Ökonomien.

Die runden Tische wurden jeweils moderiert:

Moderation Politikverständnis: Silke Wenk
Moderation Künstler_innenrolle: Johanna Schaffer
Moderation Ökonomie: Leonie Baumann

Die Zusammensetzungen der runden Tische konnten während der Veranstaltung wechseln.

In der öffentlichen Phase wurden die Ergebnisse präsentiert und in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert. Ausserdem luden wir Stella Rollig, Direktorin des Kunstmuseum Lentos in Linz, zu einem Vortrag über die Geschichte der Partizipation in der Kunst ein.