Shared.Divided.United

Deutschland-Korea: Migrationsbewegungen im Kalten Krieg

10. Oktober–15. November 2009
Eröffnung: 9. Oktober 2009

Ausstellung
Publikation

Ort(e): NGBK, Oranienstraße 25
Gesellschaft für Künstlerische Forschung Berlin, Am Flutgraben 3
Grenzwachturm Schlesischer Busch, Am Flutgraben 3
Flutgraben, Obere Freiarchenbrücke

Künstler_innen

Duck-Hyun Cho, Kane Do, Harun Farocki, Kate Hers, Farida Heuck, Kerstin Kartscher, Georg Klein, Enna Kruse-Kim, Chang-Won Lee, msk7, Suntag Noh, Helena Parada Kim, Chan-Kyong Park, Jan Ralske, Sunmu, Florian Wüst, Jae-Hyun Yoo

Übernahme von Kunstverein Hildesheim

Deutschland und Korea sind in besonderer Weise durch ihre “Geteilte Geschichte” miteinander verbunden. Als Frontstaaten des Kalten Krieges sind sie zugleich geprägt von der Geschichte der Teilung. Erst vor diesem Hintergrund können die Migrationsbewegungen verstanden werden, die in allen vier Himmelsrichtungen zwischen Deutschland und Korea stattfanden und durch komplexe wechselseitige Beziehungen und Grenzüberschreitungen gekennzeichnet waren.
Die Ausstellung zeigt an drei Orten, sowie im öffentlichen Raum, Arbeiten von 15 zeitgenössischen KünstlerInnen und Künstlergruppen aus Deutschland und Korea, die sich in ihren Werken mit Aspekten der Migration, der Teilung, dem Kalten Krieg auseinandersetzen. Gleichzeitig werden durch historische Dokumente und Materialien schlaglichtartig die Migrationsrouten, sowie einzelne geschichtliche Ereignisse und Biografien beleuchtet. Die deutsch-koreanische Migrationsgeschichte kann ohne den Kalten Krieg nicht gedacht werden.
Gleichzeitig werden jedoch die Risse und Zwischenräume zwischen den scheinbar hermetisch abgeriegelten Systemen sichtbar, die die Menschen sich schufen und hierdurch die politischen und gesellschaftlichen Umstände mit gestalteten. Diese unterschiedlichen Facetten der deutsch-koreanischen Migrationsgeschichte werden durch die historischen Materialien freigelegt und durch die KünstlerInnen befragt.

Das Thema der geteilten Geschichte zieht sich durch die gesamte Ausstellung und ist an drei Standorten angesiedelt: Die NGBK - Neue Gesellschaft für Bildende Kunst befindet sich in Kreuzberg, dem ehemaligen West-Berlin, mit direkt an der Mauer verlaufender Bezirksgrenze. Der zweite Ausstellungsort, die GfKFB liegt in Treptow am Flutgraben, im ehemaligen Ost-Berlin unmittelbar am früheren Mauerstreifen. Der noch vorhandene historische Grenzwachturm Schlesischer Busch gegenüber dem Atelierhaus am Flutgraben wird ebenfalls künstlerisch bespielt.

Eine Ausstellung der NGBK an drei Ausstellungsorten:

NGBK, Oranienstr. 25, 10999 Berlin
Duck-Hyun CHO, Kane DO, Harun FAROCKI, Kerstin KARTSCHER, Georg KLEIN, Enna KRUSE-KIM, Chang-Won LEE, Helena Parada Kim, Florian WÜST

GfKFB, Am Flutgraben 3, 12435 Berlin
Chan-Kyong PARK, Sunmu, Suntag NOH, Jae-Hyun YOO/Farida HEUCK, Jan Ralske

Grenzwachturm, gegenüber dem Atelierhaus am Flutgraben, im Schlesischen Busch, 12435 Berlin
kate hers

Performance am Flutgraben, Obere Freiarchenbrücke
msk7 mit der Aktion FLOATING PING PONG

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit dem gleichnamigen Titel „Shared.Divided.United“ (deutsch/englisch). ISBN 978-3-938515-31-0

Pressestimmen

Tagesspiegel, 15.10.2009 (Anna Pataczek)
“Die NBGK dokumentiert im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen mit Zeitdokumenten und Arbeiten von 15 Künstlern Migrationsbewegungen zwischen Deutschland und Korea während des Kalten Krieges. Parallel zur DDR und Nordkorea bauten die BRD und Südkorea ihre Beziehungen aus. Gastarbeiter kamen nach Westdeutschland.”

Junge Welt, 08.12.2009 (Helmut Höge)
“Gut zehn Jahre später warb die BRD Bergarbeiter und Krankenschwestern an – letztere zunächst von einem von der BRD betriebenen Hospital in Pusan aus. Sowohl die Krankenschwestern als als auch die Bergarbeiter waren überqualifiziert. Dies erklärt für die Ausstellungsmacher die selbstbewußten Streiks und Proteste, mit denen sie später um bessere Arbeitsbedingungen, Löhne etc. kämpften. Obwohl es in der DDR eine ‘Ostberlin-Sperre’ für alle Nordkoreaner gab, wechselten etliche bis zum Mauerbau nach Westberlin über. Umgekehrt verstanden es die Südkoreaner im Westen, die nord- koreanische Botschaft in Ostberlin auf ‘kreative Weise’ für sich zu nutzen. Zur Beschreibung dieser Vorgänge verwenden die fünf Ausstellungsmacher das koreanische Wort ‘Tum’, mit dem sie ein ‘Denken in Rissen und Zwischenlücken in den Fokus’ rücken, das sie als ‘subversiv’ und ‘ambivalent’ begreifen. Zu dieser vorbildlichen Geschichts-Aufarbeitung paßt eine Erzählung von Martin Huyn, Sohn eines koreanischen Gastarbeiters aus Krefeld: ‘Lautlos ja, sprachlos nein’. Der junge Autor geht darin u.a. der Frage nach, ‘warum gerade die Deutsch-Koreaner als Musterbeispiel vorbildlicher Integration gelten’ können.”

