The Driving Factor

11. Juni–27. August 2022

Ausstellung
Online-Präsentation
Veranstaltungsreihe

Ort(e):
station urbaner kulturen, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin
Verschiedene Orte in Berlin

thedrivingfactor.net/

Künstler_innen

Aurora Castillo, Eva Hertzsch & Adam Page, Sonja Hornung, Leni Roller

Teilnehmer_innen

Ana Alenso, Michelle Geraerts (Worlds of Lithium ERC, University Amsterdam), Inge Broska, Aurora Castillo, Jens Weber (Grüne Liga Osterzgebirge e.V.), Oscar Choque (Ayni, Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V.), Oscar Choque (Ayni, Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V.), Constanze Fischbeck, Andrea Riedel (Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg), Helmuth Albrecht (TU Bergakademie Freiberg), Bürgerinitiative Grünheide, Sonja Hornung, knowbotiq (Yvonne Wilhelm, Christian Huebler), Maryam Katan, Can Kurucu, Cristóbal Bonelli (University Amsterdam, Principal Investigator ERC Worlds of Lithium), Esther Kasongo Muntwabene, Éric Mutombo, Susanne Reumschüssel (Industriesalon Schöneweide), Mercedes Villalba, Perpeto Dyese Wabanza, Thomas Turnbull (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte), Jack Wolf

Arbeitsgruppe

Elisa T. Bertuzzo, Jan Lemitz, Daniele Tognozzi, Mercedes Villalba, Neli Wagner

Woher rührt die Macht der „Speicherbarkeit“ von Energie? Am Anfang des Projekts The Driving Factor stand das Staunen über die widersprüchlichen Reaktionen von Politik und Zivilgesellschaft auf den Bau der Tesla- Gigafactory in Grünheide, Brandenburg. Auf lokaler und nationaler Ebene feierte die Politik eine zukunftsweisende, angeblich umweltfreundliche Technologie und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Indessen wurden unzählige Einwendungen zu den Folgen für die Trinkwasserqualität, die bereits angeschlagenen Grundwasserreserven und zur Rodung des Waldes weitgehend ignoriert oder gar verhindert. Kritik an künftigen Auswirkungen der Fabrikansiedlung, Sorgen um Arbeitsbedingungen und Umweltschäden entlang der transnationalen Produktionswege galten ohnehin als nicht verfahrensrelevant. Waren die Versprechen von „grüner“ Mobilität, ähnlich denen der „Energiewende“, nicht auch hier, wie an vielen anderen Orten, Anlass einer tiefgreifenden Gefährdung von Ökosystemen und der Unterwanderung zivilgesellschaftlicher Rechte?

Beiden Versprechen—dem der Elektromobilität und dem der „Energiewende“—zugrunde liegt ein Objekt: die Batterie. The Driving Factor nimmt die Lithiumbatterie als Speichertechnologie „grüner“ Energie zum Ausgangspunkt für multidisziplinäre künstlerische Untersuchungen, die das Narrativ des schadlosen Speicherblocks für alle und überall, ob in Mobiltelefonen, Autos oder zur Stabilisierung der Stromnetze, hinterfragen. Aus lokalen Zusammenhängen heraus versucht es, Verbindungen zur globalen Lithium-Lieferkette herzustellen und intransparente und meist umweltschädigende Praktiken der Rohstoffförderung aufzuzeigen. Dabei werden Mechanismen der Aneignung von Natur- und menschlicher Arbeit als Fortsetzung imperialistischer und kolonialistischer Logiken sichtbar, die sich auch in Deutschland nachverfolgen lassen.

