The Influencing Machine

1. Dezember 2018–20. Januar 2019
Eröffnung: 30. November 2018

Ausstellung
Publikation
Veranstaltungsreihe

Ort(e): neue Gesellschaft für bildende Kunst, Oranienstraße 25, 10999 Berlin

Künstler_innen

Anna Bromley, Mimi Onuoha & Mother Cyborg, Kajsa Dahlberg, Egemen Demirci, Fokus Grupa, Eva & Franco Mattes, Fabien Giraud & Raphaël Siboni, Tactical Tech, Jane Topping, Sarah Tripp, Clement Valla, Sascha Pohflepp & Chris Woebken, Laura Yuile

Teilnehmer_innen

Varoon Bashyakarla, Anna Bromley, Egemen Demirci, Ulrike Klinger, Florian A. Schmidt

Arbeitsgruppe

Vladimir Čajkovac, Kristina Kramer, Bettina Lehmann, Sophie Macpherson, Tahani Nadim, Neli Wagner

Bots (von englisch robot, Roboter, und tschechisch robota, Zwangsdienst) sind unscheinbare Computerprogramme, die automatisch Aufgaben erledigen.

Bots manipulieren die Massen, verwandeln fake news in Fakten, ersetzen menschliche Arbeitskräfte, kolonisieren die Objektwelt und führen uns in Versuchung: Auf Basis digitaler Codes erledigen sie tausendfach minutiöse Routinen, die menschliche Handlungs- und Arbeitsschritte ergänzen bzw. ersetzen und damit virtuelle wie analoge Strukturen prägen. Oft erhalten Bots menschliche Attribute – Namen, Stimmen, gar Körper. Aber auch wenn sie unsichtbar bleiben, werden sie zunehmend Teil unseres Alltags.

The Influencing Machine geht diesen Durchdringungen und Prägungen nach. Entlang namhafter Bots versammelt die Ausstellung zeitgenössische künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Automatisierung und Verdatung unserer Lebens- und Arbeitswelten befassen. Bots sollen hier als sozio-technische Phänomene begriffen werden. Ihre Wirkmacht bedingt neuartige und vielfältige Zusammenhänge und Imaginationen:
Wie wird mit Bots und Daten Politik gemacht und wie verändern sich dadurch politische Ordnungen der Teilhabe, der Rechenschaft und des Wissens? Warum reproduzieren und verstärken sich rassistische oder sexistische Logiken auf digitalen Plattformen, in sozialen Netzwerken und datengetriebenen Expertensystemen? Was bedeutet es für die Bewertung von Arbeit und menschlichem Handeln allgemein, wenn Transaktionen, Kommunikation und Entscheidungen vermehrt von vollautomatisierten Apparaten ausgeführt werden? Welche kulturellen Imaginationen prägen die Gestaltung und Funktionsweisen von Mensch-Maschine Schnittstellen?

Die Ausstellung gibt Einblicke in die sozio-materiellen Ökologien dieser neuen Beeinflussungsmaschine und versucht abseits von dominanten Erzählungen über Technologie und Gesellschaft, die Figur des Bots zu problematisieren.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch, das die Fragenkomplexe der Ausstellung aufnimmt und um einen Fokus auf historische Kontinuitäten und gesellschaftliche Kontexte hin erweitert. Mit Beiträgen von Geoffrey C. Bowker & Susan Leigh Star, Simone Browne, Wendy Hui Kyong Chun, Kashmir Hill, Lilly Irani, Lee Mackinnon, Tahani Nadim, Lucy Suchman, Cher Tan, Neli Wagner.

