La Zona

28. April–3. Juni 2012
Eröffnung: 27. April 2012

Ausstellung
Publikation

Ort(e):
NGBK, Oranienstraße 25

Arbeitsgruppe

Sandra Bartoli, Michael Danner, Ulrike Feser, Silvan Linden , Florian Wüst

Mitarbeit

Büro für Konstruktivismus, Michael Danner, Katja Davar, Amin Farzanefar, Kim Feser, Ulrike Feser, Nina Fischer / Maroan el Sani, Ralf Homann, Ins A Kromminga, Tara Mahapatra, Steven Matheson, Chris McGrane, Esther Neumann, Lina Selander, Dylan Spaysky, Charles Stankievech, Ashok Sukumaran, Florian Wüst, Daniel Young & Christian Giroux

Die Beiträge der Ausstellung begeben sich auf experimentelle Weise in die Auseinandersetzung mit verschieden definierten ‘Zonen’ und setzen sich mit Themen wie Ökologie und Umwelt, Technik und Atomkraft, Politik, Popkultur und Stadtentwicklung auseinander. Das verbindende und zu untersuchende Element liegt in der Ambivalenz des menschlichen Umgangs mit katastrophalen Ereignissen und ihren Nachwirkungen.

In der Ausstellung begegnen den Besucher_innen unterschiedliche Kategorien von Zonen: die kontaminierte Zone, die dekontaminierte Zone, die post-kontaminierte Zone, die ausgebeutete Zone, die geschützte Zone, die ephemere Zone.

Wichtigster inhaltlicher Ausgangs- und Bezugspunkt für die Organisator_innen der Ausstellung ist ein Film aus dem Jahre 1979, der auf futuristische Weise die Reise durch eine ‘Zone’ beschreibt: In Andrej Tarkowskijs gleichnamigen Film führt die Figur des Stalker einen Schriftsteller und einen Wissenschaftler unerlaubt in die ‘Zone’, einem militärisch streng abgeriegelten Sperrbezirk. Mit seiner Intuition und Erfahrung ist er in der Lage, einen Weg durch die arkadische Ruinenlandschaft voller Geheimnisse und tödlicher Gefahren zu finden.
Sieben Jahre vor der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl gedreht, lässt sich Stalker als eine Vorwegnahme dieses Ereignisses und seiner Folgen lesen. Der Film erzählt die Geschichte einer zivilisatorischen Sinnkrise, die alle gesellschaftlichen Bereiche umfasst und keinerlei Erlösung bereithält.

Im Film wie in der Ausstellung bietet sich die „Zone“ in ihrer Wechselhaftigkeit als Projektionsfläche einer Idee von Fortschritt und Aufklärung an. Gleichzeitig zeugt sie von unserem gebrochenen Verhältnis zu natürlichen Ressourcen. Der Entstehung einer Zone geht oftmals ein von Menschen herbeigeführtes oder beeinflusstes Ereignis voraus. Im Nachhinein stellt sich der Umgang mit dem Ereignis und dessen Folgen oftmals als hilfloser Versuch dar - die Zone wird zum zentralen Motiv von Medienberichterstattungen, zum Forschungsgegenstand, zum Mahnmal oder Ausflugsziel für Kurzreisen. Mit Erklärungs- und Klärungsversuchen wird die drohende Ohnmacht in Schach gehalten. Versagen die tradierten Instrumentarien menschlicher Erkenntnis in Form von Wissenschaft, Kunst und Religion? Die Ausstellung spürt dieser und anderen Fragen nach.