Die drei experimentellen Touren von The Driving Factor führen durch soziale und geographische Landschaften der Extraktion und Akkumulation in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Jede Tour, als räumliche wie auch als gedankliche Bewegung konzipiert, macht Zyklen der Auf- und Abwertung von Rohstoffen und Landschaften nachvollziehbar, die in Zusammenhang mit der „Energiewende“ stehen: die Reaktivierung der Vision von Elektromobilität in Berlin-Oberschöneweide und Grünheide; die Wiederaufnahme des Bergbaus im sächsischen Erzgebirge nach dem Fund von Lithiumvorkommen; und die Produktion bzw. Neu-Verwertung von Landschaften nach dem Ausstieg aus dem Kohleabbau in der Lausitz. Dadurch, dass wir uns gemeinsam durch konkrete Orte und Landschaften bewegen, wollen wir vor allem ein Sprechen, Denken und Wahrnehmen von Themenkomplexen üben, die allzu oft als fachspezifisch und abstrakt gelten oder selten im größeren Zusammenhang dargestellt werden.

Das Projekt versammelt Künstler_innen, Kulturschaffende, Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen, deren Praxis die Chancen, Risiken und Widersprüche der Produktion, Speicherung und Verteilung von Energie behandelt. Gleichzeitig erkennt es die Batterie auch als Sinnbild von gespeicherten Reservemöglichkeiten in Form von ungesehenen, unterirdischen, gar kapillaren Formen des Produzierens, Kollaborierens, und Solidarisierens, die vielerorts unterdrückt sind aber daran erinnern, dass die Geschichte alles andere als abgeschlossen ist: Widerstand findet statt. Indem die unterschiedlichen Formen des Engagements von Besucher_innen, geladenen und zugeschalteten Gästen miteinander in Dialog treten, werden gewohnte Blickwinkel und Narrative verkompliziert. Zugleich wird das Potenzial künstlerischer Perspektiven nutzbar gemacht, Räume für Auseinandersetzungen mit wissenschaftlichen und politischen Debatten zu öffnen, die weder ihre „Unfertigkeit“ scheuen noch es unterlassen, durch poetische Inspirationen zu provozieren, und zu ermutigen.

Die künstlerischen, wissenschaftlichen und aktivistischen Beiträge, die im Rahmen von The Driving Factor aufgerufen werden, befassen sich mit intersektionalen Ungerechtigkeiten, die im Kontext mit der Batterieproduktion stehen: Kontaminationen von Ökosystemen, Vertreibungen von Menschen, Tierarten und Pflanzen. Dabei hilft der Fokus auf die Lithiumbatterie, die historische Kontinuität von kapitalistischer Akkumulation in der heute fortschreitenden Finanzialisierung von Land, Natur und Arbeit, oder auch in den Spekulationen im Feld der „Green“ Economy nachvollziehbar zu machen. Batterien sollten das mit erneuerbaren Energien betriebene Stromnetz stabilisieren und damit zum Übergang hin zur emissionsfreien und ressourcenschonenden Energienutzung beitragen, die sich viele vom europäischen „Green Deal“ versprachen. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine zeigen die Debatten um „Energiesicherheit“, dass dieses Versprechen vor allem das Versprechen eines linearen Wachstums- und Investitionsmodells war, das privates Kapital sichern sollte.

Die station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf wird für die Dauer des Projekts zu einem „Speicher“, in dem neue und bestehende künstlerische Arbeiten, Recherchematerialien, Podcasts der Projektgruppe, sowie Eindrücke der Touren nach und nach eingelagert und in variierenden Zusammenhängen vorgestellt werden. Den Speichervorgang beschleunigt das Forum: POWER BANK, das Beitragende und Teilnehmer_innen des Projekts zusammenbringt, um alternative Handlungsräume zu diskutieren. Dass ein Bruch mit den bisherigen Macht- und Besitzverhältnissen im Kontext der Produktion, Verteilung und Akkumulation von Energie notwendig ist, scheint festzustehen; wie Kunst- und Kulturschaffende als Teil der Zivilgesellschaft in translokalen Gruppierungen dazu beitragen können, ist eine offene Frage.

Als digitaler, wachsender Speicher sammelt die Webseite thedrivingfactor.net/ Stimmen, Materialien und Themen des Projekts für ein breiteres Publikum. Hier werden im Nachgang der Touren deren künstlerische Dokumentation veröffentlicht und weitere Querverweise langfristig zugänglich gemacht.

