WochenKlausur

Intervention der Wiener Künstlergruppe zum Thema Arbeit – Arbeitslosigkeit in Kreuzberg

3. April–10. Mai 1998

Intervention
Aktionen im öffentlichen Raum
Think-Tanks/ Diskussionsrunden
Dokumentation

Ort(e): Kunstamt Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2

www.netbase.t0.or.at/-klausur (nicht mehr online)

Künstler_innen

WochenKlausur

Teilnehmer_innen

Pascale Jeannée, Katharina Lenz, Michaela Schweiger, Paul Stefanowske, Malte Willms

Veranstaltet von WochenKlausur in Zusammenarbeit mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien und der NGBK.
In diesem Rahmen wurde der Verein “Workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V.” gegründet.
Es existiert eine unabhängige Publikation und weitere Materialien mit Reflexionen zur WochenKlausur in Japan, die im Zusammenhang mit der ‘art out’ Biennale im städtischen Raum Fukuoka City Japan 2000 entstanden sind.

Aus der Einleitung des Konzeptreaders “Eine konkrete Intervention zum Thema Arbeit – Arbeitslosigkeit”:
WochenKlausur ist eine Wiener Künstlergruppe, die seit 1993 die institutionellen Möglichkeiten der Kunst nutzt und ihr Potential zur Verbesserung und Veränderung der Lebensbedingungen Benachteiligter einsetzt. Auf Einladung renommierter Kulturinstitutionen (z. B. Wiener Secession, Shedhalle Zürich, steirischer herbst…) erarbeitet die Gruppe in mehrwöchigen Arbeitsklausuren Konzepte für die Einrichtung zielgruppenspezifischer Maßnahmen im öffentlichen Bereich und sichert deren Finanzierung und Dauerbetrieb.
So wurde z. B. in Wien die medizinische Versorgung Obdachloser sichergestellt, in Zürich eine Pension für drogengebrauchende Prostituierte eingerichtet, in Civitella ein Kommunikationszentrum für ältere Menschen initiiert oder in Salzburg eine Koordinationsstelle zur Normalisierung der Schubhaftbedingungen aufgebaut.
Auf Einladung der NGBK (Neue Gesellschaft für bildende Kunst) und des Kunstamt Kreuzberg plant WochenKlausur, im März/April 1998 in Berlin ein Projekt zu realisieren: in direktem Bezug auf die aktuelle Situation vor Ort (Bezirk Kreuzberg) sollen modellhaft konstruktive Ansätze zum Spannungsfeld Arbeit–Arbeitslosigkeit entwickelt werden.
Die Infragestellung der aktuellen ökonomischen Wertebegriffe und die Diskrepanz zwischen der Verknappung privatwirtschaftlich finanzierter Tätigkeiten einerseits und dem Anwachsen von gesellschaftlich notwendigen und sinnvollen Aufgaben andererseits bilden die Basis der Auseinandersetzung mit dem Thema.
In diesem Zusammenhang sollen auf unkonventionelle Weise bestehende Initiativen vernetzt und Marktlücken im sozialen, ökologischen wie auch wirtschaftlichen Bereich erschlossen werden. Längerfristiges Ziel ist es, neue bezahlte Tätigkeitsfelder kreativ zu entwickeln.

Pressestimmen

Scheinschlag, 15-16.1998 (sas)
“Beendet wurde die Wochenklausur mit der Gründung des Trägervereins ‘Workstation Ideenwerkstatt Berlin e. V.’ und der Ankündigung von ‘Think Tanks’. […] Vor allem aber sollen Wege zur selbstbestimmten Existenzsicherung ergründet werden. Damit sich aus persönlichen Ideen und Fähigkeiten etwas entwickeln kann, bietet man ein sogenanntes ‘Sprungbrett’ an.”

Berliner Zeitung, 04.05.1998 (Carmen Böker)
“Es erregte Neugier, daß sich Wiener Künstler mit Berliner Arbeitslosigkeit beschäftigen […]. Die Beteiligten entwickeln deshalb bei der Zusammenstellung von Gesprächsrunden mit Politikern, Senatsbeauftragten und potentiellen Sponsoren ungeahnte Überredungskünste […]. Für Berlin schwebt WochenKlausur die Realisierung einer durch Gönneraktien, Sponsoren und öffentliche Mittel finanzierten Koordinierungsstelle vor, die die typische Arbeitsamt-Situation umkehrt, indem sie den Ratsuchenden als Anbieter bestimmter Fähigkeiten definiert. Zudem sollen in ‘Think Tanks’ nicht nur neue Tätigkeitsfelder geortet, sondern konkrete Arbeitsplätze entwickelt werden.”

taz, 04.05.1998 (Harald Fricke)
“Die Berliner und Wiener AktivistInnen verstehen ihr Projekt als Initiative, die in ‘gesellschaftliche Strukturen’ eingreift. Seit 1993 wird ‘interveniert’ - auf Einladung lokaler Kunstvereine. […] Und nun also Berlin-Kreuzberg, ein Bezirk mit immerhin an die 25.000 Arbeitslosen. […] Menschen ohne Arbeit wurden befragt und Entscheidungsträger konsultiert; man baute sich ein Büro im Kunstamt Kreuzberg auf, und man sammelte Zeitungsartikel zum Thema.”

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