Up in Arms

28. September–15. Dezember 2019

Ausstellung
Veranstaltungsreihe

In Kooperation mit Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

Ort(e):
Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

upinarms.ngbk.de/

Künstler_innen

Lana Čmajčanin, Ana Hoffner ex-Prvulovic, Regina José Galindo, Jill Gibbon, Vanessa Gravenor, John Heartfield, Sonia Hedstrand, Peter Kennard, Hiwa K., Beatrice Schuett Moumdjian, Dani Ploeger, Walid Raad, Julian Röder, Lorenzo Sandoval, Hito Steyerl, Alma Suljević, Hadas Tapouchi, Cengiz Tekin, Constantine Zlatev

Teilnehmer_innen

Diana Arce, Forensic Architecture, Linde Bryk, Christine Cynn, Adopt a Revolution, Christian Schliemann, Wendy M. K. Shaw, Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!

Arbeitsgruppe

Ayşe Güngör, Cassandra Mehlhorn, Gabriela Seith, Amalie Sølling-Jørgensen, Johanna Werner

Immer wieder gerät die Rüstungsindustrie in die Schlagzeilen. Zum Beispiel wenn Akteur_innen des Waffenhandels im Vorstand des Whitney Museums in New York vertreten sind, wenn deutsche Waffenexporte nach Saudi-Arabien nur zeitweise ausgesetzt werden oder wenn es um die Beteiligung am Schutz europäischer Außengrenzen geht. Das Projekt »Up in Arms« bringt diese Themen in den Ausstellungsraum, fordert Transparenz im Rüstungshandel und zeigt dessen lokale und globale Verbindungen auf.

Beteiligte:
Adopt a Revolution, Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!, European Center for Constitutional and Human Rights, Global Net – Stop the Arms Trade, LobbyControl, urgewald

Sicherheit, Verteidigung, Diplomatie – die vermeintlichen Grundsätze der Rüstungsindustrie scheinen auf den ersten Blick vernünftig und sogar erstrebenswert. Wer könnte Einwände dagegen haben? Jedoch verschweigt diese PR-Strategie die unangenehmen und gegensätzlichen Konsequenzen des Geschäfts.

»Up in Arms« richtet den Fokus auf diese Kehrseiten der Industrie. Im Rahmen des Projekts wird mit den Mitteln der Kunst ein genaueres Bild des Rüstungshandels und dessen oft übersehene Verzweigungen gezeichnet. Die Künstlerin Hito Steyerl untersucht den Ursprung einer Maschinengewehrkugel, die eine Freundin getötet hat und legt dabei Verknüpfungen zwischen Waffenindustrie und Kunstbetrieb offen. Lana Čmajčanin kartographiert in ihrer Arbeit den Einsatz der Handfeuerwaffe FN M1910 und zeigt, wo die Weltgeschichte durch den Einsatz dieser Pistole beeinflusst wurde. Wiederum andere in der Ausstellung vertretene Künstler_innen besuchten Rüstungsmessen und veranschaulichen in ihren Arbeiten deren Absurdität. Die Werke von Künstler_innen, die mit Waffen und Gewalt in Berührung gekommen sind, werden neben Dokumentationen der historischen wie globalen Vernetzungen der Waffenindustrie ausgestellt.

Im Sinne von »Up in Arms« [›sich auflehnen‹] geben die Kunstwerke Einblick in das Netzwerk des Rüstungshandels. Dessen Auswirkungen sollen greifbarer werden, denn Sicherheit bedeutet nie die Sicherheit aller Menschen, Verteidigung ist immer Verteidigung gegen Andere und Diplomatie, in der die Interessen der Rüstungsindustrie vertreten werden, ist keine diplomatische Lösung.

»Up in Arms« ist ein Ausstellungs- und Rechercheprojekt, das sich mit den Strukturen der lokalen und internationalen Rüstungsindustrie beschäftigt. Neben einer Ausstellung, die künstlerische Perspektiven auf und kritische Auseinandersetzungen mit der Rüstungsindustrie zeigt, sollen eine Karte auf der Projektwebseite sowie Kunstwerke im öffentlichen Raum – im Rahmen des Wettbewerbs »Kunst im Untergrund 2019« – auf die Akteur_innen der Rüstungsindustrie in Berlin aufmerksam machen.

Termine:

Freitag, 27. September 2019
14 Uhr

»The Fourth Entity«
Performance von Alma Suljević
19 Uhr
Eröffnung der Ausstellung

Donnerstag, 17. Oktober 2019, 19 Uhr
Podiumsdiskussion (DE/EN) mit Kooperationspartner_innen und Künstler_innen

Donnerstag, 24. Oktober 2019, 18 Uhr
Kuratorinnenführung (EN)

Donnerstag, 7. November 2019, 19 Uhr
»The Learning and Unlearning of Violence« Lecture Performance (EN) von Vanessa Gravenor
Die Künstlerin Vanessa Gravenor geht der Frage nach, welche Auswirkungen von Militärkonflikten nach Jahrzehnten noch vernehmbar sind und setzt den Schwerpunkt ihrer Recherchen auf linguistische Gewalt als Form von Waffe. Sie nähert sich kritisch der militanten Sprache in Pädagogikbüchern, die von amerikanischen Geldgeber_innen finanziert und in den 1980er Jahren an afghanische Geflüchtete verteilt wurden.