Termine:

Freitag, 10. Juni 2022, 18 Uhr
station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf
Eröffnung der Ausstellung

Die station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf wird zum „Speicher“, in dem neue und bestehende künstlerische Arbeiten, Recherchematerialien, Podcasts der Projektgruppe, sowie Eindrücke der Touren nach und nach eingelagert und in variierenden Zusammenhängen vorgestellt werden.

Mit Beiträgen von Aurora Castillo, Eva Hertzsch & Adam Page mit Wolfgang-Amadeus-Mozart-Gemeinschaftsschule und Victor-Klemperer-Kolleg Berlin, Sonja Hornung, Leni Roller, The Driving Factor

Samstag, 11. Juni 2022, ganztägig
Berlin/Brandenburg
Tour: The Money Tree (de/en)

Ausgehend von der Ansiedlung des US-amerikanischen Elektrofahrzeug- und Energieunternehmens Tesla in Brandenburg untersucht die The Money Tree-Tour, wie die Infrastruktur- und Klimakrisen unserer Zeit mit Entwicklungen auf den globalen Finanzmärkten und Lieferketten zusammenhängen. Im Gespräch mit Forscher_innen, Marktdatenanalyst_innen und Bürger_innen/Aktivist_innen werden Einblicke in die verworrene Ökonomie der Elektrizität gewonnen und dominante Narrative bezüglich „Corporate Governance“ ebenso wie Nachhaltigkeit problematisiert. Die Tour startet an einem Ort der vergangenen und gegenwärtigen spekulationsgerichteter Stadtentwicklung, Oberschöneweide: Hier, am historischen Standort des Kabelwerks Oberspree (KWO) und des Elektroautoherstellers NAG (Teil des Energiekonzerns AEG), soll bald das Innovations- und Technologiezentrum Behrens-Ufer entstehen. Sie endet in Grünheide, wo die vierte Gigafactory von Tesla, trotz Bedenken über die zu erwartenden Umweltauswirkungen und eines ungelösten Streits um die Wasserqualität und -versorgung, vor kurzem die Produktion aufgenommen hat. Entlang der Tour agieren künstlerische Interventionen mal als poetisches Kommentar, mal als Provokation für einen Austausch zwischen Tourteilnehmer_innen, Expert_innen und Aktivist_innen. Dabei werden undurchsichtige finanzielle Dynamiken, die Auswirkungen der Finanzialisierung und ihre Auswirkungen auf den Handeln und Spekulationen mit Rohstoffen und Materialien. Wer profitiert von der Energiewende?

Mit: Bürgerinitiative Grünheide, Aurora Castillo, Oscar Choque (Ayni, Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V.), Perpeto Dyese Wabanza, Sonja Hornung, Esther Kasongo Muntwabene, Éric Mutombo, Susanne Reumschüssel (Industriesalon Schöneweide), Thomas Turnbull (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte), Jack Wolf

Samstag, 18. & 19. Juni 2022, zweitägig
Erzgebirge (Zinnwald/Freiberg)
Tour: Taube Erde (de)

Die Batterie, die die Vision einer unbegrenzten Stromversorgung in einem historischen Moment nährt, in dem der weltweite Run auf Energie immer deutlicher Stellvertreter-Konflikte schürt, ist nach wie vor eine Blackbox. Um diese zu entschlüsseln, nimmt die zweitägige Taube Erde-Tour einen ihrer Hauptbestandteile, Lithium, und die Auswirkungen seines Abbaus an verschiedenen Orten der Welt unter die Lupe. Am Beispiel von Freiberg und Zinnwald (Sachsen) – wo demnächst mit der heimischen Lithiumgewinnung begonnen werden soll – möchten wir sozio-materielle Ökologien vergangener und gegenwärtiger extraktivistischer Aktivitäten nachzeichnen, und die globalen Auswirkungen der „Verwissenschaftlichung“ des Bergbaus beleuchten. Die Beiträge von Künstler_innen, Expert_innen, Anwohner_innen und Aktivist_innen helfen dabei, Alltagserfahrungen in längst verschwundenen Abbaustätten zu rekonstruieren, Gemeinsamkeiten zwischen historischem und heutigem Bergbau zu analysieren, und die Entwicklung seiner künstlerischen Repräsentation zu diskutieren. Treten dabei erprobte sowie potenzielle Formen des Widerstands – von Menschen und Nicht-Menschen gleichermaßen – in den Vordergrund, wollen wir über die Wege und Möglichkeiten der (Care-)Arbeit von Umweltaktivismus in “strukturschwachen” Regionen nachdenken. Im Dialog über die schwer fassbare Utopie der Batterie geht es schließlich um die Frage, wie es gelingen kann, dass sich Wissenschafts- und Alltagspraxis vom Wachstumsparadigma zu lösen.

