nGbK-Lectures 2022

1. Januar–31. Dezember 2022

Veranstaltungsreihe

Ort(e):
nGbK (Veranstaltungsraum, 1.OG), Oranienstraße 25, 10999 Berlin
Verschiedene Orte in Berlin

Teilnehmer_innen

Ingo Arend, *foundationClass*collective, Noa K. Ha, Giovanni Picker, Slavs and Tatars

Vereinsinitiative

Das Format “nGbK-Lectures” startete 2016. In Podien und Debatten mischt sich die nGbK in das öffentliche Gespräch ein, erarbeitet Stellungnahmen, solidarisiert oder empört sich. In zeitlich unregelmäßigen Abständen organisieren Vereinsmitglieder Abendverstaltungen zu kulturpolitischen Themen.

Termine:

Donnerstag, 29. September 2022, 19 Uhr (en)
nGbK-Veranstaltungsraum
Diskussionsrunde “Kunst & Kollektive: Wie weiter nach Kassel? – Strategien im Kunstfeld” mit Slavs and Tatars, foundationClasscollective und Ingo Arend, moderiert von Ingrid Wagner

Seit der documenta fifteen und dem basisdemokratischen Ansatz der Arbeit des Kollektivs ruangrupa gibt es eine heftige Diskussion über die kollektive Kunstproduktion. In diesem nicht-hierarchischen Selbstverständnis versteht sich auch die nGbK. Deshalb will der Verein die Auseinandersetzung über das Kollektive vertiefen und sich über die Bedeutung dieses Ansatzes im Kunstbetriebs austauschen. Was sind die Ziele, was sind die unterschiedlichen Modelle und welche Probleme und Herausforderungen hat die kollektive Arbeit? Eingeladen sind das Künstlerkollektiv foundationClasscollective, das 2020 in der nGbK ausstellte und an der documenta fifteen teilnahm. Slavs and Tatars ist ein international agierendes Kollektiv, das die künstlerische Arbeit sehr weit und interdisziplinär fasst. Ingo Arend nimmt als Kulturjournalist und als Präsidiumsmitglied der nGbK teil. Das Mitglied des Präsidiums Ingrid Wagner wird die Diskussion moderieren.

Samstag, 12. November 2022, 20 Uhr (en)
Apartment Project Kulturverein e.V., Hertzbergstraße 13, 12055 Berlin + Livestream
Gespräch “Where We Stand: European Cities, Colonialism and the Other Histories and Futures of Berlin’s Mitte” zwischen Noa K. Ha und Giovanni Picker, moderiert von Niloufar Tajeri

In ihrem kürzlich erschienenen Buch European cities: Modernity, race and colonialism unterziehen die beiden Stadtforscher_innen Noa K. Ha und Giovanni Picker gemeinsam mit dreizehn weiteren Beitragenden das Projekt einer europäischen urbanen Moderne einer kritischen Neubewertung. Dabei identifizieren sie eurozentrische und historizistische Perspektiven auf die europäische Stadt des 21. Jahrhunderts, die nicht zuletzt in Berlin-Mitte zu beobachten sind, etwa in aktuellen Debatten um das Humboldt-Forum oder die Entwicklung des Molkenmarkt-Quartiers.

Auch die nGbK, die 2023 ihre neuen Räume unweit dieser beiden Orte beziehen wird, bleibt von solchen Debatten nicht unberührt. In ihrer nGbK-Lecture machen Ha und Picker im Gespräch mit Niloufar Tajeri deutlich, wie sehr die Entwicklung der Mitte Berlins nicht nur von wirtschaftlichen und politischen Interessen geprägt ist, sondern auch von Kämpfen um kulturelle Hegemonie. Den in stadtplanerischen Diskursen immer häufiger zu beobachtenden positiven Rückbezug auf eine idealisierte Vergangenheit diskutieren sie vor dem Hintergrund der Geschichte Berlins: Von kolonialem Erbe über die Enteignung von Jüdinnen und Juden bis hin zur Teilung der Stadt. In der Einleitung ihres Sammelbands entlarven Ha und Picker mithilfe postkolonialer, dekolonialer und Critical-Race-Theorien das Modell der europäischen Stadt als ein eurozentristisches und plädieren für einen Perspektivwechsel.

Noa K. Ha ist wissenschaftliche Geschäftsführerin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Zuvor lehrte und forschte sie unter anderem an der TU Berlin und war Gastdozentin an der Weißensee Kunsthochschule. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind postkoloniale Stadtforschung, migrantisch-diasporische Erinnerungspolitik, kritische Integrationsforschung und Rassismuskritik.

Giovanni Picker lehrt Soziologie an der University of Glasgow. Nach seiner Promotion in Stadtforschung 2009 forschte er an verschiedenen Institutionen in Italien, Rumänien, Russland, Ungarn, Deutschland und Großbritannien. Derzeit arbeitet er an der Schnittstelle von Stadtforschung und Critical Race Studies mit Schwerpunkt Europa.

Niloufar Tajeri ist Architektin und Architekturtheoretikerin. Sie promoviert am DFG-Graduiertenkolleg „Identität und Erbe“ an der TU Berlin. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit strukturellem Rassismus und Kolonialität in Architektur und Planung sowie urbanen Aufständen und Erinnerungspolitik in der neoliberalen Stadt.

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