Künstler_innenstipendium Istanbul-Berlin 2020

1. Januar–31. Dezember 2020

Stipendium

Ort(e):
ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, KUNSTrePUBLIK e.V., Siemensstr. 27, 10551 Berlin

Künstler_innen

Leman Sevda Darıcıoğlu, Nermin Er

Seit 2018 werden jährlich zwei Stipendien an in Istanbul lebende Künstler_innen vergeben. Das bestehende Istanbul-Stipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Europa wurde zu einem echten Austausch erweitert, indem jährlich zwei Künstler_innen aus Istanbul von einer Jury ausgewählt und nach Berlin entsandt werden und umgekehrt. Damit sollen die Beziehungen zwischen den Partnerstädten Berlin und Istanbul und die Verbindung zur türkischen Kunstszene weiter gestärkt werden. Dies folgt der Überzeugung, dass internationaler Austausch und unmittelbare Kommunikation kulturelle Vielfalt als Bereicherung erlebbar werden lassen und zum Perspektivenwechsel einladen.

Januar - Juni 2020
Nermin Er

In ihren skulpturalen Arbeiten und Animationsfilmen beschäftigt sich die Künstlerin Nermin Er insbesondere mit der Natur und ihrem sich verändernden Zustand sowie mit der Stadt und ihrem Verhältnis zu ihren Bewohner_innen - ob tierisch oder menschlich. Es geht ihr um die Beziehung des Einzelnen zur Stadt, den Begriff des Wohnens und darum, wie Architektur den Alltag beeinflusst. Zentrales Element im künstlerischen Schaffen von Nermin Er ist die Verwendung von Licht und Schatten. Seit 2017 beschäftigt sie sich zunehmend mit Kunst im öffentlichen Raum sowie mit Soundarbeiten und Klanginstallationen.

Für ihren Berlin-Aufenthalt plant Er eine intensive Auseinandersetzung mit Zugvögeln, die über die Türkei in den Süden fliegen, um dort zu überwintern. Die Vögel dienen ihr als Metapher für den Zustand der erzwungenen Migration aus der vertrauten Umgebung aufgrund von Veränderungen in der Umwelt, wie sie für viele Menschen tagtägliche Wirklichkeit ist.

Nermin Er wurde 1972 in Istanbul geboren. 1995 schloss sie ihr Studium der Bildhauerei an der Mimar Sinan Universität ab. Nermin Ers Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, darunter Galeri Nev (Istanbul, 2004, 2009, 2011), mental:KLİNİK (Istanbul, 2002), Aksanat (Istanbul, 2004), K2 (Izmir, 2005), Siemens Sanat Galerisi (Istanbul, 2005), Helene Nyborg Contemporary (Kopenhagen 2006), Istanbul Modern (Istanbul, 2013) Cappadox (Kappadokien, 2017), Yanköşe (Istanbul, 2017) und Müze Evliyagil (Ankara, 2018) gezeigt.
nerminer.net

Termine:
Donnerstag, 23. Januar 2020: OPENHAUS, ZK/U Berlin
Donnerstag, 18. Juni 2020: OPEN PARK HAUSES, ZK/U Berlin

Juli - Dezember 2020
Leman Sevda Darıcıoğlu

Die Langzeit-Performances von Leman Sevda Darıcıoğlu stellen den Körper ins Zentrum der künstlerischen Untersuchung. Dabei laden sie die Anwesenden ein, selbst zu entschleunigen, um die performative Aktion zu erspüren und in eine Verbindung zu treten. In Anlehnung an Giorgio Agambens Konzept des “homo sacer”, das die Bedingungen thematisiert, unter denen das Leben biologisch weitergeht während es gleichzeitig unerträglich ist, versucht Darıcıoğlu, dem Raum zu geben, was durch Macht und Whiteness als soziokulturelle Kategorie aus dem öffentlichen Raum gelöscht wird: Die Themen umfassen beispielsweise Gentrifizierung, Migration, Morde an Transgender-Personen, Selbstmorde oder zwischenmenschliche Beziehungen. Der Spannungsbogen reicht von der Geschichte der Minderheiten bis zum Konzept der Heimat.

Während des Stipendienaufenthalts in Berlin wird sich Leman S. Darıcıoğlu mit queerer Verletzlichkeit und der Art und Weise, wie queere Menschen am Leben festhalten, beschäftigen. Ausgehend von Interviews mit in Berlin lebenden queeren Menschen, die Lebensbedrohliches oder Traumatisches erlebt haben, will Darıcıoğlu die Geschichten queerer Menschen ans Licht bringen. Im Mittelpunkt der Interviews stehen folgende Fragen: Wie haben queere Menschen überlebt, wie haben sie sich und ihr Leben nach lebensbedrohlichen Erfahrungen wiederaufgebaut?
Die Geschichten werden auf einer Webseite veröffentlicht. Außerdem werden sie in eine Reihe von neu konzipierten Langzeitperformances Darıcıoğlus einfliessen.

Leman Sevda Darıcıoğlu (*1985) war 2014-2017 Mitglied des Istanbul Queer Art Collective und ist seit 2017 Teil der Performistanbul International Performance Platform. Darıcıoğlus Perfomances und künstlerischen Arbeiten wurden auf Performancefestivals, in Museen und Galerien im In- und Ausland gezeigt, zuletzt im Rahmen der Venice International Performance Art Week 2020, Palazzo Mora, Venice; Future Ritual, Kunstraum, London (2019); Contemporary Istanbul Art Fair (2019) und im Badischen Kunstverein Karlsruhe (2019).
lemandaricioglu.com

Termine:
Samstag-Sonntag, 29.-30. August 2020, OPEN PARK HAUSES, ZK/U Berlin

Das Stipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Europa wird im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Kunstverein neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) und dem ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin sowie dem DEPO in Istanbul ermöglicht.

Finanziert von