Ulrich Wüst – Abschlussball

9. Januar–7. Februar 1993
Eröffnung: 8. Januar 1993

Ausstellung
Publikation

In Zusammenarbeit mit dem Kunstamt Schöneberg

Ort(e): Haus am Kleistpark, Grunewaldstraße 6, Berlin

Künstler_innen

Ulrich Wüst

Arbeitsgruppe Fotografie

Klaus Kroh, Wolfgang Ritter

Aus der Pressemitteilung:
Seit Ende der 70er Jahre gehört Ulrich Wüst zu den in beiden Teilen der Stadt anerkannten Künstlern. Sein Thema ist das Leben in und mit den Dingen, wie es sich in Architektur, an Denkmalen und vor allem an Gegenständen des täglichen Gebrauchs ablesen läßt. Die formal strengen, scheinbar emotionslosen schwarz-weiß und neuerdings auch farbfotografien stellt Ulrich Wüst seine Sicht dieser Ding-Welt dar. In dieser Einzelausstellung werden 6 Serien, die zwischen 1984 und 1992 entstanden sind, zu sehen sein: Pracht der Macht/ Vergangene Zukunft/ Namen und Zeichen/ Notizen/ Abschlußball/ Nachlaß. Wir freuen uns, damit zum Dialog zwischen Ost und West beizutragen.

Pressestimmen

Berliner Zeitung, Nr. 23, (Wolfgang Kil)
“’Abschlußball’, das klingt nach Zäsur. Der Fotograf Ulrich Wüst aus dem Berliner Osten hat mit der Kamera und wachem Blick eine Realität begleitet, an die mancher zurückdenken mag wie an den letzen Tag der Schulzeit. Halb froh, halb melancholisch, recht neugierig auf das, was nun beginnt. ‘Abschlußball’ ist eine Zäsur. Sie bannt auf Fotopapier, was war. Sie reflektiert Ambivalentes, wo die Situation einer Schulklasse, die nach Jahren auseinandergeht, wird für die Situation der Menschen in einem Land, das sich auflöst.”

Frankfurter Rundschau, 26.01.1993 (Roland H. Wiegenstein)
“Was Stefan Moses mit inszenierten Porträts aus der gerade zu Ende gegangenen DDR gelungen ist, gelingt auch Wüst: die Charakterisierung eines Menschentypus, der selbst in seinen jugendlichen Exemplaren Jahre brauchen wird, um die Prägung loszuwerden, die ihnen – und ihren Eltern – über vierzig Jahre lang aufgedrückt wurde. In einer zweiten Serie hat Wüst ‘Fundstücke aus der Zeit der Hoffnung 1945–1950’ aufbewahrt: Zeitungsausschnitte, Plakate, lauter ‘Sekundärmaterial’, das sich irgendwo erhalten hat und nun im Rasterdruck, der ihm eingeschrieben bleibt, sich selbst widerspricht. Dieser Folge eines so geduldigen wie scharfen Hinsehens und Auswählens entsprechen die ‘Notizen’ von 1984/85, in denen mit demselben genauen Blick die Trostlosigkeit des verordneten Lebens, die Öde der kleinen Freuden, die Verwahrlosung der Umwelt festgehalten wird, kalt beobachtend und zuweilen voller Trauer. […] Optimistisch ist da nichts. Wüst ist ein Photograph, dessen ‘Effekte’ sich allein einer forschenden Neugier verdanken, die es genau wissen will.”

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