Mit: Ana Alenso, Helmuth Albrecht (TU Bergakademie Freiberg), Aurora Castillo, Oscar Choque (Ayni, Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V.), Maryam Katan, Andrea Riedel (Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg), Jens Weber (Grüne Liga Osterzgebirge e.V.). Featuring “In the Name of Lithium” unter der Regie von Tian Cartier und Martin Longo (2021)

Samstag, 25. Juni 2022, ganztägig
Lausitz (Großräschen)
Tour: Am Ende Landschaft (de/en)

Das geplante Ende des Kohlenabbaus bringt, abgesehen vom viel diskutierten Strukturwandel, auch Bestreben der Neugestaltung der durch Abbau geprägten Landschaften mit sich. Die Tour in die Lausitz spürt dem Verschwinden von ganzen Ortschaften infolge vom Tagebau, Versuchen der Renaturalisierung, Spuren fortwährender Verwüstung, sowie subjektiven Erfahrungen mit Extraktion und deren Folgen nach. Entlang vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Ansichten von Ort- und Landschaften in der Lausitz werden bildhafte Assoziationen aus internationalen Kontexten aufgerufen; persönliche Erinnerungen aus dem Rheinischen Kohlerevier werden mit den Gegebenheiten der Lausitz konfrontiert. Die Tour beginnt und endet an den IBA-Terrassen am Großräschener See.

Mit: Inge Broska, Aurora Castillo, Constanze Fischbeck, knowbotiq (Yvonne Wilhelm, Christian Huebler), Mercedes Villalba

Samstag, 2. Juli 2022, 14 Uhr
station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf + Zoom
Panel: Forum “POWER BANK” (de/en)

Das Forum: POWER BANK bringt Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Expert_innen in der station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf, Berlin, zusammen. Es ist als Anlass gedacht, die Debatte um die Energiewende aus einer interdisziplinären Perspektive zu beleuchten, mit einem Fokus auf den transnationalen Implikationen des gegenwärtigen Lithium-Rauschs. Dabei geht es um Fragen der Versorgung, des Eigentums, des Zugangs und der Nutzung sowie um die Kämpfe in den Gebieten von Abbau, Produktion und Distribution entlang der Lieferketten.

Mit: Michelle Geraerts (Worlds of Lithium ERC, University Amsterdam), Cristóbal Bonelli (University Amsterdam, Principal Investigator ERC Worlds of Lithium), Oscar Choque (Ayni, Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V.) und der Projektgruppe The Driving Factor.

Samstag, 23. Juli 2022, 16 – 18 Uhr
station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf
Führung und Gespräch: Inventur mit Mitgliedern der Projektgruppe (de)

Inventur mit Ana Alenso und Mitgliedern der Projektgruppe The Driving Factor
(Elisa T. Bertuzzo, Jan Lemitz, Daniele Tognozzi, Mercedes Villalba, Neli Wagner)

Mit Touren zu Landschaften der Extraktion und Akkumulation in Berlin, Brandenburg und Sachsen regte die nGbK-Projektgruppe The Driving Factor im Juni Diskussionen unter verschiedensten Expert_innen an. Thema dabei waren die Versprechen der Elektromobilität und der ‘Energiewende’—insbesondere die zentrale aber trügerische Rolle, die der Lithiumbatterie als Speichertechnologie ‘grüner’ Energie zuteilwird. Die Tour-Teilnehmer_innen machten nicht nur die Erfahrung eines gemeinsamen Sprechens, Denkens und Wahrnehmens von Themenkomplexen, die oft als fachspezifisch und abstrakt gelten; sie trugen auch zu einem Prozess kollektiver Wissensproduktion bei, dessen materielle wie immaterielle, konkrete wie symbolische Ergebnisse in der station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf peu à peu ‘geladen’ werden.

Bei ihrer Inventur im The Driving Factor-Speicher aktiviert nun die Projektgruppe dieses eingelagerte Wissen und erzählt anhand von Objekten und Podcasts Geschichten, die quer durch das Narrativ des harmlosen Speicherblocks gehen. Die Künstlerin Ana Alenso bereichert die laufende Sammlung um einen Lautsprecher aus der für die Taube Erde-Tour realisierten Klangperformance und spricht über die Herausforderungen, in anthropogenen Landschaften künstlerisch zu intervenieren.

Samstag, 6. August 2022, 16 – 18 Uhr
station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf
Führung und Gespräch: Inventur mit Mitgliedern der Projektgruppe und Gästen (en)

Inventur mit Mitgliedern der Projektgruppe und den Video-Künstler_innen Maryam Katan und Can Kurucu

Mit Touren zu Landschaften der Extraktion und Akkumulation in Berlin, Brandenburg und Sachsen regte die nGbK-Projektgruppe The Driving Factor im Juni Diskussionen unter verschiedensten Expert_innen an. Thema dabei waren die Versprechen der Elektromobilität und der „Energiewende“—insbesondere die zentrale aber trügerische Rolle, die der Lithiumbatterie als Speichertechnologie „grüner“ Energie zuteilwird. Mit den Video-Künstler_innen Maryam Katan, Can Kurucu und Jack Wolf (tbc), die an jeweils einer dieser Reisen teilnahmen, unterhalten sich Mitglieder der Projektgruppe über Schlüsselmomente der Touren, die Herausforderungen der künstlerischen Dokumentation ungeplanter und spontaner Events, sowie über die Möglichkeiten von (Video-)Kunst, Prozesse kollektiver Wissensproduktion nachvollziehbar und somit teilbar zu machen. Die Gäste beantworten diese Fragen anhand eigener Film-Sequenzen oder footage und bieten dabei Einblicke in die entstehenden Video-Dokumentationen der Touren.

Samstag, 20. August 2022, 16 – 18 Uhr
station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf
Finissage: Letzte Inventur mit Eva Hertzsch, Adam Page und Gästen (de)

Letzte Inventur mit Mitgliedern der Projektgruppe The Driving Factor und Eva Hertzsch & Adam Page

Die nGbK-Projektgruppe The Driving Factor lud im Juni ein, Landschaften der Extraktion und Akkumulation in Berlin, Brandenburg und Sachsen gemeinsam zu besuchen. Jede dieser Touren regte spezifische, aber miteinander verbundene Auseinandersetzungen mit den Versprechen der Elektromobilität und der „Energiewende“—insbesondere der zentralen aber trügerischen Rolle, die der Lithiumbatterie als Speichertechnologie „grüner“ Energie zuteilwird—unter verschiedensten Expert_innen an. Die materiellen wie immateriellen Ergebnisse dieser kollektiven Wissensproduktion wurden in der station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf peu à peu „geladen“ und flankierten, ergänzten, kommentierten, die dort präsentierten künstlerischen Positionen. Bei der letzten Inventur im The Driving Factor-Speicher unterhält sich die Projektgruppe mit den Künstler_innen Eva Hertzsch und Adam Page, die im Rahmen des Projekts den Film The Last Mile mit Schüler_innen von Hellersdorf-Marzahn realisierten, über die Rolle der Kunst in einer Zivilgesellschaft, die sich verstärkt um Ökologie und Naturschutz sorgt und sich gegen Extraktivismus und die negativen Folgen von Globalisierung mobilisiert. Wie und inwieweit fördern künstlerische Praxen die Wahrnehmung und Diskussion von Themen, die allgemein als überkomplex oder fachspezifisch gelten? Wann und wie sind Kunst- und Kulturprojekte, die auf Partizipation und ungewöhnlichen Kooperationen basieren, nachhaltig? Und was bleibt nach dem “Projekt”?

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