Auftakt 2019 Prelude

Presentation of the project proposals for 2020

30 March–5 April 2019

Exhibition
Event Series

Location(s):
neue Gesellschaft für bildende Kunst, Oranienstraße 25, 10999 Berlin

Participants

Sven Bergelt , Carina Book, Birgit Effinger, Paula-Marie Kanefendt, Heimo Lattner, Yasemin Özcan, Janine Sack, Mohammad Salemy, Jan Wenzel

The Program 2020 is up for vote! As always, project proposals for the following year will go on display at the nGbK for one week in spring: the annual »Prelude« presentation. Individual groups will present their package of issues, ideas, and viewpoints to the exhibition visitors. The nGbK members discuss and reflect on the project proposals before casting their vote either in the exhibition room or at the members’ general assembly— an example of grassroots democracy in action. Visitors are able thus to gain a first impression of future issues on the agenda and learn more about the structure of the nGbK.

Termine:

Samstag, 30. März 2019, 16 Uhr
Teil 1 - Ortsbesuch

Treffpunkt: Verkehrskanzel, Joachimsthaler Platz/Joachimsthaler Str. 10, 10719 Berlin
Sonntag, 31. März 2019, 16 Uhr
Teil 2 - Gespräch im nGbK-Ausstellungsraum (DE)

Paula-Marie Kanefendt und Sven Bergelt »comment . comment . comment: A re-visit of Group Material – Democracy Poll/Demokratische Erhebung, 1990«

Das Künstler_innen-Kollektiv Group Material kam 1990 nach Berlin – in der Zeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Auf Einladung des RealismusStudios der nGbK entwickelten sie eine Intervention im öffentlichen Raum, die unter anderem am ›Kranzler-Eck‹ in West-Berlin prominent positioniert stattfand. In der Pressemitteilung dieses Kunstprojekts »Democracy Poll/Demokratische Erhebung« heißt es:
»Group Material will mit den Statements die Diskussion über Intoleranz, Ausländerfeindlichkeit, Chauvinismus und antidemokratische Tendenzen mit künstlerischen Mitteln anregen«.

Paula-Marie Kanefendt und Sven Bergelt laden dazu ein, Spuren der Aktion von Group Material bei einem Ortsbesuch am Joachimsthaler Platz und während eines Talks in der nGbK erneut zu begegnen und gemeinsam über die gegenwärtige Relevanz der damals behandelten Themen zu sprechen.
Paula-Marie Kanefendt ist nGbK-Stipendiatin für künstlerische Kunstvermittlung 2019. Sven Bergelt ist Künstler und Kurator aus Leipzig.

Sonntag, 31. März 2019, 19 Uhr
Lecture Performance (TUR m UT:EN)

Yasemin Özcan »The Heart of the Flâneuse (2017)«

Für die Ausstellung »Flâneuses« (2017) produzierte Yasemin Özcan das Künstlerbuch »Marmalade Skies«. Die darin enthaltenen Kurzgeschichten basieren auf verschiedenen Geschichten, Orten und Figuren. Sie laden dazu ein, über die Präsenz von Frauen im öffentlichen Raum nachzudenken. In ihrer Lecture Performance »The Heart of the Flâneuse« bezieht sich Özcan auf dieses Buch und lässt die Herzschläge der Flâneusen, die beschwingt unter ›marmalade skies‹ schlendern, hörbar werden.
Yasemin Özcan ist Istanbul-Stipendiatin 2019.
Die Ausstellung »Flâneuses« im Französischen Kulturzentrum in Istanbul in Zusammenarbeit mit İKSV (Istanbul Foundation for Culture and Arts) wurde von Bige Örer kuratiert.
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Yasemin Özcan Flâneuses sergisi için izleyiciyi farklı tarihler, coğrafyalar ve karakterler üzerinden kadının kamusal alandaki varlığı üzerine düşünmeye davet eden öykülerden oluşan Limonata Gibi Hava başlıklı sanatçı kitabını üretti. Sanatçının gücünü bu kitaptan alan Flanöz’ün Kalbi başlıklı sunum-performansı, farklı coğrafyalarda, limonata gibi havalarda salınmaya devam eden flanözlerin kalp atışlarını seyirciyle paylaşıyor.
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Flâneuses sergisi, küratör Bige Örer ve İKSV işbirliği ile 13 Eylül-3 Kasım 2017 tarihleri arasında İstanbul Fransız Kültür Merkezi’nde gerçekleşti.]