Neues Deutschland, 17.10.2009 (Peter Kirschey)
“Kaum ein anderes deutsches Wort birgt so viele Zweideutigkeiten in sich wie das Wort Teilung. Es steht für Trennung, für Auseinanderbrechen, Tragödie und Unversöhnlichkeit. Aber auch für solidarisches Miteinander, für abgeben, sich opfern, Meinungsgleichheit und Hilfe in höchster Not. All diesen trennenden und einenden Aspekten widmet sich eine Ausstellung der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst. Sie ist an drei Orten zu sehen, die mit der innerberliner Grenze verbunden sind: In der Oranienstraße 25, am Flutgraben an der Oberen Freiarchenbrücke zwischen Kreuzberg und Treptow sowie in dem einstigen Treptower Grenzturm. Ein internationales Künstlerteam hat mit einer Vielfalt künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten versucht, Migrationsbewegungen zu Zeiten des Kalten Krieges plastisch zu machen. […] Die Darstellungen geben ein weit differenzierteres Bild von geschichtlichen Vorgängen, als die heute übliche schwarz-weiße Betrachtung über die DDR.”

Rahmenprogramm:

Fr 9.10.2009 Eröffnung
Ab 19 h
Ausstellungseröffnung NGBK, GfKFB, Grenzwachturm Schlesischer Busch
ab 21 h
Eröffnungsperformance msk7 im Flutgraben, Obere Freiarchenbrücke
Die Aktion FLOATING PING PONG findet auf dem Wasser im Flutgraben am ehemaligen Grenzbereich an der Schlesischen Straße statt. Eine zweigeteilte Tischtennisplatte steht zur Hälfte auf je einem Floß. msk7 lädt zum Ping-Pong-Spiel auf unsicherem Grund ein.
Anmeldung unter www.msk7.org
ab 22 h
Eröffnungsparty, Halle des Flutgraben e.V., 1.OG
DJane Hito, DJ Patric Catani (Sonig), DJ Marius Reisser (Birthday Party Berlin, Dense Shop)

Sa 10.10.2009
14 h - 18 h
Performance msk7 im Flutgraben
Partizipative Aktion FLOATING PING PONG. Mitmachen erwünscht.
Anmeldung unter www.msk7.org
18 h
Artist Talk in der NGBK
Der südkoreanische Fotokünstler Suntag NOH sowie der aus Nordkorea geflohene Maler Sunmu werden mit Keum-Hwa KIM sowie Hans D. CHRIST vom Württembergischen Kunstverein, Stuttgart (Moderation) über Teilung, Ideologie und deren Einfluss auf die Kunst diskutieren.

Do 22.10.2009
19.30 h
Filmscreening in der NGBK, „Tiger Spirit“ (2008)
in Kooperation mit dem Asian Women‘s Filmfestival
Der Dokumentarfilm „Tiger Spirit“ von Min-Sook LEE führt an die DMZ, die schwer bewachte Entmilitarisierte Grenzzone zwischen Süd- und Nordkorea. LEE verfolgt entlang dieser Grenze die Rhetorik und die Realität der Teilung bzw. der Wiedervereinigung anhand der leidvollen Geschichten der einfachen Menschen. Eine enthüllende, emotionale Reise ins gebrochene Herz Koreas. www.tigerspirit.ca

Do 29.10.2009
19.30 h
Vortrag in der NGBK „Der (un-)verhüllte koloniale Blick“
Von 1954 – 1962 war die „Deutsche Arbeitsgruppe Hamhung“ unter der Fahne der sozialistischen Solidarität am Wiederaufbau der kriegszerstörten Hafenstadt mit deutschen Ingenieuren und Facharbeitern beteiligt. You-Jae LEE vom Institut für Orient- und Asienwissenschaften an der Universität Bonn wird die solidarische Entwicklungsarbeit der DDR in Nordkorea aus der postkolonialen Perspektive heraus beleuchten.

Do 05.11.2009
19.30 h
Bildvortrag in der NGBK Vietnamesische Migrationsgeschichte
Zwischen 1980 und 1989 kamen an die 70.000 vietnamesische VertragsarbeiterInnen in die DDR. Zu jener Zeit wurden ausländische Werktätige aus den so genannten solidarischen Ländern in den unterbesetzten Betrieben als Arbeitskräfte eingesetzt. Thi Hoang Lan DO, Institut für Sozialwissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin, gibt einen fundierten Einblick in die vietnamesische Migrationsgeschichte in die DDR.

Mo 09.11.2009
12 h / 15 h
Kuratorenführung durch die Ausstellung und durch das Gebäude am Flutgraben
NGBK, GfKFB, Atelierhaus am Flutgraben, Grenzwachturm Schlesischer Busch
12 h - 18 h
Performance msk7 im Flutgraben
Partizipative Aktion FLOATING PING PONG. Teilnahme erwünscht.
Anmeldung unter www.msk7.org

So 15.11.2009
19.30 h
Finissage und Videokunst
Christina LANG / Safy Sniper, Videoarbeit „Art of two Germanys / Cold War Cultures“

www.apwberlin.de

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