Interflugs 30: feral methods

6. Februar–28. März 2021

Online-Präsentation
Ausstellung
Veranstaltungsreihe

Archiv

Ort(e):
nGbK, Oranienstraße 25, 10999 Berlin

feralmethods.ngbk.de/

Künstler_innen

Mouna Abo Assali, Erfan Aboutalebi, Ernest Ah, Anonymous arts students Copenhagen, autofocus videowerkstatt e.V., bak.ma, Nino Bulling, Clementine E. Burnley, cash group, jee chan, Pêdra Costa, das kollektiv und maiz, Mika Ebbing, Bilge Emir, #exitracismUDK, *foundationClass, #FREESZFE, Jan Gerber & Sebastian Lütgert, Immo Heat, Immo Heat, Interflugs, Lucia Krug, Kornelia Kugler, Roberto Lares, Sara Lehn, Cammack Lindsay, Yuyen Lin-Woywod, Little Brother & Sister Are Watching You / Videocratica, Tamar Magradze, Mon Autre École / Madrassati Nafidati, Marit Östberg, Polizeiklasse Dresden, Rojava Film Commune, Rosa Kerosene - Temporary Institute of Hexenpower, Salma Salem, Caio Soares, Pelin Tan, t blank & Lee Stevens / Kollektiv Raumerweiterungshalle, Vaginal Davis

Arbeitsgruppe

Erfan Aboutalebi, Ernest Ah, Nino Bulling, Bilge Emir, Lucia Krug, Kornelia Kugler, Caio Soares

Finden Sie weiteres Material auf der Projekt-Webseite
- mit Auszügen aus dem Archiv, Oral Herstory, und einer Sammlung von künstlerischen Arbeiten, Lese- und Dokumentationsmaterial

»Interflugs 30: feral methods« will ausgehend von den Erfahrungen aus drei Jahrzehnten selbstorganisiertem Lernen und Lehren den Kontext autonomer, kollektiver Bildungs- und Kulturpraxis in Berlin und darüber hinaus untersuchen und aktualisieren.
Interflugs ist eine autonome Studierendenorganisation. Sie entstand in den weitreichenden Studierendenprotesten gegen die Ökonomisierung des Bildungswesens 1989 in West-Berlin. Als Ergebnis des Streiks konnten sich Studierende der Universität der Künste (UdK) Berlin genug organisatorisches Gewicht und ein Budget sichern, um einen eigenen Lehrplan und Infrastruktur aufzubauen. Schwerpunkte der neuen Einrichtung waren Interdisziplinarität und neue Medien, die zu dieser Zeit an der Institution noch nicht angeboten wurden.

Seit 30 Jahren bietet die Gruppe Workshops, Vorträge, eine Geräteausleihe und Schnitträume an, die sowohl Studierenden als auch Nicht-Studierenden zugänglich sind. Viele Jahre lang existierte außerdem mit der Freien Klasse die Möglichkeit, ohne Professor_in und außerhalb des überkommenen Meisterschüler­_innensystems zu studieren. Interflugs arbeitet daran, den Zugang zu den Mitteln der (Kunst-)Produktion zu erweitern, die Institution zu hinterfragen und emanzipatorische Kämpfe innerhalb wie außerhalb der Schule zu unterstützen. Trotz zunehmender Prekarität hat sich Interflugs auf unterschiedliche Weise durch die Jahre bemüht, einen Ort für diejenigen zu bieten, die sich nach Transformation oder Rebellion gegen die herrschende Ideologie der Kunsthochschule sehnen, und für diejenigen, die diese neu erträumen.
In den letzten drei Jahrzehnten ist vielstimmiges Material gesammelt worden - Videozeitungen, Papiere, Zines, Poster und Dokumentation von Vorträgen. »feral methods« überführt dieses Material in ein aufbereitetes Archiv, dreht und wendet es und macht es für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich. Die Projektgruppe hat sich dem vielschichtigen Material wie einem Haufen Kompost genähert, als Stoff den man aufschütteln und durchmischen kann und auf dem neue Ideen wachsen.

Neu entstanden ist eine Sammlung von Interviews mit Mitgliedern aller Generationen von Interflugs, Freier Klasse und Videozeitung, die im Rahmen dieser Recherche im letzten Jahr geführt wurden. Mehr als fünfzig verschiedene Stimmen aus drei Jahrzehnten der autonomen Studierendenorganisation legen den Grundstein für eine ›oral herstory‹ [mündlich überlieferte Geschichte] die ein Gefühl für die Vielzahl von Praktiken und Absichten, Schwierigkeiten und Widersprüchen, wechselnden Prioritäten und Vorschlägen dieser Organisation vermittelt.

