the Urban Cultures of Global Prayers

Redemption and Liberation in the City

12. November 2011–8. Januar 2012
Eröffnung: 11. November 2011

Ausstellung
Publikation
Veranstaltungsreihe

Ort(e): NGBK, Oranienstraße 25
Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10

globalprayers.info

Künstler_innen

Gilles Aubry, Sabine Bitter / Helmut Weber, Lía Dansker, Aryo Danusiri, Katja Eydel, Frida Hartz, Magdalena Kallenberger / Dorothea Nold, Verónica Mastrosimone, Sevgi Ortaç, Rika Collective, Sandra Schäfer, Surabhi Sharma, Jens Wenkel , Paola Yacoub

Arbeitsgruppe

Jochen Becker, Christian Hanussek, Anne Huffschmid, Nadine Jäger, Stephan Lanz, Oliver Pohlisch, Katja Reichard, Kathrin Wildner

Weitere Beteiligte

image-shift - büro für gestaltung, ifau - institut für angewandte urbanistik

Ausstellungsübernahme nach Camera Austria, Graz (21. Januar - 31. März)

In Lagos fasst die größte Pfingstkirche fünfmal mehr Gläubige als das weltgrößte Fußballstadion; am Rande der Megastadt entsteht eine eigene City of God. In Beirut übernehmen islamistische Einrichtungen den Wiederaufbau der kriegszerstörten Viertel und kontrollieren die Wohnungsversorgung. In Rio de Janeiro konvertieren Kinos zu Kirchen, in Mumbai werden öffentliche Räume zeitweise zur Bühne für religiöse Spektakel. Über Lautsprecher und Plakate, in Motorradkolonnen oder Prozessionen, durch eigene Fernsehsender oder auf Friedhöfen – religiöse Gemeinschaften demonstrieren ihre Präsenz und besetzen urbane Räume.

Neue religiöse Bewegungen spielen in den Städten eine immer wichtigere Rolle. Sie verändern die urbane Topographie, sie treten als wirtschaftliche wie auch als politische Akteure auf und ersetzen nicht selten die Rolle des Staates – quer durch alle Weltregionen und Religionen. Zugleich werden die städtischen Kulturen durchdrungen von neuen religiösen Praktiken wie etwa Islamic Hip-Hop oder christlichen Nollywood-Filmen.

Die internationale Kunstausstellung the Urban Cultures of Global Prayers ermöglicht einen differenzierten Blick auf die Zusammenhänge zwischen urbaner Entwicklung und sakralen Praktiken, zwischen den Versprechen spiritueller Erlösung und sozialer Befreiung. Jenseits ideologischer Debatten um das „Wiedererstarken der Religionen“ wird in den Arbeiten von Künstler_innen aus zwölf Ländern deutlich, dass große Städte immer auch Orte religiöser Innovation sind. Die Schau thematisiert vor allem die kulturellen und städtischen Praktiken der weltweit agierenden, neuen religiösen Bewegungen. Erfahrbar werden urbane Settings, Strategien und Sinnproduktionen religiöser Akteure und Gemeinschaften in Metropolen des Globalen Südens wie Lagos, Mumbai oder Rio de Janeiro – aber auch in Istanbul und Berlin. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf visuellen und medialen Formaten der Fotografie, Videoinstallation und des Soundscape.

Die Ausstellung der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst findet im Rahmen des von metroZones initiierten transdisziplinären Kultur- und Forschungsprojekts Global Prayers – Erlösung und Befreiung in der Stadt statt. In enger Zusammenarbeit künstlerisch und wissenschaftlich Forschender lotet Global Prayers aus, wie die neuen Politiken, Ökonomien und Kulturen des Glaubens im städtischen Raum funktionieren, welche Bilder und Klänge, Räume und Praktiken das Religiöse im Zeichen der Globalisierung hervorbringt. Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie Religion städtische Räume produziert und verändert, aber auch wie das Städtische neue Religiositäten schafft. Erkundet werden Themen wie das Verhältnis zwischen neuen urbanen Religionsgemeinschaften, Stadtplanung und Staatlichkeit, Selbstorganisation, Medialität, Alltagskultur und die Lokalisierung transnational agierender Akteure. Darin verbinden sich wissenschaftliche, ethnographische und audiovisuelle Forschungen mit hierfür neu entwickelten dokumentarischen und künstlerischen Arbeiten.

