50 Jahre neue Gesellschaft - Lernorte

23. Juni–3. August 2019

Veranstaltungsreihe

Ort(e):
neue Gesellschaft für bildende Kunst, Veranstaltungsraum, 1. OG, Oranienstraße 25, 10999 Berlin

Teilnehmer_innen

COVEN BERLIN, Beatrice von Bismarck, Anna Bromley, Kathrin Busch, Chloe Cooper, Alice Creischer/Andreas Siekmann, Jula Dech, Renate Flagmeier, Peter Funken, Paz Guevara, Christian Hanussek, Susanne Huber, Jens Kastner, Christin Lahr, Christian Liclair, Silvan Linden , Annette Maechtel, Fiona McGovern, Justo Pastor Mellado, Sandrine Micossé-Aikins, Marion von Osten, Nihad Nino Pušija, Matthias Reichelt, Aykan Safoğlu, Gabriele Stötzer, Ildikó Szántó, Jelena Vesić, Anna Voswinckel, Elena Zanichelli

Arbeitsgruppe

Christian Hanussek, Ulrike Jordan, Hannah Kruse, Vincent Schier, Olga von Schubert, Eylem Sengezer, Anna Voswinckel

Vier ganztägige Symposien, sogenannte ›Lernorte‹, stellen die Auseinandersetzung mit Methoden, Ansätzen und Ethiken des Kunst- und Kulturschaffens sowie des Aktivismus im Kunstfeld in den Mittelpunkt. In einem hierarchiearmen partizipativen Rahmen treten Gäste und Teilnehmer_innen in einen vertiefenden Austausch. Ausgehend von spezifischen Projekten aus der Geschichte der nGbK werden kollektive, künstlerische und aktivistische Handlungsstrategien für die Zukunft diskutiert. Die Teilnehmer_innen sind eingeladen, ihre eigenen Projektideen methodisch zur Diskussion zu stellen. Mitglieder berichten von Erfahrungen und Expert_innen analysieren die Projekte der nGbK, um die Arbeit im Verein im Kontext von Kunst und Politik zu überprüfen.

Sonntag, 23. Juni 2019, 14-20 Uhr
Der Lernort SOLIDARISIEREN analysiert die Versuche in der nGbK, Allianzen und Solidaritäten mit internationalen Institutionen und Akteur_innen herzustellen. Immer wieder knüpften Projekte an weltweite politische und künstlerische Strömungen an oder setzten sich zu linken Befreiungs- Bürgerrechts- und Arbeiter_innenbewegungen, zu Protestaktionen oder sozialen Umbrüchen ins Verhältnis. Auch im Inland unterstütze der Verein Solidaritätsaktionen, Bündnisse und öffentliche Erklärungen. Inwieweit wurden Aufstände und Revolutionen in Lateinamerika oder Osteuropa zum Sehnsuchtsort des sich als links verstehenden Vereins? Wie versuchten diese Projekte Klassengrenzen und Nord-Süd-Hierarchien des (bürgerlichen) Kunstbetriebs zu überwinden? Welche Projektionen auf den Ort bzw. den Kampf, mit dem man sich solidarisieren wollte, wurden dabei sichtbar? Und in welchem Verhältnis standen die politische und die künstlerische Linke im Verein zueinander?
Anhand ausgewählter Projekte, wie »35 Künstlerinnen aus Mexiko« (1981), »Cirugia Plastica. Konzepte zeitgenössischer Kunst Chile 1980-1989« (1989) und der Jubiläumsausstellung selbst, werden die Reichweite und Auswirkungen dieser temporären Verbindungen auf die Struktur und Einladungspolitik des Vereins untersucht. Gemeinsam wird erkundet, inwiefern die externen Akteur_innen neue Sichtweisen auf die Kunst und politische Diskussionen im Verein anregten.
Mit: Paz Guevara, Jens Kastner, Justo Pastor Mellado, Nihad Nino Pušija, Matthias Reichelt, Aykan Safoğlu, Jelena Vesić
Für Informationen zum Programm siehe das PDF: Einführung und Programm aus der der Materialsammlung zum Lernort SOLIDARISIEREN, 2019