Um über die Archivarbeit hinaus eine Verbindung zu heutigen Kämpfen herzustellen, wurden fünf Kollektive eingeladen, an das Format der ›Videozeitung‹ anzuknüpfen, die im Streik von 1989 entstand: Studierende filmten mit Videokameras, was ihnen berichtenswert erschien, und sendeten das Material auf Fernsehgeräten, die an allen Berliner Universitäten aufgestellt waren.
Aktuelle Videozeitungen wurden von Anonymous arts students Copenhagen (Kopenhagen), Rojava Film Commune (Rojava), #FREESZFE (Budapest), Polizeiklasse Dresden (Dresden) und Mon Autre École / Madrassati Nafidati (Algier) erstellt. Diese Videos werden hier zum ersten Mal gezeigt, sie sind Porträts aktueller Kämpfe für freie und demokratische Bildung.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil von »Interflugs 30: feral methods« ist ein Programm aus Workshops, Gesprächen und audiovisuellen Arbeiten, die im Rahmen des Projekts online angeboten werden. Zu den Kernfragen zählen hier die Rolle und Methoden des Archivierens in selbstorganisierten kollektiven Kontexten, sowie die zunehmend widrigen Bedingungen und anhaltenden Herausforderungen für die Schaffung und Erhaltung solidarischer Räume. Außerdem geht es um die immer dringlichere Frage, wie Wissen außerhalb exklusiver, auf seiner Privatisierung basierender Ökonomien weitergegeben wird. Was ist verloren und fehlt im Gedächtnis? Wie schmieden wir Systeme der Unterstützung und Fürsorge, um die Lasten der wachsenden Prekarität zu teilen? Wie archivieren wir Freundschaften oder Klatsch und Tratsch? Und wie können Gegenöffentlichkeiten aufrechterhalten werden, wenn das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen ist?

Oral herstory -Interviews mit:
Erfan Aboutalebi, Mouna Abo Assali, Sadek Asseily, Hans-Jürgen Bonack, Nikola Breme, Johannes Bucholz, Nino Bulling, Fabian Burns, Rüzgâr Buşki, Yvonne Charondière, Tobi Christiansen, Nils Cornelissen, Marta Dyachenko, Mika Ebbing, Jutta Eberhard, Regina Frank, Natalie Gravenor, Anja Grosse, Immo Heat, Henrik Heckmann, Naomi Hennig, Nina Hoffmann, Sonja Hohenbild, Rainer Kamlah, Christian Kesten, Adriaan Klein, Rolf Kohlmeyer,Jorgos Konstantinou, Kornelia Kugler, Yuyen Lin-Woywod, Tamar Magradze, Marcus Mazzoni, Isolde Nagel, Lothar Niewald, Luis Ortiz, Gizem Oruç, Joachim Pan, Ralf Pfitzner, Johannes Paul Raether, Klara Reitberger, Ines Schaber, Astrid Schneider, Michaela Schweiger, Esther Sibiude, Lena Siebertz, Anton Steenbock, Till Steinmetz, Jaro Straub, Anton Theleis, Jakob Theleis, Alenka Tschischka, Klaus Weber, Steffi Weismann, Zara Zandieh, Annett Zinsmeister, Markus Zucker

Veranstaltungen:

5. Februar 2021, 18-19 Uhr (en)
Welcome Event
Begrüßung und Treffen - mit der Projektgruppe »Interflugs 30: feral methods«

5. Februar 2021, 19 Uhr (en)
Autonomous archiving
Online-Vortrag und Diskussion mit Pelin Tan

12. Februar 2021
19. Februar 2021
26. Februar 2021
5. Februar 2021
12. Februar 2021
19. Februar 2021
26. Februar 2021

Besuch im Archivraum
Einzeltermine

16. Februar 2021, 10-11 Uhr (Teil 1) (en/konsekutive Übersetzung ins Deutsche ist möglich)
16. Februar 2021, 12-14 Uhr (Teil 2) (en/konsekutive Übersetzung ins Deutsche ist möglich)

Relationship building as an infrastructure for collective liberation
Online-Workshop mit Clementine E. Burnley

19. Februar 2021, 19 Uhr (de/en)
*foundationClass – das Buch
Buchpräsentation

26. Februar 2021, 19:00
Interaktive Performance mit Pêdra Costa
The Pilot is gone. Fasten your seatbelts: the planetary transition from some non-hegemonic visions. [Der Pilot ist weg. Schnallen Sie sich an: Der planetarische Übergang von einigen nicht-hegemonialen Visionen]

3. März 2021, 12-14 Uhr (en)
4. März 2021, 12-14 Uhr (en)

filmmaking as a collective approach to dreaming and learning [Filmemachen als
kollektiver Ansatz zum Träumen und Lernen]
Online-Workshop mit Marit Östberg

5. März 2021, 18 Uhr
FERAL TV: Collective video actions
18:00 Screening
19:00 - 21:00 Diskussion

9. März 2021, 18 – 21 Uhr (de/en)
Money money money: Über das Kollektivieren von Geld sprechen
Workshop mit cash group collective

12. März 2021, 20-22 Uhr (en/es)
Little Brother and Sister are Watching You
Präsentation und Diskussion mit Videocratica und der Gemeinschaft der Little Brothers & Sisters

16. März 2021, 13–17 Uhr (en)
17. März 2021, 13–17 Uhr (en)

refusing — insisting — and remembering to breathe
refusing
insisting
and remembering to breathe
Workshop mit jee chan

22. – 28. März 2021 (de)
KEINE UNI OHNE UNS
double banger Film-Woche
Online Screening über Vimeo ab 22. März

26. März 2021, 19:00-21:00 (de)
Wir weigern uns, Zoombies zu bilden!
Radikal kritische Bildungsarbeit mit migrierten und geflüchteten Frauen*
Gespräch online mit das kollektiv und maiz

Unterstützt von