Komplementär zum Format der Ausstellung werden in Berlin im Haus der Kulturen der Welt die viertägigen Thementage Global Prayers veranstaltet (23. bis 26. Februar 2012), in dem die diskursiven (Symposien) und performativen Aspekte (Konzerte, Aufführungen, Filme) des Projekts im Vordergrund stehen. In regelmäßigen Saloons wird zudem über “Politiken” des Wissens diskutiert.

Global Prayers wird durch eine Serie von Publikationen begleitet. Bereits veröffentlicht ist der Band Urban Prayers – Neue religiöse Bewegungen in der globalen Stadt (metroZones, Verlag Assoziation A, Berlin/Hamburg 2011). Zur Ausstellungseröffnung am 11. November wird ein zweisprachiger Ausstellungsführer erscheinen. In Vorbereitung befindet sich eine englisch-sprachige Publikation zum Themenfeld der künstlerischen Forschung (metroZones, Berlin 2012). Ende 2012 soll zudem ein umfangreicher Dokumentationsband mit den Ergebnissen des Gesamtprojektes erscheinen.

Der Ausstellungsbegleiter ist auf der Webseite globalprayers.infoverfügbar.

Ein Projekt von metroZones - Center for Urban Affairs

Pressestimmen

taz, 30.11.2011 (Carla Baum)
“Religion ist ein sensibles, emotional aufgeladenes Thema, gleichzeitig hat es für viele westliche GroßstädterInnen die persönliche Bedeutung gänzlich verloren. […] Genau an diesem Punkt, der westlichen, großstädtisch-atheistischen Denkart, holt die Ausstellung ‘the Urban Cultures of Global Prayers’ ihre BesucherInnen ab. Vom multikulturellen, dennoch unreligiösen Treiben der Oranienstraße geht es hinein in die Räume der NGBK, wo dokumentarische Arbeiten mit neuen urbanen, religiösen Praktiken konfrontieren. […] Natürlich kann man den eigenen, kulturell und persönlich geprägten Blick nicht einfach abstreifen. Doch ‘the Urban Cultures of Global Prayers’ zwingt zum längeren Hinschauen und zur Auseinandersetzung, eben weil die Werke nicht selbsterklärend sind.”

saloons

globalPrayers.saloon#3
4. November 2011, 20 Uhr
Im Veranstaltungsraum der NGBK

Liberation Spirits beleuchten
Gespräch über das Verhältnis zwischen Religion und Befreiung in den Städten
Mit metroZones diskutieren Esther Andradi (Buenos Aires / Berlin), Ole Frahm (Berlin) und Klaus Ronneberger (Frankfurt/M)

Das Projekt global prayers • erlösung und befreiung in der stadt erkundet, wie neue religiöse Gruppen und Bewegungen urbanes Leben in großen Städten der Welt verändern und wie die Städte wiederum als Labore religiöser Innovationen fungieren. Damit einher geht die Frage nach einer politischen Einschätzung der neuen „spirituellen“ Gemeinden und Gemeinschaften.
Das Religiöse gilt der hiesigen Linken tendenziell als antilibertär und fundamentalistisch. In Lateinamerika hingegen waren sozialer Widerstand und Guerillabewegungen kaum ohne eine Theologie der Befreiung denkbar – und spielten auch in städtischen Kämpfen und der Politisierung der urbanen Jugend eine zentrale Rolle. Bis heute ist die Erfahrung der „Befreiungspriester“ präsent. Zugleich aber scheint sich heute ein Großteil der „städtischen Armen“ Erlösung eher von neuen Kirchen oder Kulten zu versprechen.
Wirken die neuen religiösen Bewegungen befreiend oder autoritär auf das Leben der Menschen, sind sie eher emanzipatorisch oder reaktionär? Die Forschungen von Global Prayers deuten darauf hin, dass es keine klaren Antworten auf diese Fragen gibt. metroZones lädt daher zu einem Gespräch über das Verhältnis von Religion und Politik, Glauben und Revolte ein. Es geht um die totgesagten Gespenster des Religiösen und das Begehren nach Sinnstiftung, um politische wie religiöse Transzendenz, Kulte und Visionen, ebenso wie um Gemeinschaft und Abgrenzungen und darum, dass sich Gläubigkeit womöglich gar nicht auf Religion beschränken lässt.

