-tainment. Spielformen der Bewusstseinsindustrie

11. Dezember 2004–6. Februar 2005
Eröffnung: 10. Dezember 2004

Ausstellung
Publikation
Filmprogramm

Ort(e): NGBK, Oranienstraße 25

Künstler_innen

Friederike Anders, Guy Ben-Ner, Claudius Böhm/Volker Möllenhoff/Heiko Sievers, Geissler & Sann , Gabriela Golder, Jon Haddock, Paul Harrison, Eno Henze und Andreas Lorenschat, Christian Jankowski, Anja Kempe, Andree Korpys/Markus Löffler, Marc Lee, Johannes Maier, Bjørn Melhus, Monika Oechsler, Christian Pundschus/Philip Grözinger, RothStauffenberg, Björn Schülke, John Wood

Arbeitsgruppe RealismusStudio

Hildtrud Ebert, Christin Lahr, Annette Tietenberg, Frank Wagner, Ute Ziegler

Filmprogramm während der Ausstellung in der NGBK:

14. Januar 2005, 18.00 Uhr:
ZEICHEN_LEERE
Friederike Anders: Zeichenleere (1984), Filip Remunda, Vit Klusak: Cesky Sen (2004), Sann & Herzberg: Die Pümpels (1998), Barbara Prokop: Britney: Still Me (2003), Hein-Godehart Petschulat: Tagesthemen/Schweigen ( 2004)

21. Januar 2005, 18.00 Uhr:
FEED ME !
Korpys/Löffler: The Nuclear Football (2004), Brian Springer: spin (1995) Robert Greenwald: Outfoxed – Rupert Murdoch’s War on Journalism (2004), William Karel: The Dark Side of the Moon (2002)

Zur Finissage am 6. Februar 2005, 16.00 Uhr
präsentieren Geissler & Sann ihre Arbeit: „return to Veste Rosenberg“

Aus der Pressemitteilung:
Die Ausstellung zeigt künstlerische Positionen, die sich kritisch mit neueren medialen Genres wie Edutainment, Infotainment, Politainment oder Militainment – welche sich alle an den Begriff des Entertainments anschließen und aus ihm hervorgegangen sind – auseinandersetzen.

Wer erinnert sich nicht an die Fernsehbilder aus dem Irak-Krieg, an die im grünen Licht der Infrarotaufnahmen aufblitzenden Detonationen, an das Stakkato der Bilder? Als Mix aus dokumentarischer Berichterstattung und Videoclipästhetik kam das Kriegsgeschehen als Event der besonderen Art ins Haus. Das Unbehagen am Verschwinden einer brutalen und komplexen Wirklichkeit hinter einer verharmlosenden TV-Repräsentation war Anlass im RealismusStudio, die Ausweitung der Unterhaltungsstrategien zum Thema einer Ausstellung zu machen.
Seit Neil Postman mit seinem Begriff des Infotainment die mediale Verpackungspraxis von Informationen zum Gegenstand seiner Fernsehkritik gemacht hat, erfasst die Entertainisierung praktisch jeden Lebensbereich. Mili-, Edu-, Psycho-, History – oder Politainment markieren den unübersehbaren Trend zur unterhaltsamen Vermittlung von komplexen Sachverhalten und Wissensgebieten. Welcher Bildstrategien bedienen sich die neuen Genres und welche Selbstbilder und sozialen Verhaltensmuster bringen sie hervor? Solche und ähnliche Fragen stellen sich die KünstlerInnen dieser Ausstellung. Sie nehmen die für die –tainment Praxis charakteristische Verschränkung verschiedener Formen, Genres und Gattungen zum Anlass, die Praxis des Bildtransfers medienkritisch unter die Lupe zu nehmen und [ihre Effekte] […] herauszustellen.

-tainment Formate arbeiten mit den Mitteln der Simulation und Inszenierung und haben sich bekannte Verfahren künstlerischer Interventionen längst einverleibt. Es war und ist daher eine Herausforderung an die KünstlerInnen, die Trennlinie zwischen affirmativen und kritischen Bildverfahren zu ziehen und die “Konstruktionselemente” der neuen Medienwelten offen zu legen. Sie machen mit ihren Arbeiten einen Prozess transparent, der sich durch die Transformation kulturell geprägter Bilder und Zeichen in “Baumaterial” zur freien Verfügbarkeit permanent vollzieht: den Verlust an Eindeutigkeit. Die Werke der Ausstellung verweisen aber auch auf die Ambivalenz dieses Vorgangs. Sie zeigen, dass sich die Bedeutung von Bildern erst aus konkreten Kontexten erschließt und sich das Problem “real oder fiktiv” nicht mehr zwingend stellt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Harald Fricke, Knut Hickethier, Renée Zucker und Marlene Streeruwitz.