fast um$onst

13. März–18. April 2004
Eröffnung: 12. März 2004

Ausstellung
Publikation
Veranstaltungsreihe

Ort(e): nGbK, Oranienstraße 25
Die ‘Selbstbedienungszentrale’ zieht nach der Ausstellung weiter nach Friedrichshain in den ‘Propeller’ (Raum für Kunst, Multiples, Wein und Kaffee)

www.mitzeitung.allgirls-berlin.org

Künstler_innen

Roswitha Baumeister, Karen Beckhof, Joachim Blank, Claudia Burbaum, Angelika Chio, Vali Djordevic, Vali Djordevic, Uli Ertl, Doro Etzler, Gertrud Fischbacher, Tina-Marie Friedrich, Sofia Hultén, Karl Heinz Jeron, Mirjam Junker, Martin Kaltwasser, Folke Köbberling, Verena Kuni, Astrid Küver, Lazy Liu, Barbara Loreck, Conrad Noack, Ellen Nonnenmacher, Helene von Oldenburg, Anton Rabe, Claudia Reiche, Alexei Shulgin, Tiger B. Stangl, Rüdiger Stern, Betty Stürmer, Rut Waldeyer, Kerstin Weiberg, Steffi Weismann

Teilnehmer_innen

Lith Bahlmann, Gunnar Borbe, Peter Geiger, Igor Häber, Alen Hebilović, Ernest Helter, Ljiljana Janjic, Susan Wolff

Arbeitsgruppe

Haytham El-Wardany, Tina-Marie Friedrich, Christine Kriegerowski, Christoph Tempel, Claudia Tribin

Aus der Pressemitteilung:
“fast um$onst” vereint kritische wie ironische Positionen von insgesamt 30 Künstlerinnen und Künstlern zur derzeitigen gesellschaftlichen Situation.
In Berlin wie in Deutschland regiert der Rotstift. Alle reden von leeren Staatskassen und der Eigenverantwortung, die jeder jetzt für sich übernehmen muss. Deregulierung, Rationalisierung, Entlassung, Arbeitslosigkeit, Vereinzelung und Entsolidarisierung werden zu gesellschaftlichen Phänomenen eines Staates, der sich im Stil eines Wirtschaftsunternehmens gebärdet.
Das Bild des Künstlers als Inbegriff des kreativen, nicht entfremdeten Arbeiters, der alle Produktionsmittel in den Händen hält, wird zum staatlich geförderten Wunschbild und findet seine Ausprägung in der so genannten ICH-AG.
fast um$onst ist eine Kunstausstellung zur ökonomischen Bestandsaufnahme einiger Facetten des immer stärker werdenden Neoliberalismus und zu Strategien des Durchwurstelns (selbstorganisierten fantasievollen Handelns) nach dem Ende der New Economy. Wir haben Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, die den Dienstleistungssektor thematisieren, sich ihm aber verweigern und einen Ausweg aus dem ewigen “Für-zu-wenig-Geld-arbeiten-müssen” zumindest erträumen.
fast um$onst fördert Kritik und Improvisation im Kampf gegen
Einschränkungen der Lebensqualität. Den Zwang zur Selbsthilfe beantwortet fast um$onst mit der Lust am Selbermachen.

Demokratisierung von künstlerischen Prozessen, wie auch die Teilhabe daran sind uns ein Anliegen. Diesen Anspruch verwirklicht fast um$onst durch Workshops und verschiedene Veranstaltungen.

Pressestimmen

Zitty, Nr. 8/04 (Ralf Hanselle)
“Unter dem Titel fast um$onst ist dort [in der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst] eine Ausstellung zu sehen, in der 30 Künstler und Künstlerinnen ihre Positionen ‘gegen die Durchökonomisierung des Daseins’ zeigen. […] Derart verspielt und ironisch machen sich die meisten Künstler der Ausstellung daran, den Common Sense des neuen Wirtschaftens zu demontieren. Noch wirkt das alles recht charmant und leichtfüßig. Dahinter aber stecken längst Katzenjammer und Verweigerungshaltung.”

Tip, 08.04.2004 (Ulrich Zander)
“Zu den Strategien des ‘selbstorganisierten fantasievollen Handelns’ (vulgo: Durchwursteln) nach dem unrühmlichen Ende der New Economy knüpft ‘fast um$onst’ an alte linke Vorstellungen von Solidarität, Selbstorganisation und Widerstand an. Bereichert durch Qualitäten, die in der Vergangenheit oft als der guten Sache nicht dienlich galten: Ironie, Selbstironie, Humor.”

Neues Deutschland, 02.04.2004 (Tom Mustroph)
“30 Künstler entwerfen Strategien, wie man zum einen Armut entgegenwirken kann, zum anderen aber auch dem ökonomischen Gerede, das vor lauter ‘Einsparrungen’ und ‘Flexibilisierungen’ das Dasein aus dem Blick verliert, in die Parade fahren kann. […] Die gesamte Ausstellung ist […] jedoch als leichtgewichtig zu bezeichnen. Eine Auseinandersetzung mit der ‘Durchökonomisierung des Dasein’ erfolgt hier nicht. Eher handelt es sich um Spiele von Künstlern, die versuchen, ihr kaum überzeugendes ästhetisches Potenzial mit einer Prise Gesellschaftskritik aufzuladen.”

Im Rahmen der Ausstellung entstand eine Radiosendung vom Institut für Primärenergieforschung, welche das tägliche Radioprogramm des 8-tägigen Radiorifffestival im ‘Ausland’ 2004 eröffnete.
Aus dem CD-Text:
“Themen waren: Jingles - Do-it-yourself - favourite Music - Zeitung lesen - Ich-AG - Sucht und Alltag - Reste - Ausblick. Zur Vorbereitung der geplanten Konferenz F.a.R.M. wurden Ökonomie und Alltag in verschiedenen Morgensendungen u.a. durch Entwicklung einer Existenzgründungsidee (Ich AG Frühstück) und durch Tausch-Utopien (improvisiertes Hörspiel ‘Hans im Glück’ mit Beteiligung von Zuhörern) thematisiert. In den Morgenchorälen wurde das Themenspektrum der Konferenz umrissen und zur Mitarbeit aufgerufen. In der ‘Langen Nacht der Primärenergie’ probierten wir erstmals einen multiplen Veranstaltungstyp zum Thema ‘Nachtschicht’ aus. Die ‘Lange Nacht’ bestand aus einer Modellbauwerkstatt für die Darstellung von Lebensstrategien, aus einer Speakers Corner, einer Songwerkstatt zum Thema ‘Workersongs - Lieder zum Durchhalten’, einer Songverkaufsstelle, einem Beitrag der Gäste G-Bliss ‘How to live a better life in 8 steps’. Der Gastmoderator Torsten Schlopsnies hat die Live-Ergegnisse für das Radiopublikum moderiert.”