Anlass zu dieser Untersuchung war ein persönliches Erlebnis: die Künstlerin wurde bei den Anschlägen in Paris im November 2015 verletzt. In der Lecture Performance analysiert sie eine biographische Vokabelliste ihrer PTBS-Therapie. Über die eigene Erfahrung hinaus verdeutlicht sie die Verbindung dieses biographischen Erlebnisses mit den Auswirkungen der Finanzierung von Krieg im größeren politischen Kontext. Sie nutzt dabei selbst sprachliche Mittel, um die heutigen Rückkopplungsschleifen des sogenannten Anti-Terror-Kriegs zu verstehen.

Donnerstag, 21. November 2019, 19 Uhr
Forensic Architecture and Praxis Films »Triple-Chaser« und anschließendes Gespräch (DE/EN) mit Ana Hoffner ex-Prvulovic, Linde Bryk (ECCHR) und Wendy M. K. Shaw (Freie Universität Berlin)
Am Whitney Museums in New York war das Jahr 2019 geprägt von monatelangen Protesten und Boykottaktionen von Künstler_innen. Grund dafür war die Enthüllung, dass Warren B. Kanders, Vizepräsident des Museumsvorstands, gleichzeitig der Besitzer des Unternehmens Safariland war. Die Firma produziert das Tränengas Triple-Chaser, das weltweit von Polizei und Militär gegen Protestierende eingesetzt wird und durch dessen Einsatz immer wieder Menschenrechte verletzt werden. Die daraus resultierende mediale Aufmerksamkeit und die anhaltenden Widerstände der Künstler_innen führten dazu, dass Kanders von seiner Position am Whitney Museum zurücktrat.

Dieser Vorgang wirft zahlreiche Fragen auf: Wie wirksam sind künstlerische Mittel, um Kritik an der Rüstungsindustrie zu äußern? Erwirken Proteste von Künstler_innen einen Wandel, auch über die Kunstwelt hinaus? Welchen Einfluss wiederum übt die Rüstungsindustrie durch Kunstsponsoring?

Gemeinsam mit Aktivist_innen untersucht Forensic Architecture in der Video Arbeit »Triple-Chaser« die Einsatzspuren des gleichnamigen Reizstoffs. Nach der Filmvorführung bietet eine Podiumsdiskussion Raum, um über die engen Verknüpfungen zwischen Rüstungsindustrie und Kunstwelt sowie Formen künstlerischen Widerstands gegen die Rüstungsindustrie zu diskutieren.

Sonntag, 24. November 2019, 15 Uhr
Kuratorinnenführung (DE)

Donnerstag, 12. Dezember 2019, 19 Uhr
»Shooting Ourselves«
Filmvorführung und anschließendes Gespräch (EN) mit Christine Cynn (Regisseurin) und Christian Schliemann (ECCHR)
Der Film »Shooting Ourselves« zeigt das Leben von 13 Personen, die auf unterschiedliche Weise vom Waffenhandel betroffen sind. Zu den Protagonist_innen gehören ein Helikopter-Pilot der indischen Armee, ein Friedensaktivist aus Oberndorf, ein Menschenrechtsanwalt der sich für die Hinterbliebenen von Menschen einsetzt, die Opfer von Drohnenangriffen wurden und ein ›Security Systems Developer‹, der gepanzerte, unbemannte und ferngesteuerte Fahrzeuge anbietet, die mit Kameras und – auf Wunsch – mit Munition ausgestattet werden können. Alle sind 2013 für die Teilnahme an dem partizipativen Theaterstück »Situation Rooms« von Rimini Protokoll an einem Ort zusammengekommen. Dort schildern sie ihre individuellen Erlebnisse mit Waffen.
Die Regisseurin Christine Cynn filmt für »Shooting Ourselves« nicht nur, wie die Protagonist_innen diese Erlebnisse reenacten, sondern blickt auch hinter die Kulissen der Theaterproduktion. Dort reichen die Gespräche von Diskussionen über sogenannte ›Kollateralschäden‹ bis hin zu Scherzen über diplomatische Picknicks auf Osama Bin Ladens verlassenem Anwesen. Die verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen, die hier sichtbar werden, machen deutlich, wie unterschiedlich Menschen vom Waffenhandel betroffen sein können.
Nach der Filmvorführung folgt ein Gespräch mit der Regisseurin Christine Cynn (Regisseurin) und Christian Schliemann vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR).

Sonntag, 15. Dezember 2019
17 Uhr

Kuratorinnenführung (EN)
19 Uhr
»Politaoke«
Partizipatorische Performance (DE/EN)
Unabhängiges politisches Karaoke von Diana Arce
»Politaoke« ist die unparteiische Karaoke-Bar für politische Reden. Die Künstlerin Diana Arce lädt das Publikum ein, selbst in die Rolle der Entscheidungsträger_innen zu schlüpfen und aktuelle Reden von bundesdeutschen oder internationalen Politiker_innen zu halten. Teilnehmer_innen können aus einer Sammlung von Reden wählen, die beispielsweise die Weichen für Waffenexporte stellen, diplomatische Entscheidungen begründen oder gesetzliche Rahmen abstecken.

»Nicht alle von uns können singen, aber einige von uns haben noch eine Stimme – gehören Sie dazu? Wenn Demokratie nicht zu haben ist, bringt Politaoke sofortige staatsbürgerliche Befriedigung!«

Haben Sie einen Redewunsch? Schicken Sie diesen schon vorab an www.politaoke.com/submit-a-speech/

Stadtführungen mit LobbyControl
Immer Samstag und Sonntag, 14 Uhr

DE: 19./27. Oktober 2019
EN: 13./20./26. Oktober 2019

Finanziert von