Es erscheint eine Publikation in Deutsch und Englisch. (Verlag: NGBK)
La Zona - deutsche Ausgabe: ISBN: 978-3-938515-48-8 (englische Ausgabe: 978-3-938515-49-5)

Veranstaltungen:

Donnerstag, 19. April 2012, 19 Uhr
RADIO-PICKNICK - Performance von Ralf Homann
Wie ist die unklare Zone einer Revolution beschaffen? Wer bestimmt solch eine Bestimmung? Kleine illegale UKW-Sender begleiten seit Jahrzehnten ganz ohne Eitelkeit und sehr charmant widerständige politische Praxen: Besetzte AKW-Gelände, Grenzcamps von „kein mensch ist illegal“ über Zeltlager an der Wall Street, oder auch am Schlosspark in Stuttgart und demnächst vielleicht in Mitte. Unter dem Radar visueller und damit repräsentativer Aufladung: Es ist ein abseitiges Flimmern und unbekanntes Wabern, ein Rauschen und eine durch pure Energie aufrechterhaltene Stille. Vielleicht auch der blaue Geschmack von gerösteten Sesamkernen auf gesalzenem Sellerie. Kann es sein, dass eine politische Handlung aus dem Nichts entsteht, ohne ein Interesse, aus einer Zusammenkunft am Wegesrand? Aus einer Verabredung zum Picknick, irgendwo im freien Feld. Mit gerösteten Sesamkernen und einem Radio-Sender?

10. Mai, 14 h
Kunstvermittlung / Workshop
Catriona Shaw

10. Mai, 19 h
Künstlerinnengespräch
Nina Fischer & Maroan el Sani
Nina Fischer und Maroan el Sanis Beitrag zu La Zona in Form der neuen dreiteiligen Videoinstallation Geister, die die Augen zumachen (2012) gibt Einblick in das Leben in Japan nach dem 11. März 2011. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem physischen und psychischen Ausnahmezustand maßgeblich in Folge der fortwährenden Reaktorkatastrophe von Fukushima, der von akuter Bedrohung bis zum subtilen Wandel der Alltagsgewohnheiten changiert. Bereits in früheren Filmen wie Sayonara Hashima (2009) und Narita Field Trip (2010) setzten sich Fischer & el Sani mit geschichtsrelevanten Orten und der Erinnerungskultur in Japan auseinander. Das von Florian Wüst moderierte Künstlerinnengespräch wird durch die Vorführung der genannten Filme und zusätzliches Bild- und Recherchematerial ergänzt.

12. Mai
Lange Buchnacht
Die Ausstellung ist bis Mitternacht geöffnet

24. Mai 2012
Stalker von Andrej Tarkowskij – Vortrag und Filmvorführung:
19 Uhr
Vortrag, Kim Feser
Akustische Zonierung (mono vs. surround). Zum Stalker-Soundtrack
„Das ist der stillste Platz der Welt“, sagt der Stalker bei der Ankunft in der „Zone“. Auf der Mono-Tonspur des Tarkowskij-Films ist dabei tatsächlich fast nichts zu hören. Anders bei der 5.1-Surround-Tonspur der DVD-Neufassung aus dem Jahre 2000 – hier rauscht ein Fluss, Vögel zwitschern aus allen Richtungen. Ausgehend von solchen Unterschieden der beiden Versionen können Besonderheiten der akustischen Raum-Zeit-Gestaltung in Stalker diskutiert werden: Umgebungsgeräusche werden subtil mit elektronischen Klängen gemischt, die Aufmerksamkeit wird sensibilisiert für nuancierte Ereignisse. Die Entschleunigung und Reduktion des Hörbaren in der Zone führt bis zur Stillstellung von Zeit und Raum. Darin verliert sich eine wiederkehrende, altbekannt wirkende Melodie.
Der Vortrag steht in Zusammenhang mit Kim Fesers Sound-Installation „Vorfeld. Stalker-Soundscape für La Zona – elektronisch modulierte (Soundtrack-)Fragmente für acht Lautsprecher“.

ab ca. 19.45 Uhr:
Filmvorführung: Stalker von Andrej Tarkowskij (1979, OmU)

3. Juni, 19 h
Vortrag
Charles Stankievech
“Over the Rainbow, Under the Radar: Electromagnetic Infrastructure and Outpost Architecture in the Arctic”
+ Finissage