Making Queer

Queerness als experimentelle Praxis in Kunst und Pädagogik

1. Januar–31. Dezember 2020

Vermittlung
Veranstaltungsreihe

Ort(e):
nGbK, Oranienstraße 25, 10999 Berlin

Teilnehmer_innen

Crab Content, Sanni Est, Hang Linton, Laura Lulika

Stipendiat_innen

Harley Aussoleil, Frances Breden

Für das Vermittlungsprogramm 2020 in der nGbK haben Frances Breden und Harley Aussoleil eine Reihe von fünf Workshops mit queeren Künstler_innen und Kunstpädagog_innen vorbereitet, die neue und experimentelle Kunstformen und pädagogische Konzepte vorbringen. Mit dem Workshopangebot in einer Bandbreite an Vermittlungsformen – von Standup-Comedy bis zum Schreiben somatischer Science Fiction – widersetzt sich »Making Queer« institutionellen Kunstnormen und präsentiert einige der kraftvollen Strategien aus der Praxis queerer Künstler_innen.

Harley Aussoleil (Pronomen: Sie) und Frances Breden (Pronomen: Sie) sind Kuratorinnen, Künstlerinnen und Vermittlerinnen in Berlin mit einem Interessenschwerpunkt auf kollektive künstlerische Praktiken, die institutionelle Normen herausfordern. Sie sind beide Mitglieder der Kollektive COVEN BERLIN und Sickness Affinity Group.

Termine:

Sonntag, 9. Februar 2020, 12 – 17 Uhr
Workshop »I Can’t Believe I Have To Protest This Shit 2: Electrib Goobaloo« mit Crab Content (Pronomen: sier)

Ein Workshop zum Analysieren und Erstellen von Online-Bildern - sogenannten ›Memes‹

Der erste Teil des Workshops beinhaltet eine Präsentation über Memes und Medien und eine Diskussion darüber, wie Meme Politik und Kunst in den letzten 100 Jahren beeinflusst hat, sowohl in linken als auch in rechten Bewegungen. Die zweite Hälfte widmet sich einem Meme-Making-Spektakel, bei dem die Teilnehmer_innen gemeinsam Memes mit Hilfe von Digital- und IRL-Collagen erstellen.

Das Internet ist wie ein Sog, der uns alle mit sich zieht. Vielleicht ist es gerade deswegen ein gutes Spiegelbild unserer Zeit. Wir nähern uns den Goldenen Zwanzigern, das Rad dreht sich weiter und stürzt uns in Vernichtung und in (Neo) Dada-Zeiten.

Memes sind Bilder mit Texten, die jede_r selbst erschaffen kann und das Internet überfluten. Sie sind der essentielle Ausdruck einer Epoche, einer neuen Kunstform oder eines ready-mades, das für schadenfrohe Gelächter eingesetzt werden kann oder um langsam den Geist anderer Menschen zu vergiften. Was hat der Netflix-Algorithmus mit der Dada-Bewegung gemeinsam? Wie machen extremistische Gruppen eine einfache Farbkombination online zur Waffe? Die Teilnehmer_innen werden in diese unheiligen Plattformen versinken, die Labyrinthe des Hasses erforschen und lernen, die Fallen derer zu erkennen, die uns scheinbar besser kennen als wir selbst.

Crab Content ist Autor_in, Meme-Maker_in, Wissenschaftler_in und digitale_r Designer_in. Crab Contents Arbeit war Teil der Ausstellung zu Memes »Accessibility Note no. 5: Neodaddyism«, GAVU in Prag im Jahr 2019, wo dieses Workshop-Format debütierte. Dies wird die zweite Umsetzung dieses Workshops sein.

Sonntag-Freitag, 31. Mai - 5. Juni 2020
Online-Workshop: »CREATURE BODIES AND PERFORMATIVE PERSONAS« mit Laura Lulika und Hang Linton

Die einwöchige Serie aus Online-Workshops soll einen Prozess anleiten, in dem die Teilnehmenden ihren Kreaturenkörper kennenlernen. Finde Wege, deine Andersartigkeit auszudrücken – und jene Teile von dir, die sonst von unterdrückenden systematischen Strukturen verdrängt werden. Dekonstruiere die Kultur der Scham, die Andersartigkeit hervorbringt. Finde Methoden, um mit diesen Aspekten deiner selbst empathisch zu sein und sie auf eine Weise auszudrücken, die sich natürlich und positiv anfühlt. Durch spielerische Übungen – wir schreiben, basteln Kostüme, erzeugen Beats, bewegen uns, nutzen verschiedene performative Techniken – ermutigen wir die Kreatur in dir, sich zu zeigen.

Der Workshop beruht auf somatischen Praktiken und Afrofuturismus sowie auf queerer, Drag- und DIY-Performancekultur. Er soll einfache Werkzeuge vermitteln, mit denen Performance-Figuren kreiert werden können. Der Workshop wird die Teilnehmenden darin unterstützen, kostengünstige Gegenstände aus ihrem Haushalt zu nutzen oder alte Habseligkeiten wieder aufzubereiten. Ziel ist, sich auf persönliche Erfahrungen zu berufen und als interdisziplinäre Live-Künstler_innen Prozesse miteinander zu teilen. Die Workshopleitung und die Teilnehmenden werden gemeinsam Techniken erkunden und miteinander teilen, um Musik, Text, Kostüme und Performance zu erschaffen.
Beim Workshop sind alle Level an Erfahrung willkommen, von der absoluten Anfänger_in bis zur Performance-Veteran_in – er ist für alle gedacht, die ihrer kreativen Praxis eine neue Richtung geben wollen.

Laura Lulika (Pronomen: sie) ist (eine kranke und behinderte) Crip-Künstlerin und -Forscherin. Hang Linton (Pronomen: er) ist Musiker, Künstler und Performer. Ihre Zusammenarbeit umfasst audiovisuelle Performances in Galerien und Theatern sowie auf queeren Partys und Festivals. In der Kombination ihrer musikalischen, filmischen und performerischen Fähigkeiten findet ihre Andersartigkeit in zwei monströsen Kreaturen Ausdruck. Ihre Körper sind POLITISCH, SPIRITUELL, FREUDVOLL, SEXY und WÜTEND. Der gemeinsame Fokus liegt auf Barrierefreiheit in der Kunst. Barrieren müssen überwunden und Kunst für alle da sein.

Samstag 4. und Samstag, 11. Juli 2020, 16 - 20 Uhr
Workshop »Queer Comedy Pedagogy - Laughter as a tool for healing« mit Bard und Daddypuss Rex
(en)

Performance:
Sonntag, 12. Juli 2020, ab 19 Uhr

Die zwei Workshopleiter_innen Bard und Daddypuss Rex strotzen vor intersektionaler Erfahrung: Sie kommen aus benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen. Sie haben beide eine Migrationsgeschichte. Eine_r ist Schwarz, der andere Jüdisch. Auch queer und trans können sie ankreuzen.
Vor Corona brachten die beiden regelmäßig Poesie, Spoken Word und/oder Stand-Up-Comedy auf verschiedenste Bühnen. Sie moderierten und produzierten zudem ihre eigene Late-Night-Talkshow rund um Trans-Themen: „Just the T“.

Der Workshop soll zeigen, wie Humor genutzt werden kann, um mit oft schmerzhaften und schamvollen ‘Tabu’-Themen umzugehen. Im Workshop wird anhand verschiedener Schreib- und Performance-Übungen erprobt, was jede_r Teilnehmende komödiantisch zum Ausdruck bringen möchte. Ziel ist es, queere Menschen zu befähigen, aus ihren eigenen Lebenserfahrungen Humor zu erzeugen – und so queere Freude und queeres Lachen als Werkzeug für kollektive Heilung ins Zentrum zu rücken.
Der Workshop umfasst zwei Treffen à vier Stunden (am 4. und am 11. Juli). Abschließend wird jede teilnehmende Person beim Performance-Abend am 12. Juli ein 5-minütiges Comedy-Set aufführen.

Montag, 3., Montag, 17. und Montag, 31. August 2020
Online-Workshop »Writing Bodies as Moving Bodies – How to use your own body to generate science fiction« mit Clay und Isabel
(de/en)

Ausgangspunkt dieses Workshops sind somatische Praktiken und Science-Fiction-Narrative als Tools zum Entwerfen und Gestalten von Welten. Isabel und Clay erkunden, wie sich Körper und Schreiben wechselseitig beeinflussen und wie aus Schreiben Bewegungen hervorgehen können. Damit zusammenhängend gehen sie der Frage nach, ob Schreiben und Bewegung Praktiken des Widerstands gegen den Einfluss institutionalisierter Strukturen sein können.

Die Online-Sessions und die Zeiträume dazwischen sind ein Raum für Erkundungen und Imagination; ein Raum für gemeinsames Zeitreisen, zum Entwerfen von Welten und zum Weben von Beziehungen. Dabei legen Isabel und Clay einen Fokus auf das Imaginieren und Entwerfen von Körpern, Landschaften und Bewegungen, die wiederum eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bilden – zugleich bleibt der schreibende und sich bewegende Körper im Blick. Das Formulieren von Gedanken und Narrative können dabei eine wichtige Strategie sein, um mit dem Kapitalismus als Gesellschaftsform und den damit verbundenen sich stets verschiebenden prekären Umständen umzugehen – sie sind ein Werkzeug, um begehrte sowie verkörperte Zukünfte und Gegenwarten aufzubauen.

Der Workshop wird von einem Reader mit Texten und Bildern begleitet, der den Teilnehmenden entweder per Mail zugesandt oder für sie auf der Webseite der nGbK bereitgestellt wird.

Die Treffen werden von Clay und Isabel geleitet. Clay ist weiß und identifiziert sich als nicht-binäre Trans-Person, als queer und chronisch krank. Clay bietet somatische Körperarbeit an, schreibt Science Fiction und tanzt. Isabel ist weiß und identifiziert sich als queer. Sie ist Dramaturgin für Tanz und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im künstlerischen Forschungsprojekt »Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image)« an der HfbK Hamburg.

Montag - Donnerstag, 19. - 22. Oktober 2020
»I’m in Love with my Future« mit Sanni Est

Ein Workshop für LGBT*Q+ Jugendliche (ab 13 Jahre), um das Filmemachen zu lernen. Ein kurzes Video konzipieren, Regie führen, drehen und schneiden, oder vom Musikvideo zum Interview bis hin zur Komödie? Vieles ist möglich und was immer ihr euch vorstellen könnt!
Gemeinsam stellen wir uns in einem queer safe(r) space vor: Was ist eine queere Zukunft aus der Sicht der Jugend von heute? Welche neuen Möglichkeiten lassen sich in der Vorstellung unserer eigenen Zukunft verwirklichen, von uns und für uns?

Sanni Est ist Künstlerin, Kuratorin und trans*feministische Referentin. Sie lebt in Berlin und hat ihre Wurzeln im Nordosten Brasiliens. Innerhalb verschiedener Medien verwebt Sanni Est (auto-)biographische Erzählungen miteinander, die vom Filmemachen über queere BIPoC-Themen aus verschiedenen Teilen der Welt, über Singing-Songwriting, Schauspiel, Schreiben und Sprechen reichen. Sie setzt ihren trans*braunen Körper als performatives Ausdrucksmittel ein, um die Betrachter_innen zu provozieren und sie mit ihrer kolonialen Wahrnehmung von geschlechtlicher Performativität zu konfrontieren.

In Zusammenarbeit mit dem LAMBDA Jugendnetzwerk