Montag, 1. April 2019, 19 Uhr
Vortrag und Gespräch (DE)

Carina Book: »Vorhang auf - Die Rechten kommen? Über den Kulturbegriff der Neuen Rechten«

„Die alte Rechte ist tot. Sie hat es wohl verdient“, stellte einst der rechte Vordenker Alain de Benoist fest. Die Herausforderung der neuen Rechten sei es nun, kulturelle Hegemonie selber zu erkämpfen.
Die Neue Rechte nennt ihre Strategie Metapolitik und zielt damit auf eine kontinuierliche Transformation der gesellschaftlichen Wertvorstellungen ab. Oberste Priorität hat die Erlangung der Meinungsführerschaft. Erst danach könnten extrem rechte Parteien wirklich erfolgreich sein und das rechte Klima in Parlamentssitze und Regierungsverantwortung überführen – das zentrale Kampffeld ist der Kulturbereich.
Die Identitären verstehen sich als eine metapolitische Gruppe. Den „vorpolitischen Raum“ wolle sie erobern, um die „kulturelle Hegemonie“ zu erringen. Ihr Kampf gegen das behauptete totalitäre „Multikulti-Regime“ konzentriert sich auf Aktionen auf der Straße und im Internet, wo sie einen „Infokrieg“ führen. Wie sieht dieser Infokrieg aus und was sind ihre Waffen darin?
Als Beispiel können die sozialen Medien dienen - dort geht es um Inszenierung: Kleinstaktionen der Identitären werden in Hochglanz aufbereitet, mit Pathos geladener Musik untermalt und als Videos verbreitet. Die Botschaft: Die Identitären seien viele, sie seien mutig und entschlossen. Die jungen Rechten greifen auch die Ästhetik der Instagram-Community auf und machen sie für sich nutzbar. Zwischen Backrezepten und Portraitaufnahmen finden sich Bilder von neu-rechter Literatur oder Identitären in kämpferischen Posen. Wenngleich sich die Neue Rechte betont anschlussfähig gibt, stellt sie klar, dass künstlerische Interventionen, Videos, Bilder oder neue Begriffe, die Mittel seien um die „Machtquellen des Gegners auszutrocknen und lahmzulegen“.

In der bereits 2016 veröffentlichten „Kriegerklärung“ formulierten die Identitären: „Unser Ziel ist keine Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform.” Es wird offenkundig, dass es sich bei diesen „Neuen Rechten“ nicht um eine Gruppierung handelt, die sich aus dem demokratischen Diskurs ausgeschlossen fühlt und die jetzt wieder in die Gemeinschaft der Demokrat_innen integriert werden müsste. Ihr Ziel ist es nicht in einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess zu treten. Sie verabscheuen ihn und wollen ihn zerstören. Ob im Deutsche Theater in Berlin, auf der Frankfurter Buchmesse oder in den Hamburger Bücherhallen: Vielerorts gerät der so Kulturbetrieb unter Beschuss.

Dienstag, 2. April 2019, 19 Uhr
Book Launch und Lesung (EN)

Mohammad Salemy »ART WORLD 3000. The Making of the Post-Planetary Contemporary Art«

Set in the next millennium’s first century, the genre bending story applies the logic of science fiction to the contingent essence of art-world-making. Part sociology, part anthropology, the book sets a new paradigm for thinking about the evolving nature, culture and technology of contemporary art on a planetary scale. After introducing his larger project of imagining the art world of the future within the frame of today’s contemporary art, Salemy will read a chapter from the new book. The evening will continue with a moderated conversation with the author and book signing.