Termine:

Samstag, 8.Dezember 2018
16-17 Uhr
Führung mit den Kurator_innen durch die Ausstellung

Donnerstag, 13. Dezember 2018
19 Uhr
Veranstaltungsraum, 1. OG
Buchvorstellung “The Influencing Machine”

Samstag, 29.Dezember 2018
16-17 Uhr
Führung mit den Kurator_innen durch die Ausstellung

Samstag, 12.Januar 2019
16-17 Uhr
Führung mit den Kurator_innen durch die Ausstellung

Samstag, 19. Januar 2019
16-20 Uhr
Veranstaltungsraum, 1. OG
Veranstaltung, Gespräch: »Von Bots, Arbeit und Politik«

Bots und das Politische (EN)

Der Skandal um die weltweite Beeinflussung von Wahlen hat das Thema “Bots” in die Mainstream-Medien gebracht. Doch verstehen wir Bots erst dann als politisch, wenn sie Einfluss auf Wahlentscheidungen nehmen? Auch die Stimmen digitaler Sprachassistenten oder die algorithmisch schematisierte Klassifizierung von Daten, die wir mit der Nutzung digitaler Dienste produzieren, haben politische Implikationen: Werte, Rechte und Existenzbedingungen stehen auf dem Prüfstand. Welche Arten von Rechenschaftspflicht, Handlungsfähigkeit und Rekurs sind notwendig oder gar möglich in einer zunehmend von Algorithmen organisierten Lebenswelt? Ist es zuletzt (oder auch nicht?) eine Aufgabe der Politik, durch die Gesetzgebung den Umgang mit und den Einsatz von neuen Technologien zu regulieren?

Bots und Arbeit (DE)

In der Arbeitswelt stehen der Effizienz, die der Einsatz von Bots zur Erledigung repetitiver Arbeitsabläufe verspricht, eine ganze Reihe von Fragen gegenüber: Nehmen Maschinen uns die Arbeit weg? Trifft ein Algorithmus fairere Personalentscheidungen? Kommuniziere ich im Kundenservice mit einem Menschen oder mit einer Maschine? Ist ein (Ro)Bot(er) Assistenz oder Konkurrenz? Noch ist der Entwicklungsstand künstlicher Intelligenz weit davon entfernt, menschliche Arbeit überflüssig zu machen. Doch wer trainiert die selbstlernenden Systeme und unter welchen Bedingungen? Wie steht es um die Arbeitsbedingungen im riesigen Sektor der so genannten „Human Bots“ (wirtschaftlich als auch hinsichtlich der beschäftigten Menschen)?

Mit:

Varoon Bashyakarla, Statistiker und Forscher bei Tactical Tech Collective. Er untersucht, wie persönliche Informationen im 21. Jahrhundert für politische Einflussnahme genutzt werden und befasst sich u.a. mit ethischen Fragen, algorithmischer Diskriminierung und der Gewährleistung demokratischer Prozesse.

Anna Bromley, Künstlerin, entwickelt Ausstellungen, Installationen, Performances, Texte, Radiogespräche und -stücke. Ihr Interesse gilt Brüchen und Aussetzern in repräsentativen Rede- und Sprechweisen.

Egemen Demirci, Künstler, verfolgt einen kritischen Ansatz gegenüber dem Wirklichkeitsverständnis in algorithmischen Umgebungen. Er arbeitet medienübergreifend, um die konzeptuellen Grenzen von Abstraktion, Raum und Ausstellungspraxis zu erforschen.

Jun. Prof. Dr. Ulrike Klinger, Juniorprofessorin für Digitale Kommunikation unter Berücksichtigung von Genderaspekten am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin, Leiterin der Forschungsgruppe „Nachrichten, Kampagnen und die Rationalität öffentlicher Diskurse“ am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft.

Sascha Pohflepp, Künstler und Forscher mit Fokus sowohl auf historische Aspekte als auch auf Zukunftsvisionen. Er arbeitet kollaborativ zu Themen wie synthetischer Biologie und künstlicher Intelligenz, Geopolitik und Weltraumforschung.

Dr. phil. Dipl.-Des. Florian A. Schmidt, Professor für Designkonzeption und Medientheorie an der HTW Dresden. Er ist unter anderem Ko-Autor von „Crowdwork - Zurück in die Zukunft?“ (2014) und zusammen mit ArbeitGestalten Autor von „Der Job als Gig - Studie zur Gig Economy in Berlin“ (2017). Aktuell forscht er zur Rolle menschlicher Arbeit bei der Produktion von Trainingsdaten für das autonome Fahren.

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