Samstag, 6. Juli 2019, 14-20 Uhr
Der Lernort FORSCHEN betrachtet Formen kollektiver, künstlerischer und aktivistischer Forschungs- und Recherchepraktiken in der nGbK und darüber hinaus. Der Wissensansatz der »AG Grundlagenforschung« in der nGbK in den 1970er Jahren steht mit seinem Anspruch, den Raum der Kunst zu nutzen, um marxistische Sozialforschung betreiben zu können, im starken Gegensatz zu den Forschungsansätzen des frühen RealismusStudio im Verein. Dort ging es – ähnlich wie im heutigen Diskurs - um künstlerische und kuratorische Forschung. Die Kunst selbst wurde als autonomes Medium der Erkenntnis und Forschung verstanden.
In welchem Spannungsverhältnis stehen Sozialforschung und künstlerische Forschung im Verein? Schließen sie sich aus oder gibt es Wechselwirkungen? Wie griff der Verein sowohl im marxistischen als auch im künstlerischen Lager sozio-politische und historische Forschungsthemen auf, die im akademischen Kontext unterrepräsentiert waren und widersetzte sich damit dem bestehenden Kanon? Wie beeinflusste die kollektive, meist recherchebasierte Arbeit in den Arbeitsgruppen die Art, wie Inhalte generiert wurden und konnten sich diese Forschungsansätze außerhalb etablierter Wissensökonomien behaupten? Anhand von Projekten, wie »Funktionen bildender Kunst in der Gesellschaft« (1970), »Erzeugte Realitäten I-III« (1994/95) und »Künstlerinnen International 1877-1977« (1977), diskutieren Expert_innen und Gäste die Rahmensetzungen der Projekte der nGbK, die Forschungsansätze und Recherchemethoden. Was für ein Ausbildungsort und was für eine Wissensproduzentin war und ist die nGbK für Kunst- und Kulturschaffende?
Mit: Kathrin Busch, Alice Creischer/Andreas Siekmann, Christin Lahr, Silvan Linden, Annette Maechtel, Sandrine Micosse-Aikins, Beatrice von Bismarck, Anna Voswinckel
Für Informationen zum Programm siehe das PDF: Einführung und Programm aus der der Materialsammlung zum Lernort FORSCHEN, 2019