Mittwoch, 3. April 2019, 19 Uhr
Book Launch und Gespräch (DE)

Heimo Lattner und Birgit Effinger »Wiedersehen in TUNIX! Beginn einer Berliner Projektekultur«

Vom 27. bis 29. Januar 1978 kamen zahlreiche Vertreter_innen der undogmatischen Linken auf dem legendären Tunix-Kongress an der Technischen Universität in West-Berlin zusammen. Rund 20.000 Menschen waren der Einladung zu einem „Treffen all derer, denen es stinkt in diesem, unserem Lande“, gefolgt – gemäß der Parole: „Wir hauen alle ab! Zum Strand von TUNIX!“. In einer Atmosphäre von Diskussion, Aktion und Party fanden lebhafte Debatten statt, u.a. zu alternativer Energiegewinnung, selbstverwalteten Jugendzentren, Neonazis in der Bundesrepublik, Feminismus und Ökologie, ‚neuer‘ Theorie aus Frankreich, zum Überleben im Stadtteil, zu linken Buchhandlungen und Kneipen. Das Treffen in Tunix war ein Nährboden für neue Projektformen. Es ging um erreichbare Ziele. Der Begriff des Projekts stand dabei für Vernetzung, Beweglichkeit und Selbstbestimmung. Die emanzipatorischen Ansätze umfassten gleichermaßen die Kritik an etablierten Institutionen, den Wunsch nach Befreiung aus engen politischen Strukturen und den Aufbau neuer Handlungs(spiel)räume. Seither hat sich der Projektbegriff verändert – das Projekt selbst ist als Arbeits- und Organisationsform zum neoliberalen Leitbild geworden. 40 Jahre nach Tunix gilt es, diese Ambivalenz zur Sprache zu bringen und die Projektepraxis auf ihre politischen Anliegen hin zu befragen.

Donnerstag, 4. April 2019, 19 Uhr
Vortrag und Gespräch (DE)

Jan Wenzel »Bücher können warten«

Mit anschließender Vorstellung der Verlagsbroschüre »In 440 Titeln durch die Geschichte der nGbK: Von Agitation bis Zensur« mit Janine Sack

„Hat man einmal damit begonnen, eine eigene Bibliothek zusammenzutragen, hört man auf, einzelne Bücher zu lesen und nimmt fortan jedes Buch vor dem Hintergrund anderer Bücher wahr – Bücher, zu denen es eine Wahlverwandtschaft unterhält oder in Opposition steht: Jede Bibliothek erzeugt so eine Vielzahl von Verstärkungseffekten, Wechselwirkungen und Gegenbewegungen.“
Jan Wenzel spricht über seine persönlichen Lieblingsbücher im Programm der nGbK. Als Autor beschäftigt er sich momentan mit der Idee einer Ökologie des Publizierens – in einigen nGbK-Katalogen aus den 1970er Jahren findet er wichtige Bezugspunkte für eine solche Überlegung.

Jan Wenzel lebt und arbeitet in Leipzig. Zusammen mit Anne König und Markus Dreßen betreibt er seit 2001 den Verlag Spector Books. Als Autor hat er in seiner Kolumne »The Revolfing Bookshelf« (Camera Austria) in den vergangenen fünf Jahren über das Büchermachen und die Lektüre von Büchern geschrieben. Zusammen mit Anne König leitete er 2016 und 2018 das Fotofestival f/stop in Leipzig.

Janine Sack arbeitet als Art-Direktorin, Dozentin und Verlegerin in Berlin.
Sie konzipiert und gestaltet Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, sowie Webseiten und digitale Publikationen. Dabei interessieren sie vor allem die unterschiedlichen medialen Möglichkeiten in der Darstellung und Vermittlung der jeweiligen Inhalte. Als Art-Direktorin der Wochenzeitung „der Freitag“ (von 2008 – 2012) gewann Janine Sack zahlreiche Designpreise. 2017 hat sie das Redesign der taz zusammen mit Christian Küpker verantwortet.
Sie unterrichtet seit 2013 Visuelle Kommunikation u.a. an der HMKW und AMD in Berlin. 2018 gründete sie den digitalen Verlag eeclectic.