Ene Mene Muh und welche Stadt willst Du?

Beiträge zum Berliner Wahlherbst 2016

10. September–3. Oktober 2016
Eröffnung: 9. September 2016

Ausstellung
Publikation
Veranstaltungsreihe
Raumdiagramm

Ort(e): nGbK, Oranienstraße 25

Teilnehmer_innen

Sandra Bartoli, HK Bast & Leut’Werk, Niels Boeing, Daniela Brahm, Ascan Breuer, Irene Bude und Olaf Sobczak und Steffen Jörg, Frauke Burgdorff, Robert Burghardt, Paola Castillo und Tiziana Panizza, Marco Clausen, cinéma copains, Gerd Danigel, Christian Ditsch, Tashy Endres, Valeria Fahrenkrog, Joerg Franzbecker, Bernd Gehrke, Erik Göngrich, Ulrike Hamann, Anna Heilgemeir, Jürgen Henschel, Mathias Heyden, Renate Hildebrandt, Andrej Holm, Claudia Hummel, Sandy Kaltenborn, Michael Kipp, Jan Kuhnert, Heimo Lattner, Judith Laub, Johannes Ludwig, Annette Maechtel, Robert Maruschke, Klaus Mehner, Kerstin Meyer, Susanna Raab, Elske Rosenfeld, Andreas Rumpfhuber, Ines Schaber, Enrico Schönberg, Boris Sieverts, Stavros Stavrides, Rouzbeh Taheri, Jürgen Tallig, Fabian Thiel, Jessica Weber-Patterson, Florian Wüst

Arbeitsgruppe

Joerg Franzbecker, Erik Göngrich, Heimo Lattner, Katja Reichard, Ines Schaber, Florian Wüst

Weitere Beteiligte

Valeria Fahrenkrog, Mathias Heyden

Die Berliner Debatten und Kämpfe um Bürger_innenbeteiligung in der Stadtentwicklung entspringen einem zunehmend dringlichen Begehren nach echter Teilhabe. Ene Mene Muh und welche Stadt willst Du? stellt Fragen zu Theorie und Praxis der Teilhabe sowie den Wegen gesellschaftlicher Veränderung in der repräsentativen Demokratie. Ausgehend von Sherry Arnsteins „Leiter der Bürgerpartizipation“ (1969) wurden Interviews mit Vertreter_innen der Initiativen Stadt von Unten, 100% Tempelhofer Feld und Kotti & Co geführt. Die dabei entstandenen Begriffsfelder „Ermächtigung“, „Augenhöhe“, „Kontrolle der Politik (durch die Bevölkerung)“ und „Selbstverwaltung“ beherbergen im Ausstellungsraum eine subjektive Auswahl und Anordnung historischer und zeitgenössischer Fotografien, Videos und Publikationen. Dieses durch Dokumentarfilme begleitete Raumdiagramm versteht sich als ein Diskussionsangebot und Referenzsystem für die Veranstaltungen des Projekts, die Radiolesungen, Vorträge und Gespräche zu den Themen urbane Gemeingüter, öffentliche Liegenschaften, Wohnungspolitik, Community Organizing und direkte Demokratie umfassen.

Ene Mene Muh und welche Stadt willst Du? ist ein Projekt der Initiator_innen der Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt. Die fortlaufende Reihe kleiner Publikationen verbindet künstlerische, essayistische und aktivistische Praxen. Die Hefte thematisieren die sozialen, kulturellen und ökonomischen Veränderungen in Berlin und anderen Städten, und greifen in die stadtpolitischen Debatten sowohl historisch reflektierend wie aktuell informierend ein. Im Anschluss an die Ausstellung entstehen neue Ausgaben der Berliner Hefte in Koproduktion mit dem Verlag der nGbK.

Kurator der Vorträge und Gespräche:
Mathias Heyden (Tischler und Architekt, Mitbegründer des Berliner Hausprojektes K 77, ehemals wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet für Städtebau und Urbanisierung, Technische Universität Berlin, freiberuflich tätig als Institut für Strategien partizipativer Architektur und räumlicher Aneignung)
In Zusammenarbeit mit:
Daniela Brahm (bildende Künstlerin, Initiatorin und Mitglied des Planungsteams der ExRotaprint gGmbH in Berlin-Wedding, u.a. Mitglied des Runden Tisches zur Neuausrichtung der Berliner Liegenschaftspolitik)
Tashy Endres (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Theorie der Gestaltung, Universität der Künste Berlin, engagiert u.a. in der Mietergemeinschaft Kotti & Co)
Ulrike Hamann (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung, Humboldt-Universität zu Berlin, engagiert u.a. in der Mietergemeinschaft Kotti & Co)
Kerstin Meyer (Entwicklungsökonomin, war aktiv in der Kampagne für den Volksentscheid zum Erhalt des Tempelhofer Felds und ist Mitinitiatorin des aktuellen Volksbegehrens „Volksentscheid retten“ zur Stärkung der direkten Demokratie in Berlin)
Elske Rosenfeld (Künstlerin und Autorin, arbeitet zu Körper und Revolution, u.a. mit Materialien aus der Geschichte des Staatssozialismus und seiner Dissidenzen sowie des Umbruchs von 1989)

Veranstaltungen:

Samstag, 10. September 2016, 18 Uhr (de)
Vortrag und Gespräch: Von Wegen. Überlegungen zur freien Stadt der Zukunft
mit Niels Boeing (Hamburg), Moderiert von Mathias Heyden
Die Veranstaltungsreihe beginnt mit Niels Boeing (Reisender und Journalist, Mitglied des Aktionsbetriebes LOMU – local organized multitude sowie aktiv im Hamburger Netzwerk „Recht auf Stadt“). Ausgehend von seinem Buch Von Wegen. Überlegungen zur freien Stadt der Zukunft (Edition Nautilus, Hamburg 2015) sprechen wir mit ihm darüber, inwieweit ein radikales, an die Wurzeln reichendes Denken für ein emanzipatorisches Handeln im Sinne von „Ermächtigung“, „Augenhöhe“, „Bürgerkontrolle“ und „Selbstverwaltung“ fundamental ist. Eine dabei essentielle Frage ist, wie man Theoriearbeit so organisiert, dass grundlegende und folglich systemverändernde Ansätze der Stadtforschung zum allgemein gebräuchlichen Handwerkszeug städtischer Aktivist_innen und stadtweiter Bündnisse werden. Eine für Boeing wichtige Inspiration ist das Konzept des libertären Kommunalismus von Murray Bookchin, welches u.a. für direktdemokratische Bürger_innenversammlungen und kommunales Eigentum der Produktionsmittel als materiellem Bestandteil des libertären institutionellen Rahmens auf ökologischer Basis argumentiert.

Mittwoch, 14. September 2016, 19 Uhr (de)
IBID – Szenische Lesungen aus politischen Dokumenten
Zwei Welten? TUNIX, Mescalero und die Folgen, 1978
Bearbeitet von Heimo Lattner & Annette Maechtel, Livesendung auf reboot kotti.fm 99.1
Vom 27.–29. Januar 1978 fand an der TU Berlin das „Treffen in TUNIX“ statt. Tausende junge Menschen kamen zusammen, um über ein alternatives Leben zu diskutieren. Doch nicht die Diskussion oder die Theorie stand im Zentrum des Kongresses, sondern das konkrete Tun. Der Traum von der großen gesellschaftlichen Revolution war mit dem Deutschen Herbst und dem immer repressiver werdenden Sicherheitsstaat zerplatzt. Der „Marsch durch die Institutionen“ schien ebenso wenig glückversprechend. Statt phraseologischer Kapitalismuskritik stand die praktische, individuelle und lebendige Veränderung im Kleinen im Vordergrund.
IBID ist eine fortlaufende Serie szenischer Lesungen aus politischen Dokumenten der Berliner Stadt- und Kulturpolitik. Initiiert von Heimo Lattner und Annette Maechtel.

Freitag, 16. September 2016, 19 Uhr (de)
Gespräch: Wünsche an die Demokratie: Basis- und direktdemokratische Ansätze vom Verfassungsentwurf des Runden Tisches der DDR zur Gesamtberliner Verfassung
Zeitzeugengespräch in offener Runde mit Bernd Gehrke (Berlin), Jürgen Tallig (Berlin) u.a.
Moderiert von Kerstin Meyer & Elske Rosenfeld
Ist die Verankerung der direkten Demokratie in der Berliner Landesverfassung den basisdemokratischen Bewegungen der 1990er Jahre zu verdanken? Diese These steht oft im Raum. Wir möchten mit Bernd Gehrke (Historiker, Herausgeber, Ökonom, wirkte für die Vereinigte Linke am Verfassungsentwurf des Zentralen Runden Tisches der DDR mit) und Jürgen Tallig (DDR-Bürgerrechtler, Autor, Mitbegründer Neues Forum Leipzig, arbeitete für die Demokratie-Initiative 90 und Zuarbeit zum Verfassungsentwurf des Zentralen Runden Tisches) darüber sprechen, welche Erfahrungen sie mit direkten Demokratieformen in der DDR im Kontext der Revolution von 1989 machten, und welche Erwartungen sie damit für ihre demokratische Zukunft verbanden. Welche Gedanken und Auseinandersetzung führten zu einem Festschreiben von Formen der direkten Demokratie in den Verfassungstexten? Und wie sehen deren Autor_innen die damit verbundenen Vorstellungen heute eingelöst?

Samstag, 17. September 2016, 18 Uhr (engl)
Vortrag und Gespräch: Common Space: The City as Commons (In Common)
mit Stavros Stavrides (Athen), Moderiert von Ulrike Hamann & Mathias Heyden
Based on his book Common Space: The City as Commons (Zed Books, London 2016) published as part of the series In Common, we talk with Stavros Stavrides (architect, activist and professor at the National Technical University of Athens) about his understanding of threshold and border spaces as spatial commons and their potential for urban-communal action to reclaim public space. His global engagement with social housing construction and informal settlements additionally prompts us to grasp Berlin’s housing stock as spatial commons. His work on commons and communing refers to multifaceted processes, in which spaces, usage subjects (residents) and usage rules (institutions) have the same qualitative features. Space is therefore not only a product based on sharing, co-operation and solidarity, but also the means with which egalitarian social relations are established, formed and shaped – living environments ruled by everyone and accessible for all.

Sonntag, 18. September 2016, ab 17 Uhr
Du bist nicht allein – Wahlabend-Gala im Südblock
Südblock, Admiralstraße 1–2, 10999 Berlin
Anlässlich der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus: Ergebnisse, Analysen, Unterhaltung. Durch den Abend führen Frau Schmidt und Herr Müller.

Mittwoch, 21. September 2016, 19 Uhr (de)
IBID – Szenische Lesungen aus politischen Dokumenten
Forum Stadtpolitik: Wohnungsnot–Instandbesetzung?, Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin, 12. Februar 1981
Bearbeitet von Florian Wüst, Livesendung auf reboot kotti.fm 99.1
Anfang 1981 begann der Westberliner Häuserkampf und die Auseinandersetzung zwischen Besetzer_innen und Polizei zu eskalieren. Als Beitrag zur Versachlichung der öffentlichen Diskussion und zur Auffindung politischer und planerischer Lösungen verstand sich das Forum Stadtpolitik des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin vom 12. Februar 1981. Während des „ganztägigen Forums für Betroffene, Experten und Politiker“ erreichten immer wieder Meldungen aus akut von Räumung bedrohten Häusern den Audimax der TU. Das dritte Podium des Tages trug den Titel „Instandbesetzung und Stadterneuerung: Politische Forderungen und Konsequenzen“, mit dabei u.a. Volker Hassemer (CDU), Dirk Schneider (AL) und Bausenator Peter Ulrich (SPD).
IBID ist eine fortlaufende Serie szenischer Lesungen aus politischen Dokumenten der Berliner Stadt- und Kulturpolitik. Initiiert von Heimo Lattner und Annette Maechtel.

Donnerstag, 22. September 2016, 19 Uhr (de)
Performativer Vortrag: Mitmachstadt trifft Kalkberg
von Claudia Hummel (Berlin) & Boris Sieverts (Köln)
Moderiert von Erik Göngrich
Mit 210 kg Tonerde und einer Auswahl an Fotografien von Projekten der Stadtentwicklung und „Stadtvermittlung“ werden verschiedene Formen der Partizipation zur Diskussion gestellt. Wer nimmt wann und wie an was auf welche Weise teil? Claudia Hummel stellt das „Bauvorhaben Mitmachstadt“ vor, das in den Jahren 1979–81 in verschiedenen westdeutschen Städten von den Künstler_innen der Gruppe Leut’Werk durchgeführt wurde. Hummel arbeitet kunstvermittelnd, künstlerisch und kuratorisch. Seit 2009 lehrt sie am Institut für Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin. Dort hat sie die Versuchsanordnung der „Mitmachstadt“ kennengelernt und deren Wiederaufführung in Bernau bei Berlin im Sommer 2015 konzipiert und organisiert. Boris Sieverts präsentiert die Aktionen der Bürgerinitative Kalkberg, die seit zehn Jahren gegen den Bau einer Rettungshubschrauberstation auf dem Kalkberg kämpft, einem Deponieberg der ehemaligen Chemischen Fabrik Kalk (CFK) und einer der wenigen Freiflächen zwischen den dicht besiedelten Kölner Stadtteilen Kalk, Buchforst und Mülheim. Sieverts gründete 1997 das Büro für Städtereisen, das Exkursionen in die unerforschten inneren und äußeren Randgebiete unserer Metropolen und Ballungsräume veranstaltet.

Samstag, 24. September 2016, 18 Uhr (de)
Vortrag und Gespräch: Der Boden gehört uns allen! Öffentliche Liegenschaften und sozial gerechte Bodennutzung
mit Frauke Burgdorff (Bonn/Krefeld), Enrico Schönberg (Berlin), Fabian Thiel (Frankfurt am Main)
Moderiert von Daniela Brahm & Mathias Heyden
Trotz der sogenannten Neuausrichtung der Berliner Liegenschaftspolitik können öffentliche Liegenschaften weiterhin Gewinn maximierend verkauft werden. Und vehement blockiert die dem bundesdeutschen Finanzminister unterstehende Bundesanstalt für Immobilienaufgaben einen nachhaltigen und folglich am Gemeinwohl ausgerichteten Umgang mit dem Boden, der uns allen gehört! Andernorts seit Jahrzehnten praktizierte Handhabungen wie Erbbaurechte oder Community Land Trusts bleiben in der Regel außen vor, wenn es darum geht, Boden als Gemeineigentum zu organisieren. Wir diskutieren über sozial gerechte Bodennutzung aus gemeinnütziger, zivilgesellschaftlicher und wissenschaftlicher Perspektive mit Frauke Burgdorff (Raumplanerin, Vorständin der Montag Stiftung Urbane Räume, Bonn, und Geschäftsführerin der gemeinnützigen Projektgesellschaft „Urbane Nachbarschaft Samtweberei gGmbH“, Krefeld), Enrico Schönberg (Aktivist, engagiert in der Regionalberatung Berlin-Brandenburg des Mietshäuser Syndikats, bei der Initiative Stadt Neudenken sowie der Initiative Stadt von Unten) und Fabian Thiel (Jurist und Geograph, Professor für Baurecht, Immobilienwirtschaft und Immobilienbewertung an der Frankfurt University of Applied Sciences, Forschungsschwerpunkt Nachhaltigkeit in der Grundstückswertermittlung).

Mittwoch, 28. September 2016, 19 Uhr (de)
IBID – Szenische Lesungen aus politischen Dokumenten
Die Mauerpark-Affäre: Protokoll der 70. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin, 17. Wahlperiode, 8. Oktober 2015
Bearbeitet von Heimo Lattner & Judith Laub, Livesendung auf reboot kotti.fm 99.1
Der Plot scheint simpel: Die Stadt verspricht ihren Bürger_innen einen Park, kann aber das Versprechen nur bedingt einlösen. Sie gerät in die Bringschuld gegenüber einer Stiftung, die ihre Einlage vertraglich an die Fertigstellung des Parkprojektes gebunden hat und gegenüber den Bürger_innen, die auf Mitgestaltung drängen. Ein Immobilienkonzern unterbreitet schließlich ein Angebot, das einen Ausweg aus der prekären Situation verspricht. Am 8. Oktober 2015 wird der umstrittene Baudeal im Berliner Abgeordnetenhaus schließlich besiegelt. Im 25-jähren Ringen um den Mauerpark verschmelzen das Konzept der unternehmerischen Stadt mit Begriffen wie Gemeinwesen und Partizipation zur diabolischen Figur.
IBID ist eine fortlaufende Serie szenischer Lesungen aus politischen Dokumenten der Berliner Stadt- und Kulturpolitik. Initiiert von Heimo Lattner und Annette Maechtel.

Freitag, 30. September 2016, 19 Uhr (de)
Vortrag und Gespräch: Community Organizing. Zwischen Revolution und Herrschaftssicherung
mit Robert Maruschke (Berlin), Moderiert von Tashy Endres & Mathias Heyden
Der Einstieg in unser Gespräch mit Robert Maruschke (Politikwissenschaftler und Aktivist, Arbeitsschwerpunkte Stadt- und Sozialpolitik, Berlin) ist sein Buch Community Organizing. Zwischen Revolution und Herrschaftssicherung (Edition Assemblage, Münster 2013). Inwieweit die dort diskutierten „Schulen“ zwecks langfristig angelegter Einmischung in gesellschaftliche Debatten und Kämpfe effektive Instrumente emanzipatorischer Politik sein können, kommt u.a. in einem Abgleich der Berliner Bürger_innenplattformen und dem revolutionären Community Organizing zur Sprache. Während die Tradition des vermeintlichen Gründers der Bewegung, Saul Alinsky, als affirmativ und systemerhaltend bewertet werden kann, zielt das von Eric Mann geprägte Transformative Organizing darauf ab, die eigene Politik auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen, eine „revolutionäre Realpolitik“ (Rosa Luxemburg) zu betreiben und somit auf eine dementsprechend andere Gesellschaft hinzuarbeiten. Eine wesentliche Frage ist hierbei, mit welchen Organisationsformen die seit Jahren vielzählig bottom-up engagierten Berliner_innen die gesamtstädtische Entwicklung nicht nur kleinmaßstäblich mitbestimmen, sondern diese großmaßstäblich mitentscheiden und -verantworten können.

Montag, 3. Oktober 2016, 16-20 Uhr (de)
Vortrag und Gespräch: Wohnen als Gemeingut: selbstverwaltet und kommunal! Von der Parzelle über das Quartier in die Stadtregion?
mit Anna Heilgemeir (Berlin), Andrej Holm (Berlin), Jan Kuhnert (Hannover), Johannes Ludwig (Hamburg), Susanna Raab (Berlin), Andreas Rumpfhuber (Wien), Rouzbeh Taheri (Berlin)
Moderiert von Ulrike Hamann & Mathias Heyden
Was wurde in den letzen Jahren im Zuge der intensiven Debatten und Kämpfe um ein sozial gerechtes Berliner Wohnungswesen erreicht? Was wurde verpasst? Was bleibt zu tun? Und wie diskutiert man die Wohnungsfrage in Wien, in der europäischen Metropole, die seit den 1920er Jahren massenhaft und kontinuierlich für ein öffentlich getragenes Gegengewicht zum Markt Sorge zu tragen versucht? Zudem: Kann die Auffassung, Wohnraum als Gemeingut und Wohnen als städtisch-gemeinschaftliches Denken und Handeln zu betrachten, das Begehren befeuern, bezahlbares Wohnen für Alle in die Tat umzusetzen? Darüber diskutieren wir mit Anna Heilgemeir (Architektin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universtität Berlin, aktiv in der Initiative Stadt von Unten), Andrej Holm (Sozialwissenschaftler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin, u.a. Autor von Die Legende vom Sozialen Wohnungsbau, Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt #2, Berlin 2016), Jan Kuhnert (Wohnungswirtschaftlicher Berater und Geschäftsführer von KUB Kommunal- und Unternehmensberatung GmbH, Hannover, Mitinitiator der Initiative Berliner Mietenvolksentscheid), Johannes Ludwig (Professor emeritus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg, Journalist, Publizist, Initiator DokZentrum ansTageslicht.de, u.a. Autor von Das Abschreibungs-Dschungelbuch, Berlin 1982), Susanna Raab (Studierende der Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, ehemaliges Mitglied im Koordinierungskreis der Initiative Berliner Mietenvolksentscheid, aktiv in der Interventionistischen Linken Berlin), Andreas Rumpfhuber (Architekt und Architekturtheoretiker, Gründer und Inhaber des Büros Expanded Design, Wien, u.a. Autor von Modelling Vienna. Real Fictions in Social Housing, Wien 2015), Rouzbeh Taheri (Ehemaliger Sprecher des Berliner S-Bahn-Tisches sowie ehemals Mitglied im Koordinierungskreis und Pressesprecher der Initiative Berliner Mietenvolksentscheid).

In 4 Gesprächsrunden von jeweils circa 45 Minuten Länge werden 4 Fragekomplexe diskutiert:
1. Ist Wohnraum ein Gemeingut, und ist Wohnen eine gemeinschaftliche Tätigkeit?
2. Wie lässt sich der (a) bestehende kommunale Wohnungsbau, (b) zukünftige kommunale Wohnungsbau, (c) Sozialwohnungsbau, (d) bestehende private Wohnungsbau, (e) zukünftige private Wohnungsbau dekommodifizieren?
3. Wie lässt sich der öffentliche sowie der private Wohnungsbau demokratisieren, im Haus, im Block, im Kiez, im Quartier, in der Siedlung, im Bezirk, in der Stadt, in der Region?
4. Welche Akteure sollten welche Schritte tun, welche Strategien, Methoden und Werkzuge bräuchte es hierfür, und welche Bündnisse wären zu bilden für eine dem entsprechende roadmap, in Berlin sowie bundesweit?

Samstag, 20. Mai 2017, 17 Uhr
station urbaner kulturen, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin
Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt #3: MARX-ENGELS-FORUM – JA!
Vortrag von Erik Göngrich
Erik Göngrich präsentiert die dritte Ausgabe von »Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt« in einem Vortrag und mit Zeichnungen, Fotografien und Modellen. Er stellt die Geschichte des Forums und seine wiederholten Neuverhandlungen zur Diskussion: Wie lässt sich ein offenes Gelände an dieser zentralen Stelle erhalten und eine ständig wechselnde Nutzung gestalten? Er schlägt vor, den Stadtraum ausgehend von der Kunst über die physische Präsenz verschiedener skulpturaler Setzungen zu entwickeln.
www.berlinerhefte.de
2017, ISBN: 978-3-946674-02-3
Das Heft erscheint im Rahmen des nGbK-Projekts “Ene Mene Muh und welche Stadt willst Du? Beiträge zum Berliner Wahlherbst”

Dienstag, 24. Oktober 2017, 19 Uhr
nGbK-Veranstaltungsraum, 1. OG
Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt #4: GEMEINGUT STADT
Buchpräsentation und Vorführung des Films Next Stop: Utopia (Apostolos Karakasis, GR 2015, 91’) mit anschließendem Publikumsgespräch
Veranstaltung in deutscher Sprache / Film : Original (griechisch) mit englischen Untertiteln
Response: Ulrike Hamann, Sozialwissenschaftlerin, Humboldt Universität + Kotti&co
Einführung und Moderation: Valeria Fahrenkrog, Joerg Franzbecker, Florian Wüst
Das neue, von Mathias Heyden herausgegebene Berliner Heft zu Geschichte und Gegenwart der Stadt ist die erste Publikation des griechischen Architekten und Aktivisten Stavros Stavrides in deutscher Übersetzung. Gemeingut Stadt bietet eine Einführung in Stavrides’ Nachdenken über das Schaffen räumlicher Gemeingüter als soziale Praxis. Nach einer kurzen Vorstellung des Heftes ist der Abend der Vorführung von Next Stop: Utopia gewidmet. Der Film von Apostolos Karakasis dokumentiert den Kampf einer Gruppe von Arbeitern in Thessaloniki, die im Februar 2013 die insolvente Fabrik des Baumaterialienherstellers Vio.Me besetzten, die Produktion auf ökologische Seifen umstellten und diese seither in Selbstverwaltung und als Modell eines solidarischen Wirtschaftens entgegen alle inneren und äußeren Widerstände fortführen.
www.berlinerhefte.de
2017, ISBN 978-3-946674-03-0
Gemeingut Stadt entstand im Rahmen des nGbK-Projektes “Ene Mene Muh und welche Stadt willst Du? Beiträge zum Berliner Wahlherbst” 2016.

Samstag, 25. November 2017, 18 Uhr
Gorki / Herbstsalon, Palais am Festungsgraben, Am Festungsgraben 1, 10117 Berlin
Volk, wir sind das? Die Berliner Verfassung und das (Nicht-)Erbe der DDR-Demokratiebewegung.
Im Rahmen des Herbstsalons stellen die Herausgeber_innen Elske Rosenfeld, Kerstin Meyer, Joerg Franzbecker das soeben erschienene Heft vor: Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt#5: Zur Verfassung - Recherchen, Dokumente 1989–2017
Veranstaltung in deutscher Sprache.
Livestream: berliner-herbstsalon.de/dritter-berliner-herbstsalon/diskurse/volk-sind-wir-das
Montag, 27. November 2017, 19 Uhr
aquarium, Skalitzer Straße 6, 10999 Berlin
Verfassen, nicht verfasst werden - 1989-2017
Vom Runden Tisch zur Volksgesetzgebung in Berlin

Im offenen Gespräch bringen wir die Versuche, die Berliner Verfassung zu gestalten, in Erinnerung. Gemeinsam mit Prof. Rosemarie Will, Mitautorin des Verfassungsentwurfs des Runden Tisches, und der Demokratie-Expertin Ulrike von Wiesenau gehen wir der Frage nach, wie sich in der aktuellen stadtpolitischen Situation an diese Erfahrung anknüpfen lässt. Die Diskussion wird moderiert von den Herausgeberinnen Elske Rosenfeld, Kerstin Meyer und Joerg Franzbecker.
Samstag, 9. Dezember 2017, 16 Uhr
station urbaner kulturen, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin (Hellersdorf)

Verfassen, nicht verfasst werden - 1989-2017
Vom Runden Tisch zur Volksgesetzgebung in Berlin

Im offenen Gespräch bringen wir die Versuche, die Berliner Verfassung zu gestalten, in Erinnerung. 1989/90 formulierten die Runden Tische der DDR die Vorstellungen der Demokratiebewegung zu verfassten Rechten. Heute versuchen Bürgerinitiativen Gesetze per Volksentscheid zu beschliessen. Gemeinsam gehen wir der Frage nach, wie sich in der aktuellen stadtpolitischen Situation an die Erfahrung der Bürgerbewegungen und -initiativen anknüpfen lässt. Die Diskussion wird moderiert von den Herausgeber*innen Elske Rosenfeld, Kerstin Meyer und Joerg Franzbecker.
Zur Verfassung - Recherchen, Dokumente 1989–2017 entstand im Rahmen des nGbK-Projektes “Ene Mene Muh und welche Stadt willst Du? Beiträge zum Berliner Wahlherbst” 2016.
www.berlinerhefte.de
2017, ISBN: 978-3-946674-04-7