Samstag, 20. Juli, 14-19 Uhr
Lernort ARBEITEN: ›Arbeit‹ ist in der nGbK, sowohl auf der strukturellen Ebene – in der Kollektivstruktur des Vereins – als auch thematisch ein roter Faden in den Projekten der letzten 50 Jahre. Hier spiegelt sich das wechselseitige Verhältnis von Kunst und Arbeit: Kunst ist Arbeit, wird aber bisweilen ebenso als Gegensatzpaar verstanden. Die Zusammenarbeit in den Projektgruppen und damit einhergehende geteilte Autor_innenschaften beeinflussen die Inhalte und vor allem die politische Ausformulierung genauso wie die Frage, ob im Kunstbetrieb Solidarität mit Arbeitskämpfen möglich ist.
In diesem Lernort werden die Vielzahl der Arbeitsbegriffe und die unterschiedlichen Arbeitsmethoden und Entscheidungsfindungen gemeinsam reflektiert. Welche Formen selbstorganisierter Arbeit finden heute in den Arbeitsgruppen statt? Wie verhält sich künstlerische Arbeit zu sogenannter immaterieller Arbeit im Neoliberalismus? Welche Machtstrukturen werden durch das Prinzip der Arbeitsgruppen in der nGbK aufgebrochen, welche werden perpetuiert? Sind Arbeitskämpfe immer noch das zentrale Moment politischer Organisierung?
›Arbeit‹ wurde in zahlreichen nGbK-Projekten mit unterschiedlichen Ansätzen thematisiert: Während in den 1970er Jahren das Verhältnis zur Arbeiter_innenklasse im Vordergrund stand, ging es bald um eine aus der eigenen Erfahrung heraus formulierte Kritik an diesem schematischen Bild – aus feministischer Perspektive, aber auch aus der von oft prekär arbeitenden Künstler_innen und Kulturarbeiter_innen. Fragen immaterieller und postfordistischer Arbeit wurden ebenso aufgegriffen wie das Thema Arbeitslosigkeit oder die Umverteilung von Hausarbeit und ›Care Work‹. Wie wird die feministische Kritik an einem orthodox-marxistischen Verständnis von Arbeit im Verein sichtbar? Ausgehend von diesen Fragen und im Rückgriff auf vergangene nGbK-Projekte, wie »Die Irregulären. Ökonomien des Abweichens« (2013), »Tätig Sein. Zur Ökonomisierung der Kultur und Kulturalisierung der Ökonomie« (2004), »Faktor Arbeit. Zur Geschichte und Zukunft von Arbeit«, »Unbeachtete Produktionsformen« (1982) sowie aktuelle und historische theoretische Debatten, soll die zukünftige Arbeit im Verein gemeinsam diskutiert und methodisch reflektiert werden.
Mit: Anna Bromley, Jula Dech, Peter Funken, Christian Hanussek, Ildikó Szántó, Marion von Osten
Für Informationen zum Programm siehe das PDF: Einführung und Programm aus der der Materialsammlung zum Lernort ARBEITEN, 2019

Samstag, 20. Juli 2019, 20 Uhr
Film screening: »Die allseitig reduzierte Persönlichkeit - ReduPers« von Helke Sander


Freitag, 2. August 2019, 20 Uhr
Film screening: Selected Films - kuratiert von COVEN BERLIN

Samstag, 3. August 2019, 12-19 Uhr
Lernort Begehren: Die nGbK versteht sich seit langem als Ort, an dem unterschiedliche Begehren präsentiert und diskutiert werden - auch und vor allem jene Begehren, die sich außerhalb von heteronormativen und patriarchal geprägten Beziehungsstrukturen bewegen. Hier wurden und werden Kunst und Gesellschaft aus einer dezidiert queeren und feministischen Perspektive betrachtet, die Begehren nicht auf eine körperliche und/oder zwischenmenschliche Ebene reduziert. Vielmehr geht es hier um Fragen des Aufbegehrens, um Sehen und Gesehen Werden. Individualität, Identifikationsfragen und Körperpolitiken spielen ebenso eine Rolle wie das politische Potential, das in der Äußerung eines Begehrens liegt.
Während in einigen Projekten ein diskriminierungssensibler Raum (an)geboten werden soll, um intime Fragen des Begehrens behandeln zu können, artikulieren sich andere lautstark, fordernd und öffentlich - auch außerhalb des Kunstraums.
Welche künstlerischen und kuratorischen Praktiken sind in der nGbK bisher zum Tragen gekommen? Welche Projekte haben Handlungsstrategien erarbeitet, um gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen und wie können diese in die Zukunft transportiert werden? Welche ästhetischen Formen wurden im Prozess des Aufbegehrens erprobt?
Ausgehend von nGbK-Projekten, wie »Künstlerinnen International 1877 – 1977« (1977), »Perlen für die Säue« (1991) oder »No play - Feministisches Trainingcamp« (2016), werden diese Fragen in einem größeren Zusammenhang diskutiert, auch um gemeinsam darüber nachzudenken, wie das Begehren weiterhin seinen Platz im Kulturbetrieb und darüber hinaus behaupten kann.
Mit: COVEN BERLIN, Chloe Cooper, Renate Flagmeier, Susanne Huber, Fiona McGovern, Christian Liclair, Gabriele Stötzer, Elena Zanichelli
Für Informationen zum Programm siehe das PDF: Einführung und Programm aus der der Materialsammlung zum Lernort BEGEHREN, 2019