SEXWORK - Kunst Mythos Realität

16. Dezember 2006–25. Februar 2007
Eröffnung: 15. Dezember 2006

Ausstellung
Publikation
Tagung

Ort(e): NGBK, Oranienstraße 25
Haus am Kleistpark, Grunewaldstraße 6-7
Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2

Künstler_innen

Patrick Angus, Amos Badertscher, J. Jackie Baier, Cristiano Berti, Ursula Biemann, Bianca Bodau, Viviana Bravo Botta, BuBu de la Madeleine, Jose Luis Cuevas, Jean-Ulrick Désert, diekönigin, Dr.Floy, Antje Engelmann, Stefanie Gaus, Ditte Haarløv-Johnsen, Birgit Hein, Gabriele Horndasch, Karin Jurschick, Natalie Kriwy, Ane Lan, Natasha Mendonca & Sumathi, Anna Nizio, Eva Maria Ocherbauer, Beate Passow, Anja Planišček, Tadej Pogačar, Clara S. Rueprich, Tejal Shah, Yoshiko Shimada, Judith Siegmund, Alberto Simon, Social Impact, Ulrike Solbrig, Itziar Bilbao Urrutia, Borjana Ventzislavova, Rommelo Yu, Gloria Zein

Arbeitsgruppe

Stéphane Bauer, Boris von Brauchitsch, Katharina Kaiser, Maika Leffers, Jörg Leidig, Judith Siegmund, Ulrike Solbrig

Die Ausstellung SEXWORK versammelt künstlerische Positionen zum Thema Prostitution. Ziel ist es, Darstellungsweisen zu präsentieren und zu untersuchen, welche die gängigen Klischees von Viktimisierung und Mystifizierung von Prostituierten vermeiden und voyeuristische Betrachtungsweisen in Frage stellen. Die Themenbreite umfasst die Darstellung von selbstbewusster Sexarbeit bis zu aktuellen Formen von Zwangsprostitution. Verschiedene Perspektiven ergänzen sich. Die Ausstellung präsentiert die Realität von Prostitution nicht nur aus dem Blickwinkel der weiblichen Prostituierten, sondern beleuchtet ebenfalls die Rolle der Freier und thematisiert schwule und transsexuelle Prostitution. Dabei spielen die Kämpfe um Anerkennung und gegen Diskriminierung eine wichtige Rolle, ebenso wie die Phänomene von Arbeitsmigration, Trafficking und Sextourismus.

Die Ausstellung mit über 35 internationalen KünstlerInnen ist ein Kooperationsprojekt und findet mit unterschiedlichen Schwerpunkten an drei Orten statt. In jedem Haus gibt es einen Informationsbereich mit Erklärungen zu Begriffen, Daten und Organisationen.

Das umfangreiche Begleitprogramm bietet neben Künstlergesprächen Vorträge zur juristischen Situation der Prostitution in Europa, ihrer Darstellung im Film und dem vernachlässigten Thema der Motivation von Freiern. Mit Gruppen, die für die Rechte von SexarbeiterInnen eintreten, diskutieren wir über die Grenzen und Möglichkeiten künstlerischer Darstellungen.

In Kooperation mit dem Graduiertenkolleg ‘Geschlecht als Wissenskategorie’ der Humboldt Universität Berlin und der Heinrich-Böll-Stiftung findet am 26. Januar 2007 eine Tagung über Menschenhandel statt. Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zeigt ab dem 15. Januar 2007 parallel zu SEXWORK eine Ausstellung über„KZ-Bordelle in der NS-Zeit.

Pressestimmen

konkret, 01.04.2007 (Martin Büsser)
“[I]n ‘Sexwork’ wurden die Auswirkungen der Globalisierung auf die Prostitution thematisiert. Das ist unbequem, da das Publikum damit konfrontiert wird, daß es in einer Zeit des Umbruchs lebt, in der auch Sexualität wieder oder doch verstärkt zu einem Problem geworden ist, und daß ein Großteil der Menschen weit von einer selbstbestimmten Sexualität entfernt ist.”

BZ, Susanne Maier
“Die Kunst der Prostitution. Die Ausstellung in der NGBK will das wahre Huren-Leben zeigen. Für die BZ besuchte Bordell-Chefin Felicitas Schirow die Sexwork-Ausstellung.’Wenn ich mir die Sachen anschaue, habe ich lauter kleine Déja vues’, so Felicitas Schirow, die für die BZ die Ausstellung besucht hat. ‚Das Ganze ist superrealistisch.’“

Tagesspiegel, 23.12.2006 (Julius Hess)
“Dank der Vielfalt an Ansätzen und künstlerischen Mitteln gelingt es jedoch tatsächlich, festgefügte Bilder von der Prostitution von allen Seiten zu durchlöchern. Ein roter Faden ist in der Menge jedoch schwer auszumachen. Die Werke sind roh und intellektuell, deskriptiv und wertend, die Ausstellung ist sowohl Baustelle als auch Komposition. […] Ein gelungener Kraftakt, mit dem Prostitution in ihrer Gesamtheit hier auf eine künstlerische Bühne gehievt wird. In den Fragmenten wird das soziale Phänomen der Sexarbeit sichtbar.”

taz, 21.12.2006 (Tim Ackermann)
“Die Kunst kommt bei ‘Sexwork’ denn auch ganz unerotisch daher. Es gibt keine Wiederholung medial erzeugter Mythen, wie der ‘Femme Fatale’ oder des anonymen willenlosen Opfers. ‘In den Kunstwerken tauchen natürlich Opfer von Zwangsprostitution auf’, erklärt Stéphane Bauer von der Arbeitsgruppe der NGBK, ‘aber die werden dann als Subjekte gezeigt. Sie werden personalisiert.’ Zudem und das macht die Ausstellung sichtbar – gibt es durchaus Menschen, die den Weg in die Sexarbeit bewusst gewählt haben. […] [Z]u den spannendsten Aussagen der Ausstellung [gehört,] dass Sexarbeit selbst bei vermeintlich klaren Machtverhältnissen mitunter einfach eine Frage der Bewertung ist.”