Der globalPrayers.saloon ist ein öffentliches Werkstattgespräch der AG ‚the Urban Cultures of Global Prayers’.

globalPrayers.Saloon #4
13. Oktober 2011 | 19:30 Uhr
Im Haus der Kulturen der Welt

Buchvorstellung
Im Rahmen des Forschungs- und Ausstellungsprojektes „Global Prayers. Erlösung und Befreiung in den Städten“ wird der jüngst erschienene Sammelband „Urban Prayers – Neue religiöse Bewegungen in der globalen Stadt“ vorgestellt.
Die Herausgeber metroZones diskutieren mit den Gästen über neue Erscheinungen des Religiösen und das Verhältnis von Spiritualität, Politik und Alltag in den Metropolen Rio de Janeiro, Mumbai, Lagos oder Berlin.

Buchpräsentation mit Hansjörg Dilger (Institut für Ethnologie der Freien Universität Berlin; Center for Area Studies Berlin), Werner Schiffauer (Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie, Europa-Universität Viadrina Frankfurt/O) und Klaus Teschner (Fachreferent für Städtische Entwicklung in der Lateinamerika- und Afrika-Abteilung des Bischöflichen Hilfswerks Misereor e.V. Aachen)

Moderation: Alexa Färber (Kultur der Metropole, HafenCity Universität Hamburg)

globalPrayers.saloon #2
27. Mai 2011, 20.30 Uhr
Im Veranstaltungsraum der NGBK

Künstlerische Aufnahmen. Urban Prayers erforschen.
Einladung zur Diskussion über künstlerische Forschung im Projekt „Global Prayers – Redemption and Liberation in the City“.
Mit: Sabine Bitter/Helmut Weber, Gilles Aubry und Katja Eydel. / Kommentar: Helmut Draxler

Das Projekt Global Prayers beschäftigt sich mit der Transformation verschiedener Metropolen der Welt durch neue religiöse Bewegungen. Die urbanen Felder dieses Kultur- und Forschungsprojekts sind stark von Ritualen, Transzendenz und spirituellen Erlebnissen, Performance und Ideologie geprägt. An dem Projekt sind KünstlerInnen beteiligt, die zum einen über Kunst in religiösen und städtischen Kontexten forschen,
zum anderen selbst künstlerische und dokumentarische Mittel einsetzen, um die jeweiligen lokalen urbanen Settings zu untersuchen; sie alle produzieren ästhetisch-materialbasiert Beiträge für die Ausstellung in der NGBK.
Die KünstlerInnen von Global Prayers haben eine erste Phase der Recherche durchlaufen und in Rio de Janeiro, Lagos, Beirut, Kinshasa und Berlin Aufnahmen in Sound und Bild gemacht. In dem GlobalPrayers.Saloon #2 berichten sie von ihren jeweiligen Ansätzen, Verfahrensweisen und Methoden in ihren Forschungen.
Mit Helmut Draxler und dem Publikum soll die viel zitierte Formel „artistic research“ diskutiert werden: Was soll und kann die Kunst (anders machen) in der Forschung?

globalPrayers.saloon #1
7. April 2011, 20 Uhr
Im Veranstaltungsraum der NGBK

Urban Cultures ausstellen
Präsentation & Diskussion des Ausstellungsprojekts ‚Afropolis’
mit den Kurator_innen Kerstin Pinther & Christian Hanussek

Als erstes öffentliches Arbeitstreffen wird die AG “The Urban Cultures of Global Prayers”, welche ab November die gleichnamige Ausstellung in der NGBK realisieren wird, das aussergewöhnliche Vorhaben “Afropolis” (Nairobi, Köln, Bayreuth) zur Diskussion stellen.
Das breit aufgestellte Projekt mit Ausstellung, Katalog und zahlreiche Veranstaltungen beschreibt Kairo, Lagos, Nairobi, Kinshasa und Johannesburg. Das kuratorische Kernteam Kerstin Pinther, Larissa Förster und Christian Hanussek navigiert dabei in den Feldern Film und Fotografie, Comics und Bildroman, Literatur, Musik und bildende Kunst sowie Urbanistik oder Ethnografie, um das landläufig rural geprägte Afrika-Bild zu erschüttern. Rasch wird deutlich, dass die fünf Metropolen nur exemplarischen Charakter haben können. Nicht Überblicksichten, sondern Teile von Stadt werden auf Tischen, Wänden oder Boxen ausgebreitet. Dabei stützt sich das Team auch auf Erkundungen selbstorganisierter Künstlerinitiativen.

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