Tagore’s Post Office

29. März–1. Juni 2014
Eröffnung: 28. März 2014

Ausstellung

Ort(e):
nGbK, Oranienstraße 25

Künstler_innen

Anna Boghiguian, Landings, Goshka Macuga, Tagore, Pedagogy and Contemporary Visual Cultures Netzwerk, The Otholith Group

Teilnehmer_innen

Katharina (Katja) Jedermann, Andreas Müller, Grant Watson

Arbeitsgruppe Ausstellungsübernahmen

Elke Falat, Claudia Hummel, Ulrike Jordan, Antje Weitzel

Tagore’s Post Office ist eine Kooperation zwischen der neuen Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) und Iniva (Institute of International Visual Arts) und integriert die Ausstellung Tagore’s Universal Allegories, initiert und organisiert von Iniva und kuratiert von Grant Watson, 2013.

Ausgangspunkt der Ausstellung Tagore’s Post Office ist das Werk und die Ideen des Dichters und Universalgelehrten Rabindranath Tagore (Kolkata, 1861–1941), einer zentralen Figur des frühen zwanzigsten
Jahrhunderts in Indien. Er war der erste asiatische Nobelpreisträger für Literatur und gilt als der einflussreichste indische Dichter der Moderne, als Bildungspionier sowie als Wegbereiter der modernen indischen Kunst und der Unabhängigkeit des Landes. In den 1920er Jahren war Tagore in Europa und insbesondere in Deutschland eine berühmte Persönlichkeit. Heute ist er außerhalb seines Heimatlandes nur noch wenig bekannt.
Tagore’s Post Office rückt erneut Tagores Ideen in den Fokus und setzt seinen Zugang zu Kunst und Kultur, zu Themen wie Ökologie, Bildung, Kosmopolitismus, seine Kritik am Nationalismus und sein Konzept des Universellen mit zeitgenössischen Fragen und Diskursen in Beziehung. Die Ausstellung versammelt künstlerische Arbeiten und Recherchen, die – oft aus unerwarteten oder heterodoxen Positionen – auf Tagores Erbe reagieren und auf diese Weise verdeutlichen, wie sein Werk und seine Ideen in vielen Bereichen weiterleben und polarisieren.
Das titelgebende Theaterstück The Post Office (Bengali: Dakghar; Deutsch: Das Postamt) aus dem Jahr 1912 verhandelt exemplarisch viele dieser Konzepte auf allegorischer Ebene.

Veranstaltungen:

Freitag 28 März 2014, 19 Uhr,
Eröffnung

Samstag 29 März 2014, 14 Uhr,
Gespräch
mit dem Kurator Grant Watson und Landings (Natasha Ginwala and Vivian Ziherl)

Freitag 11 April 2014, 19 Uhr,
Tagore, Pedagogy and Contemporary Visual Cultures Network

in englischer Sprache

Elzbieta Walter: „Rabindranath Tagore’s Post Office in Poland“
vorgestellt und moderiert von Landings (Natasha Ginwala und Vivian Ziherl)

Das Theaterstück Dakghar (Englisch: The Post Office, Deutsch: Das Postamt) existiert in fünf polnischen Fassungen verschiedener Übersetzer und wurde häufig inszeniert. Eine der wichtigsten Inszenierung fand während des Zweiten Weltkrieges in einem jüdischen Waisenhaus im Warschauer Ghetto statt, das von Janusz Korczak, einem polnisch-jüdischen Pädagogen, Arzt, Kinderbuchautor und Essayist geleitet wurde. Nur wenige Wochen bevor viele der Kinder und auch er selbst in das Konzentrationslager Treblinka deportiert wurden, organisierte Korczak eine Inszenierung von Dakghar mit den Kindern des Waisenhauses.

Elzbieta Walter ist Literaturwissenschaftlerin und forscht zu Tagore. Sie lebt in Polen und ist Absolventin der Universität in Santiniketan. Sie arbeitet am Lehrstuhl für Südasienstudien, der Fakultät für Orientalistik der Universität Warschau.


Das Tagore, Pedagogy and Contemporary Visual Cultures Netzwerk, eine Kooperation zwischen Iniva (Institute of International Visual Arts) und Goldsmiths, University of London bringt Wissenschaftler_innen und Kunstschaffende aus Europa und Indien zusammen, um die ungebrochene Relevanz von Rabindranath Tagore für eine zeitgenössische Kunstpraxis und visuelle Kultur zu diskutieren und zu erkunden. Die Gruppe verbindet das gemeinsame Interesse daran, das Erbe und den Einfluss Tagores aus unterschiedlichen Disziplinen zu untersuchen und zu beleuchten, oft mit unorthodoxen Herangehensweisen und in Abgrenzung von der herkömmlichen Forschung zu Tagore. Die Gruppe versteht sich nicht primär als Tagore Experten, sondern vielmehr als eine Gruppe, die sich mit Ideen und Ansätzen Kosmopolitismus, Bildung und sozialer Organisation vor dem Hintergrund der eigenen theoretischen, künstlerischen oder kuratorischen Praxis auseinandersetzen.

Samstag 12 April 2014, 19 Uhr,
Tagore, Pedagogy and Contemporary Visual Cultures Network

in englischer Sprache

„Fragmenting Tagore“
Vorträge von Anshuman Dasgupta, Sanchayan Ghosh, Ansuman Biswas und Adrian Rifkin. Vorgestellt und moderiert von Andrea Phillips und Grant Watson.

Anshuman Dasgupta: Translating Tagore: the problems and possibilities of attending to Tagore from another language and culture

Sanchayan Ghosh: Reversed Perspectives

Adrian Rifkin: Tagore seen seated: some others standing, a short speculation in composing the past-imperfect of the ‘post-colonial’

Ansuman Biswas und Gastmusiker: Parentheses on Truth, Beauty and Humanity; a live event based on the conversations between Einstein and Tagore which took place at Einstein′s house near Berlin in 1930

Anshuman Dasgupta ist Kurator und lehrt Kunstgeschichte an der Kalabhavan, Santiniketan (Visva Bharati University)
Sanchayan Ghosh ist Künstler und lebt in Kolkata; er lehrt im Fachbereich Malerei an der Kalabhavan, Santiniketan (Visva Bharati University)
Adrian Rifkin ist emeritierter Professor in Art Writing, Goldsmiths, London
Ansuman Biswas ist Künstler, Musiker und Direktor des Tagore Centre UK


Samstag 24 Mai 2014, 18 Uhr,
Lange Buchnacht in der Oranienstraße

Die Comicgruppe 123Comics in der nGbK

Performativer Vortrag zum Theaterstück „Das Postamt“ von Rabindranth Tagore - im Rahmen der Ausstellung „Tagore’s Post Office“

www.123comics.net

Sonntag 01 Juni 2014, 17 Uhr,
Vortrag
nGbK-Ausstellungsraum

Das Bauhaus in Kalkutta. Eine Begegnung der kosmopolitischen Avantgarden
Vortrag von Dr. Regina Bittner und Kathrin Rhomberg
In deutscher Sprache

Die Bauhausausstellung in Kalkutta 1922 war im internationalen Kunstbetrieb ein einmaliges Ereignis – ein Aufeinandertreffen künstlerischer wie intellektueller Verwandtschaften. Die westliche Moderne, die nach dem Ersten Weltkrieg auf der Suche nach geistiger und künstlerischer Erneuerung war, traf auf ihr indisches Pendant, das sich von den kolonialen Zwängen kulturell emanzipiert hatte. Werke von Paul Klee, Lyonel Feininger und Johannes Itten sowie von weiteren Bauhauskünstlern wurden bei diesem ersten internationalen Auftritt des Bauhauses neben Arbeiten moderner indischer Künstler wie Nandalal Bose, Sunayani Devi sowie Abanindranath und Gaganendranath Tagore präsentiert.
Das von Kathrin Rhomberg, Regina Bittner und Partha Mitter im Jahr 2013 kuratierte Ausstellungsprojekt „Das Bauhaus in Kalkutta. Eine Begegnung der kosmopolitischen Avantgarden“ rekonstruierte nicht nur diese historisch einmaligen Schau. Auf Grundlage umfangreicher Recherchen und mittels originaler Dokumente, Zeitungen, Fotos und Filme wurde der politische und zeithistorische Kontext zur Entstehung der Ausstellung im spätkolonialen Kalkutta herausgestellt.

Dr. Regina Bittner ist stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau. Für diese und weitere Institutionen kuratierte sie zahlreiche Ausstellungen zur Kultur- und Urbanisierungsgeschichte der Moderne. Ihre Untersuchungen und Publikationen bewegen sich im Feld der internationalen Architektur - und Stadtforschung sowie der “Heritage Studies”.

Kathrin Rhomberg, leitet von 2002 bis 2007 den Kölnischen Kunstverein, 2010 kuratierte sie die 6. Berlin Biennale. Seit 2014 ist sie Vorstandsvorsitzende des Trägervereins „Kontakt. Die Kunstsammlung der Erste Group und Erste Stiftung”.

Die Veranstaltung des Tagore, Pedagogy and Contemporary Visual Cultures Network (11./12. April) ist eine Kooperation zwischen Iniva und Goldsmiths, University of London, wird finanziert durch Arts and Humanities Research Council (AHRC).

Die Vermittlungsprojekte des Instituts für Kunst im Kontext der UdK Berlin mit der Nürtingen Grundschule werden gefördert durch Projektfonds Kulturelle Bildung Friedrichshain-Kreuzberg.

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