Afrika – 100 Jahre Einmischung

Die Berliner Kongo-Konferenz von 1884 und ihre Folgen

16. November–6. Dezember 1984
Eröffnung: 15. November 1984

Ausstellung
Publikation (Afrika den Europäern! Von der Berliner Kongokonferenz 1884 ins Afrika der neuen Kolonisation)
Veranstaltungen

In Zusammenarbeit mit dem Bremer Afrika Archiv

Ort(e): Berliner Festspiele GmbH, Budapester Straße 48

Arbeitsgruppe

Rolf Brockschmidt, Hans Mayer, Brigitte Schreiber

Teilübernahme vom Bremer Überseemuseum

Aus der Publikation “Weiss auf Schwarz”:
Vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 tagte in Berlin unter dem Vorsitz des deutschen Reichskanzlers Bismarck die sogenannte Kongo-Konferenz, bekannt auch unter der Bezeichnung Afrika-Konferenz, an der 15 Staaten teilnahmen. Neben Deutschland waren das die wichtigsten Kolonialmächte jener Zeit einschließlich Rußlands, den USA und der Türkei. Die Konferenz endete mit der Verabschiedung einer Vereinbarung, in der wichtige, für die damaligen kolonialpolitischen Interessen entscheidende Festlegungen getroffen wurden.
Warum sich heute, 100 Jahre später, mit der Berliner Konferenz beschäftigen? Ist sie nicht zu Recht Vergangenheit geworden zu Gunsten einer Gegenwart, in der Kolonialismus einhellig verurteilt wird und nur noch in wenigen Gebieten der Erde mühsam seinen Platz behauptet?
Angesichts der Schwierigkeiten, denen die Bewältigung des kolonialen Erbes auch in diesem Land, d. h. in der Bundesrepublik Deutschland, ausgesetzt ist, wird die Beschäftigung mit dem für den Kolonialismus – und insbesondere den deutschen Kolonialismus – wichtigen Ereignis ‘Berliner Konferenz’ zu einer politischen Notwendigkeit.

Pressestimmen

Der Stachel, 01.11.1984 (Pit Mischke)
“Es wäre eines Gedenktages in Berlin allerdings wert gewesen, vor allem, da man seit dem ‘Preußen’- und dem ‘Hitler-Jahr’ gesehen hat, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist - wie wenig man trotzdem weiß, warum alles so (und nicht anders) gekommen ist. Ist es denn vielleicht nur Zufall, daß in dem ganzen Rummel um ‘Berlin um 1900’ der Aspekt ‘Kolonialismus’ gar nicht auftaucht?”

Volksblatt Berlin, 14.11.1984 (Stefan Woll)
“Die Entscheidung, Landesmittel nicht bereitzustellen, verweist nach Ansicht von Uwe Tietz nicht weniger darauf, ‘wie Berliner Geschichte verdrängt wird’.”

Heilbronner Stimme, 11.05.1985 (Hartmut Hölscher)
“Die Ausstellung in der Johanniterhalle zeigt eindrucksvolles Anschauungsmaterial für eine geistige Auseinandersetzung mit den menschenverachtenden Praktiken des Kolonialismus. Sie leidet jedoch unter einer vereinfachenden Schwarz-weiß-Malerei. Die berechtigten Anklagen erschöpfen sich vielfach in gängigen und anzweifelbaren Klischees. Wirtschaftliches Engagement der Industrieländer darf nicht nur als Ausbeutung verurteilt werden, es werden auch Arbeitsplätze geschaffen. Einseitige Kritik an den Waffenexporten der Industrienationen läßt außer acht, daß eben die Entwicklungsländer allzuoft selbst nach Waffen gieren. Und die Exporte der Dritte-Welt-Länder in die Industriestaaten bringen diesen Ländern die dringend benötigten Devisen - nicht zuletzt für Nahrungsmittelkäufe. Ähnlich einseitig werden die Befreiungsbewegungen bewertet. Die Ausstellung wird, trotz vieler Informationen und guter Gedankenanstöße, vom Klischeedenken etwas entwertet. Das zwingt andererseits auch zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Gebotenen.”