SOFT SOIL

14. Februar–29. November 2020

Veranstaltungsreihe

Ort(e):
nGbK, Oranienstraße 25, 10999 Berlin
Verschiedene Orte in Berlin

Teilnehmer_innen

No Humboldt 21!, Ayo Akingbade, Anonyme Anwohnende, KOP Berlin, Solidarity City Berlin, Kunstblock and beyond, A.S.S. Collective, Corasol, Corasol, AFROTAK TV cyberNomads, D‘EST, Senka Domanović, Anna Engelhardt, Orhan Esen, Lause Lebt e.V., Break Isolation Group, Initiative Hermannplatz, Ruthia Jenrbekova, Flo Kasearu, Emsal Kılıç, Eva Löbau, Berlin Postkolonial, Lotte Schreiber & Michael Rieper, Asad Schwarz-Msesilamba, International Women* Space, Hans Stürm & Nina Stürm, Kollektiv Syndikat, Vanessa E. Thompson, Florian Wüst

Arbeitsgruppe

Jennifer Bennett, Sonja Hornung, Vicky Kiefer, siddhartha lokanandi, Sonya Schönberger

SOFT SOIL ist ein diskursives Format mit einer mobilen Plattform, das in drei Veranstaltungsblöcken zwischen den Ausstellungen der nGbK wiederkehrt. Es beschreibt die Ambivalenz des sandigen Grundes, auf dem Berlin gebaut ist: die Zermürbung urbaner Strukturen durch Privatisierung und Spekulation einerseits und die Veränderbarkeit des städtischen Raumes durch Alltagspraktiken und Widerstand andererseits. Das Format thematisiert koloniale Kontinuitäten und Fragen zur neoliberalen Transformation in der Stadt nach 1990. Außerdem wird ein kritischer Blick auf die Beziehung zwischen Raum und Geschlechterverhältnissen geworfen. Initiativen, Wissenschaftler_innen, Künstler_innen und Interessierte sind in Gesprächen, Screenings und Workshops zum Austausch eingeladen – im Sinne einer solidarischen Praxis. Welche Ideale prägen die Produktion des sogenannten öffentlichen Raums und was bedeutet »Stadt für alle«?

I/III – Bestandsaufnahme
Eine Stadt für alle gab es (noch) nie

14.-16. Februar 2020
Das Ausmaß der städtischen Verdrängung und die soziale Dringlichkeit der Wohnungsfrage haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Zugleich ist das Berliner Stadtbild wie nie zuvor geprägt von Widerstandsbotschaften und neuen Bündnissen. Unter Slogans wie »Stadt für alle« und »Wir bleiben alle« wird gegen die neoliberale Stadtentwicklung gekämpft, die die Ausgrenzung vorantreibt. Der öffentliche Raum ist allerdings seit jeher von Ausgrenzungsmechanismen gekennzeichnet. So wirken beispielsweise koloniale Strukturen alltäglich im Stadtraum, in der Erinnerungskultur, aber auch in polizeilichen Kontrollen nach. Seit einiger Zeit fordern PoC (People of Colour) und migrantische Stimmen, die Kämpfe und das »Recht auf Stadt« aus einer antikolonialen Perspektive zu betrachten, um grundsätzlich zu hinterfragen, wer mit »Stadt für alle« tatsächlich gemeint ist und inwiefern hegemoniale Verhältnisse aktivistisches Handeln begrenzen. Zugleich entstehen Zusammenschlüsse, die durch eine solidarische Praxis die kapitalistische Segregation im Stadtraum zu überwinden suchen. Sie produzieren neues urbanes Wissen und schaffen Zwischenräume, ob als temporärer Ausdruck des Gemeinsamen oder als nachhaltige Strukturen. Damit einher geht auch die Frage, wie Kunst Stellung beziehen und dem »Artwashing« der Gentrifizierung entgegenwirken kann.

Programm:

Freitag, 14. Februar 2020, 19:00
Begrüßung
Vortrag (de) »Rassismus auf dem Wohnungsmarkt und die Frage nach einer »Stadt für alle« « von Emsal Kılıç

Samstag, 15. Februar 2020, 14:00
Begrüßung
Parallele Workshops
- »Who the fuck is Pears? Oder: Wem gehört eigentlich mein Haus?« (de) mit Kollektiv Syndikat
- »Rassismus und Ausschluss in Alltagsstrukturen« (fr/de) mitwith Corasol
- »Stadt für alle – Lause für alle!« (de) mit Lause Lebt e.V.
19:00
Filmprogramm und Diskussion
»Menschen im Experiment« mit Florian Wüst
Filme von Ayo Akingbade, Lotte Schreiber & Michael Rieper, Hans Stürm & Nina Stürm

Sonntag, 16. Februar 2020, 16:00–19:00
Offener Austausch »Selbstorganisierte Räume in der neoliberalen Stadt« (de/en) moderiert von Kunstblock and beyond

[Ausführliches Programm > siehe PDF »Programm SOFT SOIL I de«]


II/III BEYOND EMERGENCY
Raumerschütterungen

14.–16. August 2020
Im zweiten von drei Veranstaltungsblöcken gibt SOFT SOIL einen erweiterten Blick auf aktuelle Entwicklungen. Die durch COVID-19 verursachte Situation hat grundlegende Auswirkungen auf den Stadtraum: Ungleicher Zugang zu Raum und Ressourcen wird durch die Krise verschärft und bestehende Ausgrenzungsmechanismen verstärken sich. Durch sich immer wieder verändernde Regeln werden Fragen aufgeworfen – zum Beispiel, welche Möglichkeiten des gemeinsamen Handelns im urbanen Raum bleiben bzw. entstehen. Wenn der städtische Raum primär für wirtschaftliche Zwecke nutzbar ist oder sich rassistische polizeiliche Kontrollen verstärken, wo bleibt dann noch Handlungsspielraum? Welche Möglichkeiten gibt es dennoch, angesichts neuer Einschränkungen, Solidaritätsstrukturen gegen Gentrifizierung, Diskriminierung und Vereinzelung zu erhalten und auszubauen? Sind die Hebel, die jetzt von der Politik und Wirtschaft in Gang ge- setzt werden, Teil von Prozessen der Ökonomisierung und Finanzialisierung, die bereits in den 1990ern oder früher ausgelöst wurden? Wie kann ein Blick auf diese Zeit – also auf das Ende des Staatssozialismus und den kapitalistischen Systemwechsel – helfen, Vorgänge wie Privatisierung und Spekulation besser zu verstehen? Hat der Neoliberalismus die Herzen und Seelen der Menschen verändert?

Programm:

Freitag, 14. August 2020
Online-Veranstaltung
19:00
Begrüßung (de)
19:30
Zwei kurze Vorträge & Diskussion (de)
»Polizieren von Schwarzem Leben und Bedingungen abolitionistischer Widerstände« von Vanessa E. Thompson
»Function Follows Form: Wenn der Traum von Gleichheit ausgeträumt wird« von Orhan Esen

Samstag, 15. August 2020
11:00–13:00
Workshop »Recht auf Stadt – Platz für alle« (de) mit Initiative Hermannplatz (Kiezinitiative)
14:00–14:45
(NEU:) Input »Take it down and turn it inside out!« (en) mit Coalition of Cultural Workers against the Humboldt Forum
15:00–15:45
Input »Ban Racial Profiling!« (de/fr) mit KOP Berlin (Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt)
16:00–16:30
Abschlussdiskussion (de/fr)
19:30
Videoprogramm »Space Ideologies« mit D‘EST (Ulrike Gerhardt & Daria Iuriichuk)
Videoarbeiten und Filmausschnitte zu den Auswirkungen von Privatisierung in postsozialistischen Städten von Anna Engelhardt, A.S.S. Collective (Mizu Sugai & Jonathan Jung), Senka Domanović, Ruthia Jenrbekova & Flo Kasearu
Im Anschluss Diskussion mit A.S.S. Collective (de)

Sonntag, 16. August 2020, 14:00–17:00
Kieztour »Oh-Straße! How To Sell Your City: A Guided Tour« (de) mit Anonyme Anwohnende

[Ausführliches Programm > siehe PDF »Programm SOFT SOIL II de«]


III/III PRIVATE POLICE PARTNERSHIP
Solidaritäten in der Stadt unter Druck

27.-29. November 2020
Anfang 2020 begann SOFT SOIL mit der Aussage: »Eine Stadt für alle gab es (noch) nie«. In den Veranstaltungen wurden andauernde Missstände genauer untersucht: Ein nicht deutsch klingender Nachname führt zu Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche; höhere Mieten verdrängen Geringverdienende; Alltagsrassismen und rassistische Polizeikontrollen exkludieren; selbstorganisierte Räume werden verdrängt oder bei Widerstand mit Polizeigewalt geräumt. Das ›Öffentliche‹ wird polizeilich aufrechterhalten (Vanessa E. Thompson) und die Räume, die für die ›Öffentlichkeit‹ geschaffen werden, werden immer exklusiver.
Public-Private-Partnerships sind im Neoliberalismus gängige Praxis und bestehen darin, dass staatlich geförderte Institutionen im Rahmen langfristiger Verträge mit der Privatwirtschaft zusammenarbeiten: Das sogenannte ›Gemeinwohl‹ muss Profit erzeugen. Umgekehrt gewinnt die Privatwirtschaft Mitsprache in städtischen Entscheidungsprozessen.
Im dritten Veranstaltungsblock werden folgende Fragen behandelt: Was für ein Verständnis demokratischer Prozesse ist aktuell vorherrschend? Wie prägen das philanthropische Begehren und die neokolonialen/neoimperialistischen Fantasien einer reichen Minderheit den Stadtraum? Wie kann man eine gentrifizierungsresistente und dekoloniale Stadt denken? Welche Netzwerke schaffen geflüchtete Frauen* untereinander? Wann hat Privateigentum Vorrang vor solidarischem Miteinander, Kiezbedarf und Nachbarschaft?

Online-Programm:

Freitag, 27. November 2020, 19:00–21:00
»Wir – Gespräche zum demokratischen Alltag in Berlin« (de)
Lesung mit Eva Löbau & Asad Schwarz-Msesilamba basierend auf Interviews von Sonya Schönberger u.a. mit Jennifer Kamau, Josephine Apraku, Katalin Gennburg, Gülcan Nitsch, Till Egen, Christian Herwartz, Hans-Christian Ströbele, Niloufar Tajeri

Samstag, 28. November 2020
12:00–15:00

»Zur Dekolonialisierung des Städtischen« (de/en)
mit No Humboldt 21!, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ISD, Berlin Postkolonial, AFROTAK TV cyberNomads & Coalition of Cultural Workers against the Humboldt Forum
15:00–17:00
»Corona Lager Reports« (en)
Hörsession, Diskussion mit Break Isolation Group, International Women* Space

Sonntag, 29. November 2020, 13:00–15:00
»Haus verkauft! Oranienstraße 25 und damit verbundene Kämpfe« (de)
u.a. mit AK Standort/O-straße der nGbK

[Ausführliches Programm > siehe PDF »Programm SOFT